Montag, 13. November 2006 |
Kolumne
Nach dem
"Month of Browser Bugs"
im Juli wurde der November zum
"Month of Kernel Bugs"
erklärt. Da die bisher veröffentlichten Schwachstellen in der Regel
durch 'fuzzing' und 'stress testing' gefunden wurden, lassen sie sich zum
Teil im normalen Betrieb nicht oder kaum ausnutzen, zudem handelt es sich
bisher meist um relativ harmlose lokale Denial-of-Service-Schwachstellen.
Aber auch Code-Ausführung oder Rechte-Ausweitungen wurden bereits
gemeldet.
Auf jedem Fall lohnt sich bereits ein kleiner Überblick (ganz ohne
Wertung in alphabetischer Reihenfolge; die Schwachstellen dann in der
Reihenfolge ihrer Veröffentlichung):
- FreeBSD (2 Schwachstellen):
Integerüberlauf-Schwachstellen in den Funktionen
ffs_mountfs() und ffs_rdextattr()
erlauben eventuell die Ausführung beliebigen Codes, auf jedem Fall
aber Denial-of-Service-Angriffe (dafür ist ja sowieso fast jeder
Fehler zu gebrauchen). Der Angreifer muss dafür allerdings ein
entsprechend präpariertes UFS-Dateisystem mounten (oder mounten
lassen, d.h. einem Benutzer ein entsprechendes Dateisystem
unterschieben).
- Linux (5 Schwachstellen):
Ein
präpariertes squashfs-Image erzeugt einen Double-Free-Fehler,
erlaubt also lokale Denial-of-Service-Angriffe. Doppelt hält halt
nicht immer und überall besser, in diesem Fall wäre weniger
besser.
Eine Kombination von
Race-Condition und Vorzeichenfehlern
erlaubt ebenfalls lokale Denial-of-Service-Angriffe, und zwar durch
beschädigte ISO9660-Dateisysteme. Also besser keine CDs von
Unbekannten ins Laufwerk schieben, wenn irgendeine wichtige Datei noch
nicht gesichert wurde oder die Online-Auktion fürs
Weihnachtsgeschenk in wenigen Minuten ausläuft!
Auch Dateisysteme, die mit der zlib komprimiert wurden, können
für
lokale Denial-of-Service-Angriffe
verwendet werden. Als Beispiel wird das cramfs genannt, ein
entsprechender Proof-of-Concept wurde veröffentlicht.
Das
ext3-Filesystem
möchte da nicht zurückstehen und erlaubt ebenfalls lokale
Denial-of-Service-Angriffe. Und was ext3 Recht ist, ist ext2 billig:
"Linux 2.6.x ext2_check_page denial of service"
wurde am Sonntag veröffentlicht, die Meldung in
'Security aktuell'
erfolgt mit der heutigen Aktualisierung.
- Mac OS X (2 Schwachstellen):
Eine
Schwachstelle in Apples Airport-Treiber
für WLAN-Karten mit Orinoco-Chipsatz, wie sie von 1999 bis 2003 in
Powerbooks und iMacs verbaut wurden, erlaubt die Ausführung
beliebigen Codes - wenn der Treiber vom Benutzer in den aktiven
Scan-Modus versetzt wurde.
Unbekannte Dateitypen erzeugen im Systemaufruf fpathconf() eine Kernel-Panic,
erlauben also nur lokale Denial-of-Service-Angriffe. Eigentlich keine
große Sache, aber trotzdem peinlich für Apple. Denn FreeBSD
war auch einmal so schreckhaft, wurde aber bereits am 27. Juni 2000
geheilt.
- Sun Solaris (1 Schwachstelle):
Auch Solaris 10 verschluckt sich an
beschädigten UFS-Dateisystemen,
die Folgen sind wieder ein lokal auslösbarer Denial-of-Service.
Auch Beschädigungen des lokalen UFS-Dateisystems sind
möglich, allerdings dürfte das bei einem schon vorher
beschädigten Dateisystem ziemlich egal sein.
- Windows (1 Schwachstelle):
Eine
Schwachstelle bei der Bearbeitung von GDI-Kernel-Strukturen
führt zum Blue Screen of Death (BSoD) oder erlaubt lokalen
Benutzern, ihre Rechte auszuweiten und die Kontrolle über das
System zu übernehmen. Nachdem Microsoft inzwischen dafür
gesorgt hat, das der BSoD im normalen Betrieb kaum noch in Erscheinung
tritt, erlaubt die Schwachstelle Nostalgikern einen Rückblick in
die "gute alte Zeit". Dass lokale Benutzer damit auch die
Kontrolle über den Rechner übernehmen können, ist weniger
schön. Die Schwachstelle wäre also eigentlich ein guter
Kandidat für einen der nächsten Patchdays. Da Microsoft seit
2004 davon weiß, dürfte der Patch aber vermutlich eher auf
den Namen "Microsoft Vista" hören und damit für
Privatanwender Anfang 2007 erscheinen.
Und dann gib es eine Pufferüberlauf-Schwachstelle im Broadcom
BCMWL5.SYS Wireless Device Driver für Windows, die durch
überlange SSID-Felder die Ausführung beliebigen Codes erlaubt.
Betroffen können auch Linux- und FreeBSD-Systeme sein, die den Treiber
über den ndiswrapper verwenden. Broadcom hat bereits ein Update an
seine Kunden geliefert, die es ihrerseits für betroffene Systeme
bereitstellen. Veröffentlicht wurde die Schwachstelle am Samstag unter
dem Titel
"Broadcom Wireless Driver Probe Response SSID Overflow",
zu 'Security aktuell' s.o.
Noch kurz etwas zum kommenden Patchday von Microsoft:
Angekündigt
sind 6 Security Bulletins, darunter eines für die aktuell von mehreren
Webseiten ausgenutzte
Schwachstelle im XMLHTTP 4.0 ActiveX Control.
Microsoft stuft dieses Update als kritisch ein, ebenso wie mindestens eines
der weiteren fünf Security Bulletins, die alle Windows betreffen.
Nicht geschlossen werden also die Schwachstellen in
Office-Programmen und dem Internet Explorer. Da bin ich ja mal gespannt, ob
es trotzdem wieder kurz nach dem Patchday
"Same procedure as last month"
heißt und die Blackhats bisher unbekannte Schwachstellen ausnutzen.
Eigentlich besteht ja bei den Anwendungen keine Notwendigkeit dafür, die
alten Exploits funktionieren ja noch. Demnach wäre 'nur' mit neuen
Schwachstellen in Windows zu rechnen, vor allem da Microsoft ja eine der
aktuell genutzten Schwachstellen schließen wird.
Carsten Eilers