Mittwoch, 8. Februar 2012 |
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Mit XML geht es bergab. Niemand sucht mehr danach, weil es längst alle gefunden haben (obere Trendlinie).
Denn die Trendanalyse zeigt auch: XML ist durchaus in den Schlagzeilen (untere Trendlinie). Hier einige aktuelle Beispiele, die mich dazu veranlasst haben, den zweiten Teil über die Erweiterbarkeit von XML-Dokumenten auf die kommende Folge von Naked XML zu verschieben.
Eine unspektakuläre Geburt
Anfang des Jahres wurde es hier bereits angekündigt, dreizehn Tage später, also am 23.
Januar, war es dann soweit: XPath 2.0, XSLT 2.0 und XQuery 1.0 erblickten als
offizielle Recommendation des W3C das Licht des World Wide Webs. Doch von
Euphorie seitens der Software-Hersteller keine Spur, verständlich, denn
faktisch gibt es XQuery 1.0 und XSLT 2.0-taugliche Editoren, Datenbanken und
Bibliotheken schon lange. Allerdings haben nur wenige Hersteller, darunter Saxonica
und Altova, Prozessoren im Angebot, die auch zur endgültigen Recommendation vollständig
konform sind. Immerhin denkt jetzt auch der Gigant aus Redmond, namentlich Microsoft,
laut darüber nach, XSLT 2.0 in die kommende Version seines
.NET Frameworks zu integrieren. Bei XQuery 1.0 ist man sich hingegen noch nicht
sicher, ob das auf dem Client überhaupt Sinn macht. Vielleicht möchte man sich
auch nur die Arbeit sparen und sie der Open-Source-Gemeinde überlassen.
...und ein vergessener Geburtstag
Wenig Aufmerksamkeit hat auch ein anderer Geburtstag
bekommen. Am 10. Februar im Jahre 1998 verabschiedete das W3C die Spezifikation
mit dem Titel "Extensible Markup Language 1.0" - XML war geboren. Vorausgegangen waren zwei Jahre der Entwicklung, der
Diskussionen und letztlich wohl auch der Kompromisse. Geschadet hat das XML
nicht und auch die Diskussionen über das Für und Wider von XML sind weitgehend abgeschlossen.
Wenn zwei sich streiten, freut sich der
Dritte.
Diskutiert wird heute über andere Themen umso härter. „Bist Du für Office Open XML oder dagegen?“, lautet die
Frage, mit der manch Entwickler in diversen Foren und in der Blogosphäre die
Tage konfrontiert wurde. Im Kern geht es um die alte Feindschaft zwischen
Open-Source-Anhängern und Microsoft-Sympathisanten, von der man glaubte, sie
sei schon längst zu den Akten gelegt worden. Entbrannt hat sich der neuerliche
Streit an dem Vorwurf von Microsoft, IBM würde die Standardisierung von
Office Open XML behindern, das seinerseits das OpenDocument-Format als Standard
favorisiert.
Auch die Diskussion „OpenDocument oder Office Open XML?“ ist alt und geht am eigentlichen Kern der Sache vorbei. Wesentlich interessanter ist doch die Frage: „Warum nicht ein Sowohl-Als-Auch statt ein Entweder-Oder?“. Gegen zwei konkurrierende Standards spricht der Mehraufwand für Drittanbieter wie beispielsweise für die Hersteller von Text-Mining-Produkten sowie der erschwerte Austausch von Dokumenten zwischen verschiedenen Anwendern, wenn diese unterschiedliche Software einsetzen. Doch zumindest das letzt genannte Szenario scheint immer unwahrscheinlicher zu werden. Erst haben Microsoft und Novell entsprechende Plug-ins für Microsoft Office sowie OpenOffice angekündigt und jetzt hat auch Sun einen eigenen Konverter veröffentlicht, um Microsoft-Office-Dokumente in das OpenDocument-Format umzuwandeln.
Es scheint ganz so, als würde der Standardisierungskampf den Markt für Office-Software kräftig durcheinander rütteln und dabei alte Gräben einreißen. Von dem Wettrüsten der Großmächte (Microsoft auf der einen, die Open-Source-Allianz aus IBM und Sun auf der anderen Seite) profitiert letztlich vor allem einer, der Anwender. Wer ihn nicht verlieren möchte, muss entweder sein Format auch in die Konkurrenzprodukte integrieren oder alle Formate in seiner Anwendung unterstützen. Und wer jetzt noch gewinnen möchte, der muss Funktionen bieten, welche die Konkurrenz nicht hat.
Geschüttelt, nicht gerührt.
RSS ist in aller Munde. Doch bisweilen kommen
die Informationshäppchen nur einzeln und ungefiltert beim Konsumenten an. Mit Yahoo! Pipes, einer
Web 2.0 typischen AJAX-Anwendung, soll sich das ändern, denn jeder soll damit
eigene Mashups, also aus vorhandenen Internet-Diensten „zusammengemischte“ Anwendungen,
entwerfen können. Dabei werden die RSS- oder auch Atom-Feeds in einer Pipeline
zusammengefasst, mittels frei wählbarer Operatoren gefiltert, sortiert,
kombiniert oder in sonst einer Form manipuliert und als weiterer Feed
exportiert, bis schließlich das XML-Futter auf dem heimischen Desktop landet.
Darüber berichteten am ersten Tag nur die Blogs, am zweiten Tag auch die IT-Medien und am dritten Tag sogar die Tagesschau. Doch von XML kein Wort.
Im Wesentlichen nichts Neues.
Drei neue XML-Standards, die so bereits erwartet wurden, ein neunter
Geburtstag, der keinerlei Änderungen mit sich bringt, ein Streit, der nur
nochmals aufgewärmt wurde und eine XML-Anwendung, die Bekanntes schön verpackt.
Das ist XML - unscheinbar und doch allgegenwärtig.
Martin Szugat beschäftigt sich mit Themen rund um XML, also mit fast allem. Darüber berichtet er auf aboutxml.de, im dot.net magazin und auf der BASTA.