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Montag, 28. Juni 2004 | News

Auf dem LinuxTag ist Linux "usual Business"

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/php//016286)
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Linux hat sein Gesicht in den letzten Jahren nachhaltig verändert. Bester Indikator dafür ist der einmal jährlich stattfindende LinuxTag in Karlsruhe, der sich vom einstigen Community-Event längst zu einem internationalen Treffpunkt der Linux- und Softwarebranche gemausert hat. Zumindest an den ersten Messetagen ist die Veranstaltung, die auch einen Business- und Behördenkongress bietet, relativ fest in der Hand der Anzugträger. Das Motto "Business meets Community" vereinte Linux-Unternehmen und Community-Entwickler in diesem Jahr vom 23. bis 26. Juni wieder zu einer großen Familie.

Wo in früheren Jahren besondere Announcements immer für die wichtigen Events aufgespart wurden, legt das Linux-Business inzwischen eine Stetigkeit auf hohem Niveau an den Tag, sodass der LinuxTag eher "Business as usual" bietet. Linuxdistributor Red Hat hatte dann aber doch ein Schmankerl parat, denn das durch die Sistina-Übernahme eingekaufte Dateisystem GFS (Global File System) wurde nun unter GPL gestellt.

Vor allem die großen Aussteller zeigten einmal mehr, dass der Einsatz von Linux sich längst nicht mehr nur auf einzelnen (Test-)Systemen abspielt, sondern immer mehr in hochkomplexen Enterprise-Umgebungen zum Tragen kommt. IBM beispielsweise präsentierte seine Dynamic Infrastructure for mySAP Business Suite, wobei sich die Messebesucher das automatisierte Infrastruktur-Management für eine SAP-Umgebung unter Linux zu Gemüte führen konnten. Zusammen mit den Partnern Morse, Veritas und Oracle wurden zudem Linux-Lösungen auf einer xSeries- und TotalStorage-Infrastruktur vorgeführt.

Zu den Newcomern auf dem LinuxTag zählte der französische Open Source-Anbieter Idealx. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen ist auf die Bereiche Digital Identity, PKI und Signaturen spezialisiert und betrachtet sich als der führende PKI-Anbieter in Frankreich. Nun will das Unternehmen noch in diesem Jahr in Deutschland Fuß fassen, um seine europäische Expansion voranzutreiben. Zu den Referenzen von Idealx gehören bereits Großprojekte, beispielsweise eine Open Source-Lösungen für eine Million Anwender beim französischen Erziehungsministerium. Idealx bezieht seine Kunden dabei in einen Contributor-Club mit ein. Auftraggeber ermöglichen damit, dass die für ihre Projekte entwickelten Module auch für andere Kunden zugänglich gemacht werden. "Der Vorteil liegt auf der Hand: so können alle Kunden von der dadurch sehr schnell wachsenden Zahl von Modulen für unsere Kernlösung profitieren", erläutert CEO Olivier Guilbert. Idealx hat bereits verschiedene Open Source-Projekte initiiert, darunter IDX-PKI als Infrastrukturlösung zur Public-Key-Verwaltung, Cryptonit, ein Multi-OS-Client-Tool für Signatur und Verschlüsselung und Kimberlite für Webmin, ein Modul, mit dem ein Linux-Cluster, der die Kimberlite-Hochverfügbarkeitskomponente nutzt, verwaltet werden kann.

Linux schafft langsam aber stetig den Durchbruch in größeren Unternehmen und bei Banken und Versicherungen. Linuxdistributor Red Hat beispielsweise hat bereits eine ganze Reihe von strategischen Projekten für die Branche realisiert. „Auch der gehobene Mittelstand interessiert sich immer mehr für Linux. Hier sehen wir zunehmend strategische Projekte auf Vorstandsebene“, so Daniel Riek. Um den wachsenden Anforderungen an das IT-Personal Rechnung zu tragen, kündigte Red Hat bereits im Vorfeld des LinuxTags eine neue Zertifizierung an, und zwar zum Red Hat Certified Architect.

Die Linux- und Open Source-Projekte, mit denen der LinuxTag einst startete, nehmen auf dem Event in Karlsruhe auch heute noch breiten Raum ein. In einer großen LAMP-Area zeigten die Top-Entwickler von Apache, PHP und MySQL, was sich im Bereich Webdevelopment Neues tut. Das Debian-Projekt, Gnome und KDE, OpenOffice.org und viele andere wichtige Projekte der Community waren ebenfalls präsent.

Beim Business- und Behördenkongress wurden wieder erfolgreiche Migrationsprojekte der öffentlichen Verwaltung vorgestellt und hilfreiche Open Source-Lösungen gezeigt. So stand das Migrationsprojekt MigOS des Deutschen Bundestages ebenso auf der Agenda wie die geplante Open Source-Migration der Stadt München oder auch der Einsatz des Open Trouble Ticket Systems beim CERT-Bund. Bei Vorträgen zu Voice-over-IP mit Asterisk, dem Open Source-basierten Content Management-System Typo3 oder zu Ipsec mit dem Kernel 2.6 konnten sich IT-Leiter aktuelle Informationen und Ideen für neue Projekte holen.

Das freie Vortragsprogramms bot wie immer eine Auswahl, die alle nur denkbaren Themenbereiche abdeckte. Die LAMP-Fraktion war mit Top-Speakern wie PHP-Vater Rasmus Lerdorf, Ken Coar vom Apache-Team und verschiedenen MySQL-Entwicklern vertreten. Sessions zu Linux auf dem Mainframe, Cluster-Technologien, Desktop-Lösungen, Gimp, Groupware, Compiere, OpenLDAP, Online-Banking und Development rundeten das Programm ab. (Nadja Rosmann)

(nar)

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