Sonntag, 12. Februar 2012 |
"Indische Entwickler lieben Java" titelt das Online-Magazin CIOL und lässt Dr. B. V. Kumar, Chefarchitekt bei Cognizant Technology Solutions, zu Wort kommen, mit seiner Einschätzung, Java sei derzeit die beliebteste Programmiersprache weltweit. Für Kumar hat vor allem auch die Open-Source-Bereitstellung der Java-Technologie im Jahr 2007 dazu geführt, dass Java heute die am meisten genutzte Programmiersprache sei. Doch wie lassen sich Dinge wie Verbreitung oder gar "Beliebtheit" einer Programmiersprache objektiv messen?
Der CIOL-Artikel bemüht dann auch eher diffuse persönliche Erfahrungswerte des Autors beim Besuch von Entwicklerkonferenzen, in denen Java angeblich eine größere Aufmerksamkeit als andere Technologien erhalte. Des Weiteren seien Sun-Zertifizierungen über Java-Kenntnisse in Indien begehrt und auf dem Arbeitsmarkt am meisten gefragt. Dass der Artikel in der Folge dann auf die Zertifizierungsmöglichkeiten im eigenen Hause eingeht, zeigt deutlich, dass Aussagen über die vermeintliche Beliebtheit einer Technologie selten ohne Hintergedanken getätigt werden.
Zum Beispiel soll der monatlich aktualisierte Index von Tiobe Software die Popularität verschiedener Programmiersprachen messen. Der Index analysiert hierfür die Anzahl von Entwicklern, Bildungsangeboten und Produktanbietern, bemüht die Such-Engines von Google, MSN und Yahoo! und zieht Wikipedia- und YouTube-Anfragen zum Vergleich heran.
Und im März 2010 liegt im Tiobe-Index auf Platz Nr.1 tatsächlich Java. In den Top Ten folgen:
Java wurde im Tiobe-Vergleich seit 2002 nur kurzzeitig (zwischen 2004 und 2005) durch C von Platz 1 verdrängt. Ob der Index allerdings jenseits der Zahlenspielerei auch objektive Aussagekraft besitzt, darf insbesondere auch angesichts der eher undurchsichtigen Ermittlungswege bezweifelt werden.
Differenzierter - weil transparenter - operiert da schon die Seite http://langpop.com/, auf der verschiedene Sprachvergleiche anhand unterschiedlicher Kriterien durchgeführt werden. Legt man das Kriterium der Internet-Suchanfragen an, so kommt man je nach verwendeter Suchmaschine zu unterschiedlichen Ergebnissen. Während Java bei Yahoo!-Anfragen hinter C und C++ auf Platz drei gelistet wird (vor PHP, Perl, Visual Basic, Python, JavaScript und C#), kommt es bei der Google-Suche nach Programmiercode auf Platz 1 (hinter C, C++, PHP, C#, Perl und Delphi).
Weitere Statistiken zeigen die Ergebnisse der Auswertungen von Jobsuchmaschienen, Buchveröffentlichungen und die Anzahl der Code-Beiträge zu Open-Source-Projekten. Die normalisierte Statistik, die einen Durchschnitt der verschiedenen Vergleichskriterien darstellt, nimmt dann folgende Gestalt an:
Vielleicht bringen uns die harten Zahlen auf den Seiten von Sun (bzw. Oracle) weiter?
Gemäß der "Java History Timeline" lag die Anzahl der Downloads des JDK 1.1 im Jahr 1998 bei zwei Millionen. Das Jahr 2001 sah 1 Million Downloads des Java EE SDKs, 2002 erreichte die Zahl der J2EE-Downloads die zwei Millionengrenze. 2003 soll Java Technologie auf fast 550 Millionen Desktops gelaufen sein.
2005, zum zehnten Geburtstag von Java, soll Java von ca. 4,5 Millionen Entwicklern benutzt worden sein. Dann kam das Jahr 2006 und die Ankündigung, Sun werde die Java-Technologie Open Source zur Verfügung stellen. Als 2007 die erste Version des OpenJDK erschien, spricht Sun von insgesamt sechs Millionen Java-Entwicklern, 8.750.000 Downloads des Java SDKs und 6.300.000 des Java SE JDKs.
Nach der Sun-Übernahme von Oracle wird folgendes Zahlenset veröffentlicht:
Belastbare Fakten gibt es auch hier kaum. Immerhin legt die positive Community-Entwicklung - etwa der in den letzten Jahren deutlich zu verzeichnende Anstieg der Java User Groups und die zunehmenden Registrierungen auf Java.net (2007: 325.000 Mitglieder, 2010: 548.996 Mitlgieder) nahe, dass die Öffnung durchaus eine verbreitungsfördernde Wirkung hatte.
Mit Spannung darf also die weitere Open-Source-Strategie beim neuen Java-Gralshüter Oracle beobachtet werden. Dass eine weitere Öffnung des Java Community Prozesses (mit der gleichberechtigten Behandlung von Oracle und nicht Oracle-Unternehmen) oder sogar die Überführung von Java in eine anbieterneutrale Foundation die nächsten logischen Schritte wären, wurde von verschiedenen Seiten bereits nahegelegt.