Freitag, 10. Februar 2012 |
Was wohl passiert, wenn unsere Regierung wirklich anfängt, Kinder zu schützen, ist das Thema dieses Standpunkt Sicherheit.
Das Thema dieses Standpunkts war seit Mitte letzter Woche klar - die als Kinderporno-Filter getarnte Webzensur. Aber wo anfangen, wo ansetzen? Da sich die Politiker zur Zeit mal wieder darum drängeln, wer denn die meisten Watschen vom Bundesverfassungsgericht und den Wählern bekommt, ist das schwierig. Zum einen könnte ich ja mal die bisher vorgestellten Ideen einem kleinen Sicherheitstest unterziehen (wussten Sie, dass es da z.B. ein paar DoS-Schwachstellen drin gibt?). Oder ich führe das, was bisher auf dem Tisch liegt, einfach mal weiter fort. Bei den abstrusen Vorschlägen kommt dabei natürlich etwas noch viel abstruseres raus, aber vielleicht hilft es ja einigen Leuten, die Gesetzesinitiative aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Schwierig, schwierig, vor allem, weil der Text schon durch diese Einleitung immer länger wird... OK, den Schwachstellentest kann ich auch nächste Woche noch machen, bis dahin wird der Gesetzentwurf bestimmt noch weiter verschlimmbessert. Und dann kann ich da gleich noch einen draufsetzen. Sonst heißt am Ende noch, ich hätte denen die Idee zum Verbot des Internets geliefert. Also Ansatz 3: Was wäre, wenn...
... es wirklich um den Schutz der Kinder vor Missbrauch ginge und man das ganze genau so wie bei den derzeitigen Zensurbemühungen anpacken würde.
Die Ausgangslage: Eine bisher nicht besonders aufgefallene Ministerin beschließt, den Kindesmissbrauch zu bekämpfen. Nun weiß jeder, dass vor allem in einem hier ungenannten asiatischen Land besonders häufig Kinder von Touristen missbraucht werden. Unsere Ministerin schließt daraus messerscharf: Alle Touristen sind potentielle Kinderschänder.
Den Missbrauch kann man zumindest zum Teil verhindern, indem man die Touristen davon abhält, in entsprechende Orte zu reisen. Unsere umtriebige Ministerin schließt mit einigen Reisebüros einen Vertrag: Das BKA erstellt eine weltweite Liste der Orte, an denen bereits Kinder missbraucht wurden, und immer, wenn ein Tourist eine Reise in einen dieser Orte buchen will, wird ihm dies verweigert.
Nun ist das für die Touristen, die nicht am Kindesmissbrauch interessiert sind, weiter kein Problem. Die wollen sich nur die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und dazu ein Bierchen trinken, das geht auch in anderen Orten. Dass in manchen Etablissements ihres ursprünglichen Wunschorts Kinder missbraucht werden, wussten sie sehr wahrscheinlich nicht einmal. Vermutlich sind sie dem Reisebüro sogar dankbar, das es sie von der Reise in einen so verrufenen Ort abgehalten hat.
Aber auch für die Kinderschänder ist das kein Problem, die gehen einfach zum nächsten Reisebüro, das sich nicht von der Frau Ministerin hat ködern lassen.
Diese Vertragslösung ist zwar ein erster, kleiner Anfangserfolg, aber viel mehr Wählerstimmen versprechen sich unsere zuständige Ministerin und ihre Kabinettskollegen mit einem Gesetz, das allen Reisebüros vorschreibt, dass sie keine Touristen in die Orte mit Kindesmissbrauch reisen lassen dürfen. Außerdem ist ein Gesetz immer besser, ein Vertrag sieht doch etwas willkürlich aus, das möchte man ja nicht unbedingt. Es reicht schon, dass die geheimgehaltene Liste verbotener Ort kritisiert wird. Aber soll man etwas den Kinderschändern der Welt Reiseempfehlungen geben?
Damit die Kinderschänder nicht einfach die Nachbarorte buchen und dann mit dem Bus oder Taxi in den verbotenen Ort fahren, kommen auch diese auf die Liste des BKA.
Schnell ist man sich einig, dass das Reiseverbot allein nicht reicht: Jeder, der da hin will, will schließlich Kinder missbrauchen. Also sollen die Reisebüros die Daten der Touristen, die einen Ort von der Liste buchen wollen, an das BKA übermitteln. Leider hat man vergessen, das der Ministerin zu sagen (oder sie hat es gehört, aber nicht begriffen) - die ist weiterhin der Ansicht, den Touristen würde nur gesagt, das sie in den gewünschten Ort nicht reisen sollten, weil es dort zu Kindesmissbrauch kommt. Dass die Touristen schon mit einem Bein im Gefängnis stehen, wissen sie daher gar nicht.
Beim BKA macht man sich sofort daran, all diese potentiellen Kinderschänder zu verfolgen. Pech für die Touristen, die wirklich nur ein bisschen in der Sonne liegen und ihr Bierchen trinken wollten, aber das sind halt Kollateralschäden, die kommen vor. Außerdem sollen die sich nicht so anstellen wegen der Hausdurchsuchung, dem zerstörten Ruf und den paar Monaten Untersuchungshaft, schließlich geht es um den Schutz von Kindern! Wenn sie wirklich unschuldig sind, kommen sie schon irgendwann frei. Sobald die überlastete Justiz ihren Fall bearbeiten kann, wird sich ihre Schuld oder Unschuld schon erweisen.
Nach einiger Zeit, die Gefängnisse füllen sich mit potentiellen Kinderschändern, steigen die Raten für alle anderen Verbrechen drastisch an - die Polizei ist vollkommen mit der Verfolgung der potentiellen Kinderschänder beschäftigt, für mehr als der Kontrolle von Parkverboten und Geschwindigkeitskontrollen bleibt daneben keine Zeit. Die Regierung beschließt, das ganze Verfahren zu automatisieren: Wer eine Reise in einen der verbotenen Orte buchen will, wird sofort im Reisebüro verhaftet und direkt ins Gefängnis gesteckt, schließlich ist er ein Kinderschänder.
Und so kam es, das es irgendwann in Deutschland nur noch drei Gruppen von Menschen gab:
Ende
Carsten Eilers