Samstag, 4. Februar 2012


Kolumne

Montag, 28. September 2009 | Kolumne

KW 40/09 - Standpunkt Sicherheit

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/entwicklerde/news/051500)
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Drei Umfragen sind die Themen dieses Standpunkt Sicherheit: Die Bundestagswahl, die Windows-Fitness und der Virenschutz vor 10 Jahren.

"Umfrage" #1: Wenn wünschen Sie ins Parlament?

Zur Tür hinein, linke Reihe anstellen, jeder nur zwei Kreuze ...

Eigentlich wollte ich noch ein bisschen was zu Überwachungskameras, Überwachungsvideos, Überwachungswahn und ähnlichem schreiben, aber irgendwie habe ich dazu nach dem derzeitigen Stand des Wahlergebnisses keine Lust. Obwohl: Das dürften interessante Koalitionsverhandlungen werden, wenn unser Noch-Innenminister versucht, seine neueste Horrorliste durchzusetzen, während unser Demnächst-Super-Irgendwas-Minister versucht zu beweisen, dass die Stimmen für die FDP nicht für den Gulli waren, wenn es um die Bürgerrechte geht.

Wie war das doch bei Goethe: "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube." Vor allem, wenn ich an den trotz FDP-Beteiligung an der Landesregierung immer noch nicht abgeschafften Bayerntrojaner und die mit FDP-Beteiligung an der Landesregierung geplante Einführung der Überwachung der Internet-Telefonie in Sachsen (womit wir dann auch einen Sachsentrojaner bekommen) denke. Außerdem haben die Bundesinnenminister die fatale Eigenschaft, immer schlimmer als ihr Vorgänger zu sein. Bei Manfred Kanther dachte ich, schlimmer kann es ja nicht mehr werden. Dann kam Otto Schily mit seinen 'Otto-Katalogen' und ließ Kanther harmlos erscheinen, und danach gab sich Wolfgang Schäuble alle Mühe, seinen Vorgänger zu übertreffen - erfolgreich, wie wir wissen. Wer weiß, wer und was als nächstes kommt? Eigentlich bräuchten wir ja mal einen Innenminister, der den Schutz der Verfassung ernst nimmt. Ob man Gerhart Baum überreden könnte, den Job noch mal zu übernehmen? Dann kann er sich zukünftige Klagen beim Bundesverfassungsgericht sparen und die verfassungswidrigen Gesetze schon vorher stoppen.

Beim Betrachten der Ergebnisse der Bundestagswahl sind mir ein paar überraschende Parallelen zur Vergangenheit aufgefallen: 1980 kamen die Grünen bei ihrer ersten Teilnahme an einer Bundestagswahl auf 1,5% der Zweitstimmen, 1983 (für die, die nicht dabei waren: Damals ist die FDP mit fliegenden Fahnen von der SPD zur CDU übergelaufen, nachdem sie Helmut Schmidt als Bundeskanzler abgesägt hatte) kamen die Grünen auf 5,6%. "Nebenbei" kam auch das Thema Umweltschutz in den damals etablierten Parteien an. Naja, mehr oder weniger.

Die Piraten haben zur Zeit 1,9%. Ob sich die Geschichte wiederholt? Oder sind die anderen Parteien diesmal schlauer und nehmen die Themen der Piraten ernst? Ich bin auf jedem Fall auf die nächste Bundestagswahl gespannt - sowohl auf das Ergebnis als auch auf den Termin.

"Umfrage" #2: Fitnesstest für Windows-User

Microsoft hat in einer Pressemitteilung verkündet, dass Deutsche an fast jeder dritten Frage nach gängigen IT-Basiskenntnissen scheitern, dabei aber IT-Basiskenntnisse mit Windows- und MS-Office-Basiskenntnissen verwechselt. Denn der überwiegende Teil der Fragen dreht sich um Windows, Word, Excel, Internet Explorer und Outlook. Was das mit Sicherheit zu tun hat? Gar nichts - Sicherheit kommt nicht vor. Wenn man mal davon absieht, dass das genau die Programme sind, die in der Vergangenheit besonders häufig durch Schwachstellen aufgefallen sind. Fehlt eigentlich nur der Adobe Reader, aber da der nicht von Microsoft ist, konnte er wohl leider nicht berücksichtigt werden. Windows-Nutzer ohne jeden blassen Schimmer von Sicherheit im Internet unterwegs - das geht meist nicht lange gut. Vielleicht ist es aus Sicherheitssicht doch ganz gut, dass die Deutschen nicht besonders Microsoft-Fit sind. Das lässt zumindest hoffen, dass sie sich dafür mit IT besser auskennen.

Aber was soll man auch von einem Test halten, bei dem jeder Teilnehmer, egal welche Vorkenntnisse er hat, mit allen anderen in einen Topf geschmissen und verglichen wird? Ich kann ja mal bei Gelegenheit im Kindergarten und Altersheim vorbei gehen und einen kleinen Test "Wie leserlich können Deutsche schreiben?" veranstalten. Das Ergebnis kenne ich jetzt schon: Saumäßig - wir brauchen also dringend Schreibkurse! Dass die eine Hälfte der Testteilnehmer noch gar nicht schreiben kann und die andere Hälfte altdeutsche Schrift verwendet und/oder zittert, stört doch nicht. Oder?

Umfrage #3: Virenschutz anno 1999

Und noch eine Umfrage: Avira wollte anlässlich des eigenen zehnjährigen Jubiläums wissen 'Wie schützten sich PC-Anwender vor zehn Jahren gegen Viren?'. 32% der Befragten hatten damals noch gar keinen PC. Leider wurde vergessen, das Alter der Teilnehmer anzugeben bzw. abzufragen - vielleicht konnten die damals ja auch noch gar keinen bedienen? Und 'PC-Anwender' - meinen die PC im Sinne von Windows-Rechner oder PC im Sinne von 'persönlicher Computer'? Einen Windows-Rechner hatte ich damals auch nicht. Dafür einen Mac, einen Atari und ein oder zwei Linux-Rechner. Auf dem Mac lief zeitweise Norton Antivirus - eine von zwei Möglichkeiten, das System mit Sicherheit instabil zu bekommen (die andere war die Installation von MS Word 6.0 für Mac, das eher ein PC-Word mit integriertem Windows-Emulator als ein eigenständiges Mac-Programm war). Mangels Viren flog das bald von der Platte. Auf dem Atari lief ein Virenscanner, der leider auch nötig war, auf dem Linux-Rechner mangels Viren (und Virenscanner) natürlich nicht.

22% der Befragten hatten "zumindest einen Grundschutz gegen Viren ohne weitere Raffinessen" - welche Raffinessen denn? Gab es schon welche? Damals fingen die Viren gerade an, raffinierter zu werden, und das Web begann, den Kinderschuhen zu entwachsen. 1999 - das war das Jahr, in dem der Melissa-Virus ausbrach, ein Macro-Virus, der sich über E-Mail verbreitete. Besonders viel Raffinesse war für dessen Erkennung noch nicht notwendig. Und "Unvorsichtige 12 Prozent (653 Teilnehmer) verzichteten damals komplett darauf, ihren Computer zu schützen." Vielleicht, weil es mangels Viren für das eigene System nicht nötig war? Danach wurde leider nicht gefragt, und damit ist diese Umfrage eigentlich nutzlos. Und trotzdem hat sie ihren Zweck erfüllt: Es wird darüber geredet und geschrieben, und Avira bekommt kostenlose Werbung. Gern geschehen.

Carsten Eilers

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