Donnerstag, 24. Mai 2012 |
In jedem Baumarkt ist es hin und wieder Zeit für eine Bestandsaufnahme, um eine Übersicht darüber zu erhalten, was verkauft wurde, was aktuell gelagert ist und welche Kampagnen eingeleitet werden sollen, um die Weihnachtsbäume der letzten Saison doch noch an den Endkunden bringen zu können. Ähnliches wird in der vorliegenden Ajax-Kolumne gemacht: Es soll ein kurzer Überblick gegeben werden, welche Technologien momentan in den Regalen stehen, wie sich diese "verkauft" haben, und wie die Regale optimiert werden können.
Libraries, Toolkits, Frameworks, Consulting, Workshops ... - kein Ende in Sicht Betritt man als Kunde den "Ajax-Baumarkt", wird schnell deutlich: Was als kleiner Bastelladen angefangen hat, ist zu einem gigantischen Bauhaus geworden, in dem es alles zum Thema Ajax gibt. Libraries, Toolkits, Frameworks, Consulting, Workshops ... die Liste kann beliebig fortgesetzt werden - und solange auf einem Produkt ein Sticker "Web 2.0 certified" klebt, wird dieses ins Sortiment aufgenommen! Da gibt es zunächst einmal den Gang mir der Aufschrift "Open Source Ajax", was sich prinzipiell sehr verlockend anhört. Beim Griff ins Open-Source-Regal ist es jedoch wichtig, die Packungsangabe genau zu lesen, denn die Tatsache, dass eine Ajax-Komponente quelloffen vorliegt, bedeutet nicht zwangsweise, dass diese beliebig in einem Projekt verwendet werden darf. Auch ist darauf zu achten, dass man keinen "Ladenhüter" erwischt, denn wer einfach nur mit einer Ajax-Komponente arbeiten möchte, ist auf deren Weiterentwicklung (Stichwort: Browserkompatibilität!) und Wartung angewiesen. In jedem Fall schadet es auch nicht, die Verpackung mal zu öffnen, um zu überprüfen, ob denn auch eine Dokumentation beiliegt, denn oftmals hilft dies, unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Für "Bastler" ist das Open-Source-Regal jedoch sicherlich die richtige Anlaufstelle, denn wer bereit ist, selbstständig im Frontend Hand anzulegen, ist an dieser Stelle ganz bestimmt gut bedient.
Geht der Ajax-Kunde einen Gang weiter, leuchten diesem bunt blinkende Werbeschilder entgegen, wobei jedes Schild die Message enthält: "Unsere Ajax-Komponenten sind die besten!" Der Kunde ist im Gang "proprietäre Ajax-Komponenten" gelandet; deutlich wird an dieser Stelle, dass Ajax längst nicht mehr "nur" eine Technologie ist, sondern ein neuer Markt daraus entstanden ist, wobei jeder Hersteller bemüht ist, seine Ajax-Produkte gewinnbringend beim Kunden zu platzieren. Sicherlich gibt es in dieser Abteilung gute Produkte und Komponenten, welche die Möglichkeit bieten, ohne große Vorkenntnisse Ajax-Applikationen zu erstellen; aber wie in jedem Markt gibt es auch hier "Mogelpackungen", die zwar mit großen Versprechungen um die Gunst des Kunden werben, qualitativ und inhaltlich jedoch nur ein Bruchteil von dem liefern, was benötigt wird, um eine gute Ajax-Applikation zu entwickeln.
Die Einkausliste = die Lösung
Was können Sie als Ajax-Kunde zwischen all den Regalen und Wühltischen also tun, um das Risiko eines Fehlgriffs zu minimieren? Drei Dinge: Zum einen, schreiben Sie sich eine Einkaufsliste! Diese muss genau Ihre Anforderungen spezifizieren und Sie sollten die Regale so lange durchstreifen, bis Sie eine Lösung gefunden haben, die exakt auf Ihre Anforderungen passt - keine Kompromisse! Zum zweiten: Sammeln Sie kontinuierlich Informationen. Jede Session im Rahmen einer Ajax-Veranstaltung, jeder Fachartikel in einer Zeitschrift und jede Mitteilung eines Ajax Newsfeeds kann für Sie von Bedeutung sein und Ihnen genau "das" liefern, was Sie schon immer gesucht haben. Und zu guter Letzt: Gestalten Sie den Ajax-Baumarkt in Gedanken neu – statt "proprietär oder Open Source" sollte ihre Sortierung "löst mein Problem, löst mein Problem nicht" reflektieren!
Florian Müller arbeitet als Consultant für die Firma Cambridge Technology Partners, Schweiz. Sowohl beruflich als auch privat gilt sein Hauptinteresse der Entwicklung von Webapplikationen basierend auf dem Ajax-Ansatz.