Donnerstag, 24. Mai 2012


News

Freitag, 3. Februar 2012 | News

6 Mythen zur Produktivität: Wenn ich fünf Mal produktiver bin als mein Kollege, warum verdiene ich dann nicht fünf Mal so viel?

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter/kolumnen/061694)
  • Teilen
  • kommentieren
  • empfehlen
  • Bookmark and Share

Dass die einzelnen Mitarbeiter eines Unternehmens nur selten in gleichem Maße produktiv sind, ist alles andere als ein Mythos. Dennoch gibt es meist nur geringfügige Unterschiede, was die Gehälter dieser auf unterschiedliche Art und unterschiedlich effektiv arbeitenden Mitarbeiter angeht. Wahrscheinlich hat sich jeder ambitionierte Entwickler schon einmal die Frage gestellt: Wenn ich fünf Mal produktiver bin als mein Kollege, warum bekomme ich nicht eine fünffache Summe an Gehalt? Die Vergütung der tatsächlichen Leistung entsprechend ist nicht nur in der IT-Branche ein vieldiskutiertes Thema – Steve McConnell entlarvt in seinem Blog sechs Mythen zu diesem Thema.

Mythos Nummer eins: Mein Kollege bekommt das, was er verdient.

Fakt ist: Wenn Ihr Kollege fünf Mal weniger produktiv ist als Sie, sind höchstwahrscheinlich nicht Sie unter-, sondern er überbezahlt. Untersuchungen haben ergeben, dass 20 Prozent aller Mitarbeiter eines Unternehmens keinen erheblichen Beitrag zur Unternehmensleistung beisteuern. Würde das Unternehmen Mitarbeiter prinzipiell nach ihrer Leistung bezahlen, dürften diese eigentlich keinen Cent sehen. Stattdessen basiert das ausgezahlte Gehalt in den meisten Fällen auf der durchschnittlichen Leistung aller Mitarbeiter zusammen genommen.

Mythos Nummer zwei: Produktivität bedeutet Wertschöpfung für das Unternehmen.

Nicht jeder produktive Mitarbeiter schafft auch gleichzeitig mehr Wert für sein Unternehmen als seine weniger produktiven Kollegen. Möglicherweise kann er ja besser mit Kunden umgehen, hat gar mehr Potential, es irgendwann einmal in die Führungsetage zu schaffen, oder hat einen positiven Einfluss auf die Arbeitsmoral der restlichen Belegschaft. Der reine Output eines Mitarbeiters allein muss nicht immer eine gültige Aussage über seinen Wert für das Unternehmen machen.

Mythos Nummer drei: Hohe Produktivität sollte mit hohen Gehälter belohnt werden.

Sie mögen vielleicht einer der produktivsten Mitarbeiter Ihres Unternehmens sein, aber können Sie eine verbindliche Garantie abgeben, dass sich das in Zukunft nicht ändern wird? Eine neue Freundin, ein neugeborenes Baby, Gesundheitsprobleme oder ein neues Hobby könnten Sie ja schließlich von Ihrem nächsten Projekt ablenken und Ihre Produktivität deutlich senken. Wäre es da nicht angebrachter, hohe Produktivität, die ja stets zeitlich begrenzt sein könnte, durch einmalige Boni als durch permanent höhere Gehälter zu belohnen?

Mythos Nummer vier: Unternehmen versuchen, Angestellte nach ihrem Wert zu bezahlen.

In Wahrheit versuchen die meisten Unternehmen gar nicht erst, herauszufinden, wie viel ein einzelner Mitarbeiter zu der Gesamtarbeitsleistung seiner Abteilung beigetragen hat. Die meisten festgelegten Gehälter richten sich nicht danach, wie viel ein Mitarbeiter wert ist, sondern vielmehr danach, wie viel die von ihm bekleidete Stelle wert ist.

Mythos Nummer fünf: Die individuelle Produktivität eines Mitarbeiters kann exakt gemessen werden.

In einer lebendigen Arbeitsumgebung ist eine Messung der Leistung einzelner Mitarbeiter mehr als nur schwierig, ja sie ist nahezu unmöglich. Beurteilungen sind, wenn sie denn überhaupt durchgeführt werden, in den meisten Fällen rein subjektiv.

Mythos Nummer sechs: Die wenigsten Unternehmen gleichen Gehälter der Produktivität ihrer Mitarbeiter an.

In guten Unternehmen wird durchaus heute schon ein Unterschied gemacht zwischen produktiven und unproduktiven Mitarbeitern. Effizient arbeitende Entwickler können in manchen Unternehmen teilweise schon dieselbe Gehaltsstufe wie Manager erreichen.

Was meinen Sie? Sollten Entwickler nach ihrem reellen Output bezahlt werden oder halten Sie diese Form der Vergütung für unrealistisch und undurchführbar?

(jl)

Kommentare

Gravatar Patrick 03.02.2012
um 17:35 Uhr
Prinzipiell stehen einer gerechten finanziellen Entlohnung - und dem evtl. damit verbundenen Aufstieg diverse Punkte entgegen. So zum Beispiel:

1) Die persönlichen Ziele des Vorgesetzten (Geld sparen)
2) Das Peter-Prinzip (siehe : http://www.youtube.com/watch?v=2r_u1F3IQNU)
3) Der Dunning-Kruger-Effekt (vlg. http://de.wikipedia.org/wiki/Dunning-Kruger-Effekt)

Wir sollten uns damit abfinden, dass aufgrund höherer teils konträrer Ziele sowie gewisser Effekte der menschlichen Psyche eine gerechte Entlohnung nicht realistisch ist. Ferner ist Gehalt aus Sicht des Managements ein Hygienefaktor und kein Motivator.
#zitieren
Gravatar Timm 03.02.2012
um 17:40 Uhr
Solche Fragen sollte sich niemand stellen, der sich selbst als teamfähig bezeichnet (und wer tut das nicht?). Die Aufgabe eines produktiven Entwicklers/Mitarbeiters ist aber herauszufinden, wie die höhere Produktivität zustande kommt, und dieses Wissen zu teilen. Oft halten nämlich die produktiven Mitarbeiter ihr Spezialwissen streng unter Verschluss, um sich unverzichtbar zu machen. #zitieren
Gravatar Andre 03.02.2012
um 20:41 Uhr
Es ist schon so wie beschrieben. Aber wer will schon eine Arbeitswelt, wo ständig ermittelt wird wie produktiv einer ist - das möchten auch die Produktivsten nicht - gerade die Produktivsten sind eher freischaffende und möchten keine ständige Bilanzierung und damit eine Kontrolle ihrer Arbeit.

Ich meine unersetzlich wird man am ehesten, wenn man das Wissen teilt, weil dadurch die eigene Kompetenz steigt, ein Teufelskreis im positiven Sinne.
#zitieren
Gravatar Chris 04.02.2012
um 09:25 Uhr
@Timm
wobei ich es nicht gerade schlecht finde, das "spezialwissen" für sich zu behalten. Mag wohl anti-sozial klingen oder nicht Teamfähig, aber eigens erworbenes Wissen kostet viel Anstrengung und Arbeit, wieso sollten es andere leichter haben? Ein gutes Team ist nur gut wenn alle Mitglieder gleich angagiert und lernbereit sind und nahezu auf dem gleichen Level arbeiten. Es bringt nichts schwächere mitzuschleifen oder denen Sachen beizubringen. Man sollte das von selbst machen und an sich selbst diese Anforderung stellen. Alles andere ist unproduktiv und kostet dem Unternehmen Geld.
#zitieren
Gravatar stone 04.02.2012
um 10:10 Uhr
Wie misst man Entwickler Produktivität? Einer macht nicht Wartbaren und Erweiterbaren Modul in 1 Woche der Andere in 2 Wochen ein Modul das Erweiterungen vorsieht und zb Unit Tests beinhaltet…
1 bis 2 Jahre Später könnte man (was nie gemacht wird) feststellen entweder das der Modul nie erweitert würde oder das es öfter erweitert würde und der 2 Man Firma/Projekt viel Zeit erspart hat.
Und dann gab es noch einen Dritten der 3 Wochen gebraucht hat und noch unflexibleren Modul als erste Produziert hat. Wer hat nun welchen Gehalt Verdient?
#zitieren
Gravatar Sven Peters 04.02.2012
um 14:03 Uhr
"Wenn ich fünf Mal produktiver bin als mein Kollege, warum verdiene ich dann nicht fünf Mal so viel?" Wenn man Zeit hat, sich ständig mit dieser Frage zu beschäftigen, ist man wohl nicht effektiv genug...
Aber mal ernsthaft: Wenn man sich ständig mit anderen vergleichen muss, sollte man überlegen, ob einen der Job, das Team und das Produkt noch ausreichend motiviert. Oder auch: Wenn man in einem Unternehmen arbeitet, dass nur über Geld ihre Mitarbeiter motivieren kann, wäre das für mich ein Grund den Job zu wechseln. Das tut weder dem Produkt, dem Team und damit der täglichen Arbeit gut. Natürlich muss aber gute Arbeit auch gut (über Geld) honoriert werden. Unternehmen sollten sich nur nicht darauf beschränken und Mitarbeiter sich ständig vergleichen.
#zitieren

Folgende Links könnten Sie auch interessieren