Samstag, 11. Februar 2012 |
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Der Aufbau von Zertifizierungssystemen wird im Folgenden anhand des Beispiels "Signatur" dargestellt, die Aussagen gelten entsprechend aber auch für die Verschlüsselung. Im Fall von PGP/GnuPG gibt es keinen Unterschied, da die öffentlichen Schlüssel sowohl zur Verschlüsselung von Nachrichten an den Inhaber als auch zur Prüfung seiner Signaturen verwendet werden.
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Den Anfang macht das Web of Trust, das ohne hierarchische Institutionen auskommt. Dabei signieren die Benutzer im ersten Schritt ihre eigenen öffentlichen Schlüssel und verteilen sie. Im Fall von PGP/GnuPG geschieht dies zum Beispiel durch das Heraufladen auf einen Keyserver oder den direkten Austausch mit anderen Benutzern. Möchte danach Alice eine Signatur von Bob prüfen, beschafft sie sich Bobs öffentlichen Schlüssel und prüft ihn, indem sie sich von Bob alle zur Identifikation des Schlüssels nötigen Informationen (bei PGP/GnuPG insbesondere den Fingerprint) geben lässt. Dies muss über einen sicheren Kanal geschehen, also in der Regel bei einem persönlichen Treffen. Nachdem Alice Bobs öffentlichen Schlüssel erfolgreich geprüft hat, signiert sie ihn mit ihrem geheimen Schlüssel und sendet ihn an den Keyserver. Möchte danach Carol eine Signatur von Bob prüfen, erhält sie vom Keyserver Bobs Schlüssel mit Alices Signatur. Vertraut sie Alice vollkommen, kann sie auf eine eigene Prüfung des Schlüssels verzichten, da diese ja bereits von Alice durchgeführt wurde.
Das eben beschriebene Verfahren kennt nur Ja/Nein-Aussagen: Vertraut Carol Alice vollkommen, kann sie auf die Prüfung verzichten. Andernfalls muss sie den Schlüssel selbst prüfen. Im realen Leben gibt es beim Vertrauen aber Abstufungen: Vielleicht traut Carol Alice zwar im Allgemeinen, weiß aber, dass sie bei der Prüfung von Schlüsseln etwas schlampig vorgeht. Aber vielleicht wurde Bobs Schlüssel ja außerdem von Dave unterschrieben, dem Carol auch halbwegs vertraut. Nach dem Motto "Zwei halbe Vertrauen sind so gut wie ein ganzes" könnte sie dann trotzdem Bobs Schlüssel vertrauen und auf eine eigene Prüfung verzichten.
Um diese Abstufungen abzubilden, gibt es den Faktor "Vertrauen in den Schlüsselinhaber" (Owner-Trust). Mögliche Werte sind
Das Vertrauen in die Schlüsselinhaber überträgt sich automatisch auf die von ihnen signierten fremden öffentlichen Schlüssel: Selbst signierten fremden öffentlichen Schlüsseln wird 'complete' vertraut. Hat Carol Alices öffentlichen Schlüssel selbst signiert (ohne gezwungenermaßen den signierten Schlüssel an einen Keyserver geschickt zu haben) und vertraut sie ihr 'complete' oder 'marginal', bekommt Bobs von Alice signierter Schlüssel automatisch den entsprechenden Wert. In allen anderen Fällen bekommt er automatisch den Wert 'not trusted'. "Vertrauen in den Schlüssel" ist eine rein technische Aussage: Es geht darum, ob der Schlüssel vom angeblichen Besitzer stammt oder nicht. Zusätzlich zu den oben genannten Werten werden für die Schlüssel weitere Werte für ungültige (z.B. abgelaufene oder zurückgezogene) Schlüssel verwendet.
Es ist also durchaus möglich, dass einem Schlüssel vollkommen vertraut wird, dessen Inhaber aber wenig oder gar nicht. Wenn Carol im obigen Beispiel Alices Schlüssel geprüft und signiert hat, weiß sie mit Sicherheit, dass es Alices Schlüssel ist, das heißt, signierte Dokumente also von Alice signiert wurden. Trotzdem traut sie Alice selbst und damit ihren Signaturen unter fremden Schlüsseln nur bedingt, da sie weiß, dass Alice blind alle Schlüssel signiert, die ihr unter die Finger kommen.
Der große Vorteil des Web of Trust gegenüber einem hierarchischen Aufbau ist, dass die Benutzer nicht blind einer zentralen Institution vertrauen müssen. Ein Nachteil ist, dass ein Schlüsselwechsel schwierig ist, da niemand weiß, wo die Schlüssel überall gespeichert und damit auszutauschen sind. Während bei einem hierarchischen Ansatz eine zentrale Liste ungültiger Schlüssel geführt werden kann, muss beim Web of Trust immer damit gerechnet werden, dass Benutzer inzwischen ungültige Schlüssel verwenden. Dies ist besonders kritisch, wenn dadurch eine gefälschte Signatur mit einem zurückgezogenen, kompromittierten Schlüssel als gültig erkannt wird.
Auch verträgt sich das Web of Trust schlecht mit Unternehmenshierarchien. Dieser Nachteil kann aber durch lokale Zertifizierungsstellen ausgeglichen werden, die sowohl die Schlüssel ihrer jeweiligen lokalen Benutzer als auch sich untereinander gegenseitig zertifizieren. Damit endet man aber eigentlich wieder bei einem (zumindest teilweise) hierarchischen System. Wie das funktioniert, erfahren Sie in der nächsten Folge.
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