Sonntag, 12. Februar 2012


Interview

Montag, 18. Dezember 2006 | Interview

Mit dem Geweih gegen die Langeweile - Marc Wnuck im Gespräch

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter/kolumnen/033969)
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Mark Wnuck

Ein Interview mit Marc Wnuck, Geschäftsführer und Grafik-Designer von 12ender.

Herr Wunck, wer steckt hinter 12ender? Was bedeutet der Name 12ender? Euer Erkennungszeichen ist ein Rehkitz, richtig? Stellt euch doch mal kurz vor...
Marc Wnuck: Das mache ich doch gerne. Die Agentur 12ender wurde 1998 von Christian Krüger und mir gegründet. Erst mit dem Schwerpunkt Internetdesign, später aber auch mit den Bereichen Print und Multimedia. Der Name entstand innerhalb von fünf Minuten. Ich suchte damals ein Geweih, um es als Garderobe in meiner Wohnung zu verwenden. Wenige Tage später fand Christian ein solches. Zu diesem Zeitpunkt waren wir gerade auch auf Namenssuche. Wir konnten uns beide vorstellen, dass dieses Geweih einmal in den späteren Agenturräumlichkeiten hängt. Wir zählten die Geweihenden zusammen, kamen auf 12, und so war innerhalb kürzester Zeit der Name 12ender gefunden.

Was uns neben dem Namen sonst noch charakterisiert ist, dass wir lieben was wir tun. Ansonsten kann man auf Dauer nicht, und vor allem täglich, kreativ sein und für die unterschiedlichsten Dinge Werbung und Kommunikation betreiben. Ich habe dazu ein Beispiel parat: Vor kurzem hatten wir eine lustige Diskussion mit einer Praktikantin, die meinte, sie könne als Frau kein Design für Tuning-TV machen, weil dies eine reine „Männersache“ sei. Das ist absoluter Blödsinn. Ich kann heute (als Mann) eine Kosmetikverpackung gestalten, morgen eine Broschüre für Hüftprothesen und übermorgen eine Website für Taschen. Also halten wir fest: Kreative Agenturtätigkeit hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, nichts mit dem Alter usw., sondern vielmehr mit der Einstellung zum Ganzen. Bin ich ein offener Typ, vom Naturell eher neugierig und extrovertiert oder bin ich der stille Designer, der am liebsten sein Kämmerchen nicht verlässt. Dann wird es allerdings schwer.

Ähnlich verhält es sich beim Akquirieren. Mit Zurückhaltung, Desinteresse und einem unsicheren Auftreten habe ich schon versagt, bevor es überhaupt losgeht. Aber auch hier hat 12ender für sich einen Quotienten gefunden, an dem wir festmachen, ob ein Neukunde zu uns passt oder nicht. Wenn wir nicht innerhalb von fünf Minuten zumindest einmal herzlich über etwas gemeinsam lachen, lassen wir es direkt sein. Das ist möglicherweise eine eigenwillige Herangehensweise, aber mit allen ernsten und humorlosen Zeitgenossen gab es zuweilen Stress. Mit allen anderen können wir in der Regel bestens kommunizieren und arbeiten. Natürlich arbeiten wir nicht nur um Spaß zu haben, aber zumindest zeitweise.

Wie sieht für euch eine möglichst perfekte Website aus?
Wnuck: Wir haben konzeptionell und gestalterisch freie Hand, werden gut bezahlt, und die Website wird dadurch erfolgreich und bekannt. Und wenn dann noch Folgeaufträge kommen – na dann ist sie perfekt!

Wann setzt ihr beim Kunden Flash als Medium ein? Wo seht ihr den Vorteil von Flash gegenüber herkömmlichen HTML/XHTML-Websites?
Wnuck: Eigentlich nur dann, wenn es auch wirklich Sinn macht. So haben wir vor kurzem einen Music-Player für ein Plattenlabel realisiert, welches vom Kunden selber täglich aktualisiert werden kann. Dazu muss man lediglich eine MP3-Datei hochladen, eine Textdatei ändern und fertig. Manchmal realisieren wir auch Navigationen mit Flash oder auch E-Cards. Ansonsten kann ich mich bis auf zwei Ausnahmen nicht daran erinnern, eine Seite komplett in Flash gemacht zu haben.

An welchen Projekten für welche Kunden arbeitet ihr gerade?
Wnuck: Das ist im Moment mal wieder bunt gewürfelt. Für einen Europa-Abgeordneten realisieren wir über ein CMS-System einen umfangreichen Onlineauftritt. Für einen Berliner Verlag arbeiten wir an einem E-Shop. Na und dann arbeiten wir an einem Portal für Comedy TV – sicherlich die spannendste Sache!

Neben der Agentur leitet ihr noch den 12ender Verlag. Wie kam es dazu und welche Themenbereiche deckt ihr bei euren Veröffentlichungen ab? Welche Bücher sind in Zukunft geplant?
Wnuck: Unseren Verlag gibt es nun auch schon rund fünf Jahre. Es war ein viele Jahre lang gehegter Wunsch, den wir uns mit unserem 12Ender Verlag erfüllt haben. Bereits Ende der 90er-Jahre haben wir die Themen Grafik, Design, Fotografie, internationales Design und Typografie für unsere Bücher entdeckt. Mit der Veröffentlichung von „Visions“ – einem Buch über die Arbeiten des bekannten Kölner Photographen Helge Strauss hat alles begonnen. Unser aktuelles Projekt sind gleich vier 700 Seiten starke Bücher über Typographie, Grafik-Design, Illustration und Logos. Das besondere daran ist, dass wir alle Arbeiten über unser Online-Portal zeixs akquiriert und bekommen haben.

Was hat es mit dem zeixs-Portal auf sich?
Wnuck: zeixs ist die Verschmelzung von Online- und Printmedien, die sich gegenseitig befruchten sollen. Anspruchsvolle Designbücher werden dabei eine große Rolle spielen. Ebenso der geplante Design-Award in 2007.

Wie funktioniert zeixs?
Wnuck: Alles steht unter dem Motto: zeixs uns, wir zeigen es allen. Wer kreatives Material in unseren Büchern veröffentlicht sehen möchte, kann das Portal dazu nutzen, uns die Daten via „upload Funktion“ zu schicken. Auf diesem Wege haben wir im übrigen in nur 14 Tagen ca. 4.500 Arbeiten von 1.079 Designern aus 23 Ländern bekommen. Nicht schlecht, oder?

Herr Wunck, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dirk Behlau.

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