Sonntag, 12. Februar 2012


Interview

Mittwoch, 6. Dezember 2006 | Interview

Web 2.0 in der Medienindustrie – Interview mit Dr. Thomas Wengenroth

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/php/kolumnen/033335)
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Die Medienindustrie hat das Thema Web 2.0 frühzeitig für sich entdeckt. Dr. Wengenroth ist geschäftsführender Gesellschafter des Medien- und Marketingfachdienstes kress. Der kressreport ist eines der bekanntesten Fachblätter für die Medien-, Werbe- und Kommunikationsbranche. Die Internet-Ausgabe kress.de ist das meistgenutzte Fachangebot in diesem Bereich.

Herr Dr. Wengenroth, was verstehen Sie persönlich unter „Web 2.0“?
Einen Oberbegriff für Anwendungen, die die Möglichkeiten des Internets konsequent nutzen, insbesondere den Rückkanal und die Möglichkeit, Inhalte durch die Nutzer selbst erstellen zu lassen. Die erste Generation der Internetseiten war noch sehr von dem Verständnis des Senders an Empfänger geprägt.

Wird Web 2.0 bereits in Ihrem Verlag eingesetzt und wie sind Ihre Erfahrungen bisher?
Dr. Wengenroth: Wir haben immer schon Elemente von User generated Content gehabt und die Beteiligung der Nutzer mit einem Rückkanal bieten wir schon lange. Aber wir sind zurückhaltend damit, das Schlagwort Web 2.0 zu verwenden für das, was wir machen. Wir glauben, dass wir mit einem B2B-Angebot besondere Lösungen im Internet finden müssen. Die Rezepte der B2C-Welt sind dabei nicht immer übertragbar. So funktionieren Diskussionsangebote in Fachangeboten unserer Erfahrung nach nicht.

Bei Web 2.0 ist immer sehr viel Hype im Spiel. Was muss eine neue Technologie bieten, damit Sie über eine Einführung nachdenken?
Dr. Wengenroth: Es muss einen konkreten Zusatznutzen für unseren Nutzer/Leser bringen. Außerdem muss das Geschäftsmodell klar und die Anwendung finanzierbar sein.

Sie sind ein intimer Kenner der deutschen Medienlandschaft – welche Bereiche werden wohl am meisten durch Web 2.0 zukünftig beeinflusst werden?
Dr. Wengenroth: In den Medien wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Das Nutzungsverhalten breiter Bevölkerungsschichten ist binnen weniger Jahre vollkommen anders geworden und wird sich noch sehr stark verändern. Mit immer schnelleren Zugängen zum Netz wird sich dieser Trend noch verstärken. Mobile Angebote werden immens an Bedeutung gewinnen. Vor allem wie Menschen Informationen erhalten wird sich ändern. Web 2.0 ist nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu individuellen, digitalen und überall verfügbaren Medienangeboten.

YouTube, MySpace, Blogs, Podcasts, Video Blogs, Flickr, Citizen Journalism – sehen wir bald ein Sterben der traditionellen Medienformen wie Fernsehen und Zeitungen?
Dr. Wengenroth: Wohl nicht. Print wird für eine Bildungselite interessant bleiben und Fernsehen wird individueller werden. Was aber passiert, ist, dass die Spieler andere werden. Schon heute sehen sich die Medienkonzerne Konkurrenten gegenüber, die für sie bisher keine Rolle spielten. Die Telekom kauft Bundesliga- und Spielfilmrechte und Google will Nachrichten und Bücherinhalte anbieten. Die Telekommunikations-Unternehmen machen ja mehr Gewinn als Gruner + Jahr Umsatz. Da werden Karten neu gemischt.

Brauchen wir also bald keine Journalisten und Medienhäuser mehr?
Dr. Wengenroth: Ich meine, wir brauchen sie mehr denn je. Wer soll den heute noch die Orientierung im Informationsdickicht geben? Dazu brauchen wir auf Dauer professionell gemachte Leuchtturm-Marken, die sich belastbar hinter eine Information stellen. Was in Blogs oder in Wikipedia geschrieben wird, können Sie ja nicht immer glauben. Oder wissen Sie, welche politischen oder wirtschaftlichen Interessen der Blogger verfolgt? Oft genug zahlen nämlich mittlerweile die Presseabteilungen der Unternehmen für die Inhalte von Blogs.

Herr Dr. Wengenroth, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Matthew Langham.

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