Sonntag, 12. Februar 2012 |
Die Java-User-Group-Szene im deutschsprachigen Raum ist vital wie nie zuvor. Wir stellen die einzelnen Gruppen in kleinen Kurzinterviews auf JAXenter.de vor. Den Anfang macht die Java User Group Hessen, deren Leiter Thomas Landgraf erklärt, warum die JUGs in den letzten Jahren immer mehr Fahrt aufgenommen haben.
JAXenter: Lange war es still um die Java-User-Group-Szene im deutschsprachigen Raum. Doch seit zwei, drei Jahren können wir die Gründung von immer mehr Gruppen beobachten, und JUG-Treffen und Vortragsabende gibt es inzwischen in fast allen Regionen in regelmäßiger Frequenz. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?
Thomas Landgraf: Im Umkehrschluss sollte man sich zunächst die Frage stellen: Warum setzt diese Entwicklung erst jetzt ein? Meiner Ansicht nach hängt sie hauptsächlich mit zwei Faktoren zusammen: dem Reifegrad der Community und der zunehmenden Popularität von Java.
Bis 2000/2001 wurde die gesamte Entwicklungslandschaft durch C++ von Microsoft dominiert, erst danach begann Java – zunächst an den Universitäten – eine breitere Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Studenten von damals sind heute um die 35 Jahre und haben einen verstärkten Bedarf nach professionellem Austausch mit Gleichgesinnten. Die Community ist reifer geworden.
Andererseits spielt sicher auch das umfangreiche Java-Ökosystem eine Rolle: Aufgrund der Vielzahl an Frameworks, Tools, Applikation-Servern, Datenbankanbindungen etc. ist es einem Entwickler alleine gar nicht mehr möglich, alle Bereiche zu erschließen - Vernetzung wird umso wichtiger. Durch den Austausch bei den JUG-Treffen wird der Blick über den Tellerrand ermöglicht, man bekommt neue Anreize und "schmort nicht nur in seiner eigenen Suppe". So ergibt sich auch der Blick in andere Java-Domänen wie Mobile, Web 2.0, Datenbanken etc.
Wichtige Faktoren, die die JUGs wieder auf Trab gebracht haben, sind zudem die Unterstützung durch SUN, die u.a. die professionelle Nutzung in Unternehmen "salonfähig" gemacht hat, sowie die Erweiterung des Java-Nutzungsbereichs.
JAXenter: Sie haben nun auch die JUG Hessen ins Leben gerufen. Wie kam es zu der Gründung und wer steht hinter der JUG?
Thomas Landgraf: Die Micromata GmbH besteht aus Java-Fans, deren Verbundenheit zu Java über das berufliche Engagement hinaus geht: Es ist unsere Passion - Stichwort: "Passion over Profession"! Micromata veranstaltet bereits seit einiger Zeit einen regelmäßigen "Friday-Talk" über technologische Themen, bei dem Java das Thema Nummer 1 ist. Der eigentliche Impuls zur JUG-Gründung kam von Adam Bien, der das Potential gleich erkannt hat. Mit den Micromata-Teilnehmern des Stammtischs war schon mal eine Basisanzahl an Mitgliedern gegeben, zudem verfügt Micromata über die Infrastruktur, um solche Treffen auszurichten.
Hinzu kommt die universitäre Java-Szene in Kassel, die großes Interesse an der User Group hat. Mit der JUGH haben wir dem regelmäßigen Austausch Rahmen und Namen gegeben - und sehen der hessenweiten Anerkennung entgegen!
JAXenter: Welche Aktivitäten organisiert die JUG Hessen?
Thomas Landgraf: Bei unseren regelmäßigen Treffen am jeweils letzten Freitag im Monat bieten wir folgende Informationsangebote:
JAXenter: Welche Verbindungen bestehen zu Industrie (Unternehmen), zu Forschung (Hochschulen) und zu anderen JUGs?
Thomas Landgraf: Unsere Mitglieder sind in die Unternehmen eingebunden und kennen den konkreten Anwendungsfall. Sogar Führungskräfte und Technologieleiter engagieren sich in der JUGH. Darüber hinaus ist die JUGH eng mit der hiesigen Hochschule verbunden; wir stehen in ständigem Austausch mit Studenten, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Professoren der Uni Kassel. Kontakt zu anderen JUGs besteht noch nicht, da arbeiten wir aber dran!
JAXenter: Wie ist Ihr persönlicher Werdegang mit Java verbunden?
Thomas Landgraf: Als Geschäftsführer der Micromata GmbH, deren Kerngeschäft Java-Backend-Systeme sind, verbringe ich 90 % meiner Arbeitszeit mit Java. Faszinierend ist für mich dabei, dass Java Ästhetik und Pragmatismus (die sich oft gegenseitig ausschließen) auf elegante Art und Weise miteinander verknüpft.
JAXenter: Welche Trends in Java sind Ihrer Meinung nach gerade besonders interessant?
Thomas Landgraf: Eine interessante Entwicklung ist die Öffnung der JVM (Java Virtual Machine) für weitere Programmiersprachen. Auch die Übernahme von SUN durch Oracle könnte Auswirkungen auf die Java-Branche haben. Ich erhoffe mir davon weitere Entwicklungen im Backend, die letztendlich auch nützlich für unser Geschäft sein könnten.
JAXenter: Wir schreiben das Jahr 2020. Java ist.....
Thomas Landgraf: ..."legacy"! Das ist aber nicht so dramatisch, wie es sich anhört, denn Java wird von einem Nachfolger abgelöst, der aus der Java-Welt entsteht und die gewachsenen "inneren" Werte weiterführt. Somit verschwindet der Java-Gedanke nicht, sondern wird einfach "weiterentwickelt" - um in der Programmiersprache zu bleiben. Der Nachfolger wird noch offener sein und somit noch besser die Open-Source-Maxime erfüllen. Damit wird der Java-Erbe auf volle Akzeptanz durch die Community stoßen!
JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!
Thomas Landgraf ist Geschäftsführer der Micromata GmbH und Leiter der in Kassel ansässigen Java User Group Hessen. Als Diplom-Ingenieur für Theoretische Elektrotechnik hat er im Rahmen seines Studiums an der Hochschule Kassel zudem seine Mathematikexpertise ausgebaut. Ein prägender Abschnitt war für ihn die Zeit am Worcester Polytechnic Institute (WPI), wo im Umfeld des Massachusetts Institute of Technology (MIT) der Grundstein für das heutige Internet gelegt wurde.