Sonntag, 12. Februar 2012 |
Sind Sie schon drin? Beispielsweise in XING, dem Business-Netzwerk? Vielleicht sind sie auch bei StudiVZ angemeldet, dem Studentennetzwerk? Womöglich ist Ihre Studizeit auch schon vorbei und Sie sind Mitglied in dem Alumni-Verein Ihrer ehemaligen Universität? Und haben Sie schon mal bei StayFriends nach Ihren alten Schulkameraden gesucht und sind fündig geworden?
Sozialisierung des Netzes
Keine Frage: Networking ist wichtig. In Köln sagt man dazu "Geklüngel", in Bayern
"Spezlwirtschaft" und ganz allgemein: "eine Hand wäscht die andere". Oder etwas
positiver ausgedrückt: Kontakte bedeuten Chancen, berufliche und private.
Social Networks, die neuen Communities im Web 2.0, haben es sich zur Aufgabe
gemacht, das Kontakte knüpfen und halten einfacher zu machen. Ein Klick genügt
und Herr Huber ist Ihr Freund. Sie kennen Herrn Huber gar nicht? Macht nichts,
die Masse macht's und außerdem kennt Sie Herr Huber, zumindest Ihr Profil. Und da
steht drin, dass Sie aus Hinterpfaffenhofen kommen, Tennis spielen und günstig
HTML-Seiten programmieren. So was verbindet.
Dumm nur, dass das so nicht stimmt, zumindest nicht mehr, denn Ihr Profil
stammt noch aus Ihrer Schulzeit und die ist lange vorbei. Sie haben sich
inzwischen weiterentwickelt – Ihr Profil nicht. Das kostet Sie zwar kein Geld,
aber vielleicht die Aussicht auf den nächsten Job, denn
Personalabteilungen und Agenturen durchforsten Social Networks schon längst nach
geeigneten Kandidaten für offene Stellen. Sie nutzen die Profile aber auch, um
Bewerber auszusortieren.
Locked-In statt Linked-In
Kurzum, sein Profil aktuell zu halten ist oberste Pflicht eines jeden Networkers.
Doch das ist einfacher gesagt als getan, denn ein Netzwerk ist meist nicht genug. So
ist beispielsweise XING im deutschsprachigen Raum sehr beliebt, international
beherrscht jedoch LinkedIn den Markt. Um keine Chance zu verspielen, müssen Sie
auf beiden Hochzeiten tanzen. Und Sie müssen sich die Arbeit machen und zwei
Profile regelmäßig aktualisieren.
Es könnte aber auch so einfach sein: sowohl LinkedIn als auch XING bieten eine API an, über die Sie Ihre Daten ein- und auslesen können. Damit steht einer vollautomatischen Synchronisierung nichts mehr im Wege.
Einen Schritt in die richtige Richtung hat XING mit der Ankündigung einer entsprechenden Schnittstelle getan. Die steht zwar erstmal nur einem geschlossenen Benutzerkreis zur Verfügung, verdient aber dennoch den Namen "Open API". Denn zum einen soll die API bald auch als offene Beta bereit stehen und zum anderen erfüllt sie alle Kriterien einer Open API: sie nutzt freie Webtechnologien.
Ins Netz gegangen
Zuvor hatte das börsennotierte Unternehmen aus Deutschland schon seine oder
vielmehr die Daten seiner Nutzer mittels Mikroformate offengelegt. Und bereits
das war ein Schritt, den mancher nicht erwartet hatte und viele nicht
verstanden. Immerhin lautet doch das Mantra im Web 2.0: "Data is the Next Intel Inside"
und wer gibt schon seine Kronjuwelen freiwillig her?
Ja, die Sache ist auch verzwickt. Wer
als erster öffentliche Schnittstellen zu seinen (lieb) gewonnenen Daten anbietet,
setzt den de-facto-Standard und lässt die Konkurrenz alt aussehen, riskiert
aber auch die vereinfachte Abwanderung seiner Nutzer zu einem Wettbewerber, wenn dieser
neben einem besseren Service kompatible Schnittstellen anbietet. Der Zeitpunkt
ist entscheidend, also die kritische Masse an Benutzern, denn Masse ist
bekanntlich träge und so sind es die Nutzer.
Ob XING den richtigen Zeitpunkt erwischt hat, ist schwierig zu sagen. Diese
Prognose oder doch eher Prophezeiung sei den Analysten und sonstigen Propheten
der IT überlassen. Doch was können Sie als Entwickler aus dem Fall XING lernen?
Netzwerktheorie
Offene Schnittstellen sind wichtig, denn sie bieten Anknüpfpunkte für andere
Programme und Websites. So bildet sich um Ihre Anwendung ein Netzwerk, das Ihre Position im
Markt stützt und stärkt. Und um so mehr Unterstützer sich in diesem Netzwerk
befinden, um so schwieriger wird es für die Konkurrenz, Ihr Produkt aus diesem
Markt zu verdrängen.
Dieses Netzwerk um Ihre Anwendung ist jedoch nicht isoliert. Es ist über zahlreiche Mashup-Anwendungen, wie sie erst die Open APIs ermöglichen, mit anderen Webanwendungen verknüpft. Es entsteht ein Netz, das über die einfache Verknüpfung mittels Hyperlinks hinausgeht: das Web 3.0.
Dieses Web besteht nicht mehr aus HTML-Seiten, sondern aus webbasierter Software, der Webware. Im Vordergrund stehen nicht die Daten, sondern der Datenaustausch. Jede Webanwendung agiert zugleich als Datenlieferant als auch als Datenkonsument und stellt einen spezifischen Dienst bereit, wie beispielsweise XING die Speicherung und Verwaltung von Kontakten. Ein CRM-Anbieter und Software-as-a-Service-Betreiber wie Salesforce nutzt diese Dienste und stellt seine eigenen Funktionen mittels einer – Sie erraten es – Open API bereit.
Für mehr Offenheit
Und in welchem Format stellt XING seine Daten bereit? Auch das haben Sie
bestimmt schon erraten: XML.
Martin Szugat
Wenn er sich nicht gerade mit XML beschäftigt, dann mit Social Software. Über XML berichtet Martin Szugat unter anderem auf www.aboutxml.de und über Social Software unter blog.sosokompakt.de.