Sonntag, 12. Februar 2012


Kolumne

Montag, 11. Januar 2010 | Kolumne

XML-Report: Die Microsoft-Woche

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/entwicklerde/kolumnen/053308)
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Daniel Koch

Dieser XML-Report steht ganz im Zeichen Microsofts. Da wäre zunächst die gute Nachricht:  Microsoft wird sich ab sofort an der Entwicklung von SVG beteiligen, was wiederum auf eine baldige feste Integration von SVG in den Internet Explorer hoffen lässt. In Sachen Word-Verkaufsverbot ist hingegen immer noch kein Ende des Streits abzusehen. Während Microsoft seinen OEM-Partnern bereits einen Patch zur Verfügung gestellt hat, durch den die XML-Funktionalität deaktiviert wird, scheinen die Redmonder den Kampf gegen i4i noch nicht aufgegeben zu haben. So wurde jetzt vor einem amerikanischen Berufungsgericht eine erneute Anhörung beantragt. Darüber hinaus gibt es nun auch einen Word-Patch für Endanwender. Installiert man ihn, werden die strittigen XML-Funktionen deaktiviert. Stellt sich natürlich die Frage, warum man sich als Endkunde ein Patch installieren soll, der Word um eine interessante Funktion ärmer macht? Nun gut, Microsoft weist auf der Patch-Seite nicht gerade offensiv auf den tatsächlichen Hintergrund des Patches hin. Dort ist zunächst einmal von allgemeinen Verbesserungen die Rede, die der Patch mitbringt. Ich werde jedenfalls ab sofort – bevor ich mir einen Patch, für welches Programm auch immer, installiere – äußerst sorgfältig durchlesen, was die vermeintliche Verbesserung an meinem Programm eigentlich anrichtet. Denn ich bezahle doch nicht einen Haufen Geld für ein Programm, um es durch spätere Aktualisierungen in seinem Funktionsumfang wieder beschneiden zu lassen.

Patch für Word

Auf das am 11. Januar eingetretene Word-Verkaufsverbot für die USA wurde bereits im XML-Report der vergangenen Woche hingewiesen. In diesem Zusammenhang kam die Sprache auch auf einen Patch, den Microsoft für seine OEM-Partner bereitgestellt hat, um die fraglichen Funktionen in Word deaktivieren zu können. Jetzt gibt es einen weiteren Patch. Der ist für all die Kunden gedacht, die Word in den USA nach dem 11. Januar kaufen. Auf der Patch-Beschreibungsseite ist zunächst einmal von technischen Verbesserungen die Rede. Erst im weiteren Verlauf des Beschreibungstextes wird kurz auf die XML-Problematik eingegangen. Bislang ist noch nicht klar, ob dieser Patch Microsofts endgültige Reaktion auf das Gerichtsurteil ist. Ob die Kunden den Patch einspielen, bleibt ihnen – bislang jedenfalls – selbst überlassen.

Streit um Verkaufsverbot geht weiter

Microsoft hat eine neue Runde im Streit um das am 11. Januar in den USA in Kraft getretene Word-Verkaufsverbot eingeläutet. Dazu hat man vor einem amerikanischen Berufungsgericht eine weitere Anhörung beantragt. Offenbar versucht der Konzern dadurch, die gegen ihn verhängte Strafe von stolzen 290 Millionen US-Dollar zu verringern. Zudem soll das Gericht wohl noch einmal prüfen, ob das Verkaufsverbot für eines der wichtigsten Microsoft-Flaggschiffe tatsächlich aufrecht erhalten bleibt. i4i hat bislang noch nicht auf diesen neuen Vorstoß reagiert.

Microsoft und SVG

Der Leiter der Entwicklungsabteilung für Microsofts Internet Explorer Patrick Dengler kündigte in einem Blog-Eintrag an, dass sich Microsoft zukünftig an der Weiterentwicklung von SVG beteiligen werde. Microsoft hat dafür bereits die Mitgliedschaft in der betreffenden W3C-Arbeitsgruppe beantragt. Bislang lässt sich SVG im Internet Explorer nur in Verbindung mit einem Plug-in nutzen. Durch die Mitarbeit an SVG dürfte einer festen Integration von SVG in den Internet Explorer nichts mehr im Wege stehen.

Ruby on Rails 3 Beta

Die erste Beta-Version von Ruby on Rails 3 soll bereits Ende Januar oder Anfang Februar kommen, so der Gründer David Heinemeier Hansson. Die größte Neuerung dürfte sicherlich das Einfließen der wichtigsten Komponenten des Merb-Frameworks sein. Entwickler können nun auf jQuery 1.3 zugreifen. Zudem wurde ein Routing-API übernommen, durch das z.B. das Routing über Subdomains möglich ist. Hansson verspricht darüber hinaus einen besseren Schutz gegen Cross-Site-Scripting-Attacken. Die aktuelle Version von Ruby on Rails können Sie von der Projektwebseite herunterladen.

Indexed Database API

Mit dem Arbeitsentwurf Indexed Database API stellt die Web Applications Working Group ein Interface für klassische Datenbanken vor, über das sich Daten im Browser speichern lassen sollen. Dabei ermöglicht das Indexed Database API den Zugriff auf Objekte über deren Attribute. Die Objekte wiederum kennen keine Datentypen. Für Anwendungen bedeutet dies, dass sie selbst überprüfen müssen bzw. können, ob die zu speichernden Daten korrekt sind. Im Fall des Indexed Database API lohnt übrigens auch ein Blick auf den Verfasser. Es handelt sich dabei nämlich um Nikunj Mehta, einen Mitarbeiter von Oracle. Und da es im Abstract des Arbeitsentwurfs heißt „A query language can be layered on this API“, könnte das ein Indiz darauf sein, dass die angesprochene Abfragesprache SQL werden soll, was bislang jedoch reine Spekulation ist.

XML-Tool der Woche

Nun stand fast der gesamte XML-Report im Zeichen Microsofts. Da soll das XML-Tool der Woche keine Ausnahme bilden.  Zwar handelt es sich beim Word-to-LaTeX (Word-to-XML) Convertor nicht etwa um ein Microsoft-Tool, dennoch hat es durchaus etwas mit Microsoft zu tun. Denn dank dieses kleinen Werkzeugs lassen sich in Word geschriebene Dokumente in LaTeX und XML umwandeln. Das Tool kann über die Kommandozeile, über ein GUI oder direkt aus Word heraus genutzt werden. Konfiguriert wird der Word-to-LaTeX (Word-to-XML) Convertor über zwei XML-Dateien. Das Programm kann zwar besonders aufwändige Word-Dokumente nicht originalgetreu abbilden, Dinge wie Aufzählungslisten, Fußnoten, Zeilen- und Seitenumbrüche, Tabellen und Hyperlinks werden aber unterstützt. Das Tool gibt es ausschließlich für Windows. Die offizielle Projektwebseite finden Sie unter http://kebrt.webz.cz/programs/word-to-latex/. Von dort kann der Konverter kostenlos heruntergeladen werden.

Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen und Trends nehme ich gerne unter xml@medienwerke.de entgegen.

Bis nächste Woche
Ihr Daniel Koch

Daniel Koch arbeitet als freiberuflicher Programmierer und Autor in Berlin. Er hat mehrere Bücher rund um die Themen Programmierung und Software veröffentlicht. Sie erreichen ihn unter dk@medienwerke.de. Wöchentlich berichtet er in der Kolumne "XML-Report" über Aktuelles aus der XML-Szene, schaut sich in der Community um und informiert über die neuesten Entwicklungen der Standardisierungsgremien.

(eb)

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