Sonntag, 12. Februar 2012


Interview

Montag, 23. Oktober 2006 | Interview

Die Herausforderung: Auf der Suche nach dem perfekten Schuh - Interview mit Jim Guerard

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/cod/kolumnen/032775)
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Jim Guerard, Vice President,
Produkt Management Web
und Video, Adobe

Jim, Sie arbeiten schon sehr lange in der Kreativ-Industrie: Wenn Sie auf Ihre Zeit bei Disney, Autodesk, Pinnacle Systems, Macromedia (Vice President of Product Management and Product Marketing) und jetzt bei Adobe zurück blicken, welchen Eindruck haben Sie von dieser Industrie, was sind die bedeutendsten Entwicklungen der letzten 25 Jahre?
Guerard: In den späten 80er und 90er Jahren war interaktives Fernsehen eines der Trendthemen. Es ging darum, Geschichten anders erzählen zu können, als nur in einem linearen Verlauf. Ich finde es bedeutend, dass wir heute, also eine geraume Zeit später, endlich die Autorenwerkzeuge für Animationen und die Produktionswerkzeuge vorliegen haben, mit denen sich interaktives Fernsehen und noch vieles mehr umsetzen und realisieren lässt. Also beispielsweise das Adobe Production Studio oder Flash.

Wenn Sie den Schritt von Macromedia zu Adobe bewerten, was hat sich seit der Akquisition positiv verändert und was kann noch verbessert werden?
Guerard: Ich bin seit 26 Jahren in der Software-Industrie und habe in dieser Zeit mindestens sechs oder sieben große Akquisitionen miterlebt. Der Zusammenschluss von Adobe und Macromedia ist mit Sicherheit die Akquisition, die organisatorisch am besten durchgeführt wurde und reibungslos verlaufen ist. Von unseren Kunden wissen wir, dass viele sowohl die Macromedia-Werkzeuge als auch Adobe-Lösungen einsetzen. Sie erwarten jetzt von uns, dass wir dafür sorgen, dass diese Anwendungen noch besser zusammen arbeiten. Sie möchten, dass wir genau an den Stellen, an denen sie der Schuh drückt, die Interaktion der Produkte optimieren. Gegenwärtig ist dies eine unserer wichtigen Herausforderungen.

Adobe bietet eine Reihe von Produkten für die Erstellung und Bearbeitung von Video-Inhalten an, beispielsweise Premiere Pro und After Effects. Glauben Sie nicht, dass das Segment „Video Technologie“ für das Internet überschätzt wird? Der Aufwand, entsprechende Inhalte zu produzieren ist sehr hoch. Wo sehen Sie einen vernünftigen Einsatz von Video, außerhalb der klassischen Verwendung wie beispielsweise Werbung?
Guerard:: Zunächst sollten wir vielleicht betonen, dass wir ein sehr umfassendes Portfolio an Lösungen für den Videobereich anbieten, das die Erstellung und Verbreitung von Video wesentlich vereinfacht und erleichtert. Kein anderes Unternehmen hat ein vergleichbar breites Angebot. Dann sollten wir einmal betrachten, wo und wie Video bereits genutzt wird. Wir sehen einen starken und kontinuierlich wachsenden Bedarf für Video. Schauen Sie, was Disney im Online-Bereich macht oder auch ABC, die für ihre Serien Lost und Desperate Housewives Emmy-Awards bekommen haben und diese Serien ins Web stellen. Ich denke auch, dass unsere gerade bekannt gegebene Kooperation mit Viacom (MTV, VH1) unterstreicht, wie wichtig den Medienunternehmen die Online-Verbreitung ihrer Inhalte ist, nicht nur im Web, sondern auch auf mobilen Geräten. Die Online-Angebote von Google und Yahoo und die Anwenderseiten My Space und YouTube stellen Flash-Videos ins Web und erfreuen sich steigender Zugriffszahlen.
Darüber hinaus ist Visualisierung aber auch in vielen anderen Bereichen sehr gefragt. Stellen Sie sich vor, Sie könnten die Erklärungen zu Ihrem neuen Ikea-Möbelstück als Video oder Animation online abrufen oder auf Ihr Mobiltelefon laden. In Zukunft lassen sich Produkte auf mobilen Geräten bewerben und Kunden können die Ware mit einem Klick direkt über dieses Gerät kaufen.

Wie können wir uns den Produktions- und Entwicklungsprozess von Anwendungen wie Flash oder After Effects vorstellen? Entstehen innerhalb des neuen Prozesses neue Aspekte oder gibt es Überraschungen?
Guerard:: Der typische Produktionsprozess ist eine gesunde Balance zwischen Updates, die mit Blick auf Veränderungen an den Betriebssystemen oder Browsern notwendig werden, neuen Video-Codecs, die unterstützt werden müssen, dem Feedback unserer Kunden sowie strategischer Entwicklungen, die uns beim Ausbau unseres Geschäfts helfen. Wir hören uns sehr genau an, was unsere Kunden sagen und analysieren, wie sie unsere Produkte nutzen. Gleichzeitig betrachten wir die Technologie und überlegen, wie wir die Arbeit unserer Kunden noch besser unterstützen können. Natürlich gibt es auch Überraschungen, wenn unsere Entwickler neue Vorschläge machen. Diese werden dann auf Umsetzbarkeit und Kundennutzen überprüft. Manchmal fließen solche Sachen in die Entwicklung ein, manchmal werden sie wieder verworfen und manchmal werden sie zu einem späteren Zeitpunkt verwendet.

Welche Bedeutung hat eine Kooperation wie die zwischen Adobe und Google? (beim Download des Shockwave Player wird auch die Google Toolbar angeboten)?
Guerard:: Wir teilen viele Ansichten mit Google. Werfen Sie einen Blick auf deren Verwendung von Rich Internet Anwendungen wie Flash-Video, Google Maps oder die Börsennachrichten, dies ist sehr beeindruckend. Wir glauben beide an die Bedeutung des Internet, daher ist eine solche Kooperation für beide Seiten sehr sinnvoll.

Herr Guerard, vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führten Stefan D'Amore und Felix Schrader.

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