Donnerstag, 24. Mai 2012


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März 2010 | Artikel

Eclipse e4: "Innovation ja, aber nicht bei der Plattform" Fortsetzung, Teil 2

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Eclipse Magazin: Wie unterscheidet sich deine Vision einer webbasierten IDE von der Vision bei e4?

Doug Schaefer: Die e4-Vision heißt "Single Source": Schreibe eine Anwendung einmal und sie läuft sowohl auf dem Desktop als auch im Web. Ich denke aber, diese Vision geht an dem vorbei, was es heißt, eine Anwendung im Browser einzusetzen. Die Nutzung des Webs unterscheidet sich sehr von der Nutzung einer Desktop-Anwendung. Das Web basiert auf URLs. Man wandert von einer Seite zur nächsten, drückt den Back-Button, um zu einem früheren Zustand zurückzukommen. Man klickt auf einen Link und springt mitten in eine Webapplikation. Diese Workflows unterscheiden sich sehr von denen einer Desktop-Anwendung. Deshalb glaube ich nicht, dass es eine gute Idee ist, dieselben Workflows auf Web- und Desktopanwendungen anzuwenden.

Während es sicherlich gewisse Kernkomponenten gibt, die wiederverwendet werden können, muss es doch einen unterschiedlichen UI-Code für die beiden Einsatzbereiche geben. Und es liegen bereits Technologien vor, die gut darin sind, wenn es darum geht, Webapplikationen zu entwickeln – ich führte selbst das Beispiel Google Web Toolkit (GWT) an. Ich denke, hier sind großartige Kombinationen möglich. Ich konnte GWT zusammen mit dem Jetty-Server von Eclipse nutzen, um Plug-ins zu entwickeln, die über ein Web-UI mit den angemessenen Workflows verfügen und mit dem selben Kern-Quellcode interagieren wie das Desktop-UI. Aus meiner Sicht setzen viele Eclipse-Projekte nicht ohne Grund ihre Kern-Komponenten und ihre UI-Komponenten in unterschiedlichen Plug-ins um: Dieses Vorgehen erlaubt es, das UI einfach auszutauschen, sei es mit einer Headless-Kommando-Zeile oder sei es mit einer Web-basierten Benutzerschnittstelle.

Ich persönlich halte das für eine bessere Architektur als in e4, wo nur daran gearbeitet wird, den Browser als Rendering Engine für das Desktop UI zu verwenden. Und ich glaube, es gibt bereits einige Leute aus dem e4-Team, die mir in diesem Punkt zustimmen. Meine Argumente scheinen also Gehör zu finden.

Eclipse Magazin: Was kann Eclipse von anderen Open-Source Communities wie Linux lernen?

Doug Schaefer: Ich liebe es, die Linux Community zu beobachten. Wahrscheinlich ist sie die diverseste Open-Source-Community, die es jemals gab und vielleicht geben wird. Es gibt dort so viele Mitwirkende, einerseits Anbieter, die Beiträge für kommerzielle Zwecke leisten (seit kurzem sogar Microsoft), andererseits Hobby-Entwickler, die versuchen, Linux auf allen nur erdenklichen Geräten zum Laufen zu bringen, die über ein bisschen Speicher verfügen. Es ist unglaublich! Aber eine Sache, die es bei Linux gibt und bei Eclipse nicht, ist ein zentrales Architektur-Kontrollteam, mit Linus Torvalds an der Spitze. Das Kontrollteam stellt sicher, dass Linux auf qualitativ hohem Niveau bleibt und dass die Bedürfnisse aller Interessensgruppen der Community respektiert werden.

So etwas gibt es nicht wirklich bei Eclipse, zumindest nicht mehr. In den frühen Tagen war es das Eclipse-Plattform-Team, das die Architektur von Eclipse vorangetrieben hat. Und das ist zu einem großen Teil auch der Grund dafür, dass Eclipse einen solch grandiosen Start hingelegt hat und Anbieter in der Lage waren, qualitativ hochwertige Produkte mit Eclipse zu bauen. Aber in unserem Wunsch, die Diversität unserer Community zu vergrößern, leiten die großen Anbieter ihre architektonischen Entscheidungen weiter an die Community. Zum Beispiel arbeitet man im e4-Projekt derzeit an drei verschiedenen UI-Frameworks. Jemand muss hier einschreiten und alles auf eine Linie bringen – und vielleicht sogar einige harte Entscheidungen treffen, die einige aus der Community verärgern werden. Wenn wir wollen, dass es mit Eclipse weiterhin aufwärts geht, müssen wir sicherstellen, dass wir die gleichen Architektur-Kontrollinstanzen haben wie die Linux-Community.

Eclipse Magazin: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Doug Schaefer verfügt über 15 Jahre Berufserfahrung im Bereich der Tool-Entwicklung und arbeitet zurzeit als Engineering Manager im Workbench IDE Team bei Wind River mit dem Fokus auf Software Bereitstellungstechnologien. Doug ist Project-Lead des Eclipse-CDT-Projekts und seit sieben Jahren aktiver CDT-Committer. Er hat zudem Funktionen inne im Eclipse Architecture Council, dem Tools Project Management Commitee und im EclipseCon Programm-Committee.
  1. Blogeintrag "My biggest Fear for e4" von Doug Schaefer

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