Sonntag, 12. Februar 2012


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Juli 2010 | Artikel

Android 2.2: Gefrorener Jogurt zur Google I/O

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter/artikel/3240)

Mobile-Welten-Kolumne

Text: Kay Glahn
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Im Rahmen der diesjährigen Google-I/O-Konferenz vom 19. bis 20. Mai in San Francisco hat Google das neuste Release seines Android-Smartphone-Betriebssystems vorgestellt. Neben zahlreichen Neuankündigungen wie der auf Android basierenden Google-TV-Plattform stand vor allem die neuste Version des Smartphone-Betriebssystems mit dem Codenamen „Froyo“ (Frozen Yogurt) im Mittelpunkt. In seiner Keynote stellte Googles Entwicklungschef Vic Gundotra das neue System vor und unterstrich hierbei neben den zahlreichen neuen Funktionen vor allem den immensen Performanzgewinn gegenüber der Vorgängerversion durch den Einsatz eines Just-in-Time Compilers (JIT). Dieser soll die Ausführungsgeschwindigkeit von Anwendungen um den Faktor 2 bis 5 erhöhen.

Für den Benutzer bietet die neue Version bereits einige offensichtliche Verbesserungen, die die Bedienung betreffen. So sind die Telefonfunktion, der Application Starter sowie der Webbrowser nun von jedem der fünf Desktops aus direkt per Shortcut erreichbar. Die virtuelle Tastatur bietet jetzt Tastaturlayouts für verschiedene Sprachen an, sodass man durch einfaches „Swipen“ der Leertaste, das Tastaturlayout z. B. von Englisch auf Deutsch umstellen kann. Vor allem für Businessnutzer ist die verbesserte Unterstützung des Microsoft-Exchange-Servers interessant. So kann beispielsweise die Nutzung von Passwortrichtlinien vom Exchange-Administrator durchgesetzt werden oder auch das Gerät durch einen so genannten Remote Wipe per Exchange-Server gelöscht werden, was vor allem bei Verlust oder Diebstahl die Daten vor unberechtigtem Zugriff schützen kann. Endlich wird neben der reinen E-Mail- und Kontaktsynchronisation auch die Synchronisation von Exchange-Kalendern mit der Android-Kalenderapplikation unterstützt. Neben einer verbesserten Bedienung der Kamera über Touchscreen, unterstützt diese nun auch die Verwendung des LED Flashs während der Aufnahme von Videos, was besonders nachts oder bei schlechten Lichtverhältnissen von Vorteil ist. Ein Highlight unter den neuen Funktionen ist allerdings der portable WLAN-Hotspot, der es ermöglicht, bestimmte Android-Geräte wie das Nexus One von Google zu einem mobilen Hotspot zu machen. Hierbei wird die UMTS-Verbindung des Geräts per WLAN bis zu acht Geräten wie Notebooks zur Verfügung gestellt, die darüber Zugriff auf das Internet erlangen. Alternativ kann man unter Linux und Windows auch einen PC per USB anbinden und somit das Android-Gerät als UMTS-Modem nutzen.

Dalvik gibt Gas

Neben den neuen Funktionen ist aber vor allem die Performanzsteigerung ein Argument, auf Froyo upzudaten. Neben der Beschleunigung der Dalvik VM durch den JIT macht sich vor allem auch die neue V8 Engine des Webkit-Browsers bei JavaScript-lastigen Webseiten bemerkbar, die nun spürbar schneller ausgeführt werden. Zudem wurde die Speicherverwaltung des Kernels verbessert, was einen schnelleren Wechsel zwischen verschiedenen Anwendungen und eine flüssigere Ausführung auf Geräten mit beschränkten Speicherressourcen zur Folge hat. Insgesamt führen die diversen Verbesserungen dazu, dass beispielsweise der LinPack Benchmark mehr als fünf Mal bessere Werte im Vergleich zur Vorgängerversion Android 2.1 erzielt. Besonders für verwöhnte iPhone-Nutzer ist das ein Argument für Android, bei dem das User Interface bisweilen doch manchmal ins Stocken geriet. Ein weiteres Highlight, das Google auf der Google I/O präsentierte, ist die Flash-Unterstützung von Android 2.2. Flash ist zwar noch nicht standardmäßig in Froyo integriert, die Betaversion kann allerdings bereits über den Android Market heruntergeladen werden. Hierbei wird jedoch schnell deutlich, dass Flash viele Webseiten spürbar ausbremst und man die Option nutzen sollte, Flash nur bei Bedarf durch explizites Anklicken der Flash-Inhalte zu aktivieren. Ansonsten muss man damit rechnen, dass auf vielen Webseiten Flash-basierte Werbebanner die Performanz und die Akkulaufzeit des Android-Geräts negativ beeinflussen.

Neue APIs

Doch was hat man nun als Anwendungsentwickler von der neuen Android-Version? Froyo bietet eine Reihe neuer APIs an, die nützliche Funktionen für die Anwendungsentwicklung bereitstellen. Hierzu gehört beispielsweise das Cloud to Device Messaging (C2DM), mit dem Google einen Push-Service bereitstellt, der von Android-Applikationen genutzt werden kann. Hierbei kann eine Anwendung eine individuelle ID von dem Cloud-Service anfordern, die dann eine Serveranwendung nutzen kann, um eine Nachricht an die Applikation auf dem Device zu pushen. Auf dem Client wird beim Erhalt der Nachricht ein Intent ausgelöst. Neben Android 2.2 setzt die Nutzung von C2DM voraus, dass Googles Android Market auf dem Gerät installiert ist. Außer reinen Benachrichtigungen können Entwickler über diesen Mechanismus z. B. auch eine Zweiwege-Push-Synchronisation ihrer Applikation realisieren.

Einen weiteren neuen Service stellen die Android Application Error Reports dar, die es Anwendungsentwicklern, die ihre Anwendung über den Google Android Market vertreiben, ermöglichen, Fehlermeldungen beispielsweise über Abstürze ihrer Anwendung zu erhalten. Die Informationen werden hierbei vom Gerät des Nutzers an Google übertragen und können dann vom Entwickler über seinen Android-Market-Publisher-Account abgerufen werden.

Eine weitere Neuerung ist die Data-Backup-Funktionalität, die von Entwicklern in ihre Anwendungen integriert werden kann. Hierdurch wird ermöglicht, dass anwendungsspezifische Daten vom Benutzer in der Cloud gespeichert werden und somit nach einem Geräte-Reset oder einem Wechsel des Handys problemlos wieder hergestellt werden können. Es ist allerdings zu beachten, dass es sich hierbei um keine Synchronisation der Daten handelt, sondern lediglich ein Gesamtabbild der Daten zum Zeitpunkt des Backups erstellt wird, das dann komplett wieder hergestellt werden. Der Speicherort in der Cloud ist nicht notwendigerweise für alle Anwender identisch, sondern kann sich je nach Gerät und Netzwerkbetreiber unterscheiden. Google weist explizit darauf hin, dass aus diesem Grund die Sicherheit der Daten, die über das Backup in die Cloud gespeichert werden, nicht gewährleistet werden kann und somit auf das Speichern von sensitiven Daten verzichtet werden sollte.

Anwendungen können jetzt im Gegensatz zu früheren Android-Versionen auch auf einem externen Speichermedium wie einer SD-Karte abgelegt werden, um den internen Speicher des Geräts zu entlasten. Hierbei kann der Entwickler über die Manifest-Datei seinen bevorzugten Speicherort angeben. Auch im Grafikbereich bekommen Entwickler durch die neuen APIs für OpenGL ES 2.0, die das YUV-Bildformat sowie ETC1-Kompression für Texturen unterstützen, einiges Neues geboten. Außerdem gibt es im Bereich des Media-Frameworks und der Kameraunterstützung einige neue APIs. Interessant könnte auch der Device Policy Manager sein, dessen API die Entwicklung von Device-Administrator-Anwendungen erlaubt, die die Sicherheitsfunktionen eines Geräts, wie das Festlegen der minimalen Passwortlänge oder das "Wipen" von Daten, kontrollieren.

Wie geht es weiter?

Mit der Version 2.2 von Android entwickelt man für den so genannten API Level 8. Im Gegensatz zum API Level 7 von Android 2.1 haben sich rund 5,7 Prozent der APIs verändert, was einen relativ großen Sprung darstellt und natürlich auch das Risiko der Fragmentierung mit sich bringt. Auf der Google-Konferenz konnte man auch bereits einen Blick auf die übernächste Android-Version erhaschen. Diese wird neben der Integration der Kamera in den Browser auch den Zugriff auf den Kompass des Smartphones aus Webseiten heraus erlauben und damit beispielsweise Karten automatisch in die richtige Richtung drehen. Die "Gingerbread" (Lebkuchen) genannte und gegen Jahresende erwartete Version soll unter anderem auch Googles neues Webvideoformat WebM/VP8 unterstützen, das Google als offene Alternative zu H.264 etablieren will. Android 2.2 wird wohl als erstes für Googles Nexus One verfügbar sein. Inoffizielle Updates für das Gerät sind bereits im Umlauf.

Kay Glahn ist unabhängiger IT-Berater mit den Schwerpunkten mobile Applications und Services. Er berät internationale Kunden bei der Umsetzung von Projekten im Mobile-Bereich.
  1. Android-2.2-Website
  2. Google-TV-Website

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Kommentare

Gravatar Jens 26.07.2010
um 12:35 Uhr
2 Monate später dieser Artikel? Bisschen spät... #zitieren