Sonntag, 12. Februar 2012


Kolumne

Dienstag, 13. November 2007 | Kolumne

Naked XML: Fliegengemisch

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter/kolumnen/039363)
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Martin Szugat

Fliegengemisch
XML ist der Klebstoff des Web 2.0 und Mashups sind das Ergebnis dieser Bastelei. Bisher war das Basteln aber den Handwerkern, also uns Programmierern, vorbehalten. Mit Popfly möchte Microsoft auch die Hobby-Bastler für die Webentwicklung gewinnen.

Stereotyp
Popfly ist eine typische Web-2.0-Anwendung, beinahe schon stereotypisch: auf einer webbasierten Plattform, die sich selbstverständlich im (mittlerweile offenen) Beta-Test befindet, können angemeldete Nutzer eigene Mashups entwickeln, sie mit Schlagwörtern versehen (neudeutsch "taggen") und anderen kostenfrei zur Verfügung stellen. Diese können die Mashups bewerten (neudeutsch "ranken") und als Vorlage für eigene Entwicklungen nutzen. Ein integriertes Social Network darf in Zeiten von Facebook, MySpace & Co. natürlich auch nicht fehlen.

Der Mashup-Designer ist ebenfalls "web-zwei-punkt-nullig": auf Basis von Silverlight stellt Popfly einen grafischen Editor zur Verfügung. Der Nutzer muss die einzelnen Komponenten – bei Popfly Blocks genannt – nur noch "zusammenklicken". Die Funktionsweise ähnelt dabei der einer Leiterplatte: die Ausgabe des Blocks "Yahoo! Traffic" dient als Eingabe für den Block "Virtual Earth" und heraus kommt eine Straßenkarte von Seattle mit den aktuellen Baustellen:

 

Unter der Haube
Wie einfach es ist, eigene Anwendungen mit Popfly zu implementieren, demonstriert eine (deutschsprachige) Microsoft-Mitarbeiterin in einem Video:


Video: Popfly - Mashups leicht gemacht...

Da ein Mausklick, dort ein URL und fertig ist das Mashup. Was unter der Haube passiert, interessiert niemanden. Wieso auch, solange es funktioniert?

Sie ahnen es: unter der Haube steckt XML. So nutzt Popfly einerseits XML (im Stil der WSDL) zur Beschreibung der Blocks und andererseits sind die meisten Blocks nicht viel mehr als Wrapper um die XML-Schnittstellen bekannter Websites und -dienste wie beispielsweise Virtual Earth.

Orchester
Popfly ist demnach eine Service-Orchestration-Engine mit einer etwas poppigeren Oberfläche als die üblichen SOA-Tools zu bieten haben. Mashup-Designer wie Popfly oder Yahoo! Pipes sind damit quasi das SOA-Werkzeug für den kleinen Mann (oder Frau) – aber eben nur quasi.

Bei einer serviceorientierten Architektur geht es um das Zusammenspiel von Services – nicht zwangsläufig Web Services, vielmehr "Service" im Sinne von Dienstleistung. Nicht die technische Bereitstellung (zum Beispiel mittels einer XML-Technologie) ist entscheidend, sondern die fachliche Kapselung in einer Komponente und deren Integration in einen (Geschäfts-)Prozess.

Eine SOA-Lösung ist also mehr als ein "Enterprise-Mashup" (ein weiteres Schlagwort aus den Marketingabteilungen) und ein Mashup ist etwas anderes als die Verdrahtung von Services. Mashups mischen Daten, unabhängig davon, ob sie als XML-basierter Web Service oder in Form von HTML bereitgestellt werden. Sie kombinieren Staumeldungen und eine interaktive Karte zu einem digitalen Verkehrsinformationszentrum.

Softwareentwicklung 2.0?
Ein Echtzeit-Routenplaner für die Lastwagenflotte eines Logistikunternehmens ist das allerdings noch nicht. Das erfordert mehr als Popfly und ein paar Mausklicks. Dies braucht Softwareentwickler und eine leistungsfähige Entwicklungsumgebung. Dennoch ist Popfly auch für professionelle Programmierer interessant: als Beispiel für eine gelungene Benutzerschnittstelle, die Aufwändiges einfach macht.

Martin Szugat nutzt XML seit der ersten Stunde und ist immer wieder erstaunt, was damit alles möglich ist. Zurzeit beschäftigt sich der Autor mit der Gründung eines Unternehmens und findet daher leider wenig Zeit für seinen Blog aboutxml.de und das Entwickler-Forum.

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