Sonntag, 12. Februar 2012 |
Der Begriff AJAX ist fester Bestandteil im Sprachgebrauch eines jeden Entwicklers, und auch Anwender wissen mittlerweile, dass AJAX nicht ein Fensterreiniger, sondern in erster Linie Synonym für tolle Web-GUIs ist. Für die Entwicklung der AJAX-Applikationen existiert kein Patentrezept, entsprechend geben wir Ihnen eine kleine Entscheidungshilfe, um herauszufinden, welcher "AJAX-Typ" Sie sind und wie Sie am besten zu Ihrer AJAX-Applikation kommen!
Der technikbegeisterten Entwickler
Da gibt es zunächst einmal den technikbegeisterten Entwickler, der einfach mal wissen will, wie AJAX überhaupt funktioniert. Entsprechend wird ein einfaches "Hello World"-Programm gebastelt, welches mittels AJAX den Inhalt eines Textfeldes auf dem GUI ausgibt, ohne dass die Seite dabei einen vollständigen Server Roundtrip durchläuft. Schnell erkennt der Entwickler das zugrunde liegende Prinzip, und die nächste Applikation ist dann bereits ein AJAX-Taschenrechner - spätestens nach Abschluss dieser Applikation verlangt der Entwickler nach mehr, denn der Aufwand, der in die GUI-Programmierung gesteckt wurde, steht in keinem Verhältnis zur mageren Business-Logik, die in der Luxusvariante bestenfalls eine Division durch null abfängt. Also wird nach Libraries gegoogelt, welche die Frontend-Entwicklung erleichtern, und schon haben wir den zweiten Typ von Entwicklern identifiziert, der Toolkit-gestützte AJAX Developer.
Der Toolkit-gestützte AJAX Developer
Die Auswahl an Toolkits ist groß, exemplarisch werden hier das Dojo Toolkit sowie script.aculo.us genannt. Beide Toolkits stellen JavaScript-Bibliotheken zur Verfügung, durch deren Einbindung man schnell und einfach in den Genuss von sortierbaren Tabellen, auto-vervollständigenden Textfeldern oder aber Drag & Drop kommt. Dadurch wird die JavaScript-Programmierung im Frontend ebenso reduziert wie die Anzahl der zugehörigen Debug-Sitzungen mit der altbewährten "alert"-Box. Allerdings sollte nicht verschwiegen werden, dass die Anbindung des Frontends an die Business-Logik nach wie vor von Hand erstellt werden muss: Wenn ein Produkt mithilfe von Drag & Drop in den Warenkorb gelegt wird, muss auf dem Server eine Komponente (im einfachsten Fall ein simples Servlet) das Event entgegennehmen und verarbeiten. Der Entwickler gewinnt durch diese lose Koppelung von Frontend und Serverlogik ein hohes Maß an Flexibilität bei der "Paarung" von Serverkomponenten mit dem GUI, der Preis dafür ist ein erhöhter Entwicklungsaufwand für die Verknüpfung der beiden autarken Einheiten. Verzichtet der AJAX-begeisterte Entwickler darauf, das Rad der Kommunikation zwischen Client und Server ständig neu zu erfinden, so zählt er zur Kategorie der Mini-Framework-Liebhaber.
Der Mini-Framework-Liebhaber
Dieser dritte Typ in der Community der AJAX-Entwickler ist gekennzeichnet durch die rapide Entwicklung von AJAX-GUIs in Kombination mit knackiger Java-Business-Logik. Hervorzuheben unter den Mini-Frameworks ist das von Google kürzlich veröffentlichte Google Web Toolkit. Der Frontend-Entwicklungsprozess wird weitgehend vor dem Entwickler gekapselt, indem das GUI auf Knopfdruck generiert wird, im Gegenzug rückt die Java-Programierung der Geschäftslogik stärker in den Vordergrund. Zum Testen muss die Applikation nicht jedes Mal in den Webserver deployt werden, es wird eine Runtime-Umgebung mitgeliefert, um die frisch erstellten Applikationen zu testen. Eclipse-Anbindung gibt's natürlich auch noch dazu, somit kann direkt aus Eclipse heraus entwickelt sowie debuggt werden. Klingt nach dem Königsweg für die Entwicklung von AJAX - wären da nicht noch die "großen" Frameworks.
Viele Wege führen zum Ziel
Sie stellen fest: Es gibt viele Wege, die zum AJAX-Ziel führen! Welcher Weg eingeschlagen wird, hängt einzig und allein davon ab, ob Sie lieber kurz und bequem oder lang und abenteuerlich reisen – beide Varianten haben sicherlich Vor- und Nachteile, die gegeneinander abgewogen werden müssen. Die Hauptsache dabei ist, dass das Ziel nicht aus den Augen verloren wird; und wenn Sie mit der Wahl Ihres "AJAX-Pfades" unzufrieden sind, dann probieren Sie doch einfach den nächsten aus – irgendwann finden auch Sie den optimalen Weg zur AJAX-Applikation!
Florian Müller arbeitet als Consultant für die Firma Cambridge Technology Partners, Schweiz. Sowohl beruflich als auch privat gilt sein Hauptinteresse der Entwicklung von Webapplikationen basierend auf dem AJAX-Ansatz.