Mittwoch, 8. Februar 2012


Kolumne

Mittwoch, 21. Februar 2007 | Kolumne

Naked XML: Breaking news

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/dotnet//034431)
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Mit XML geht es bergab. Niemand sucht mehr danach, weil es längst alle gefunden haben (obere Trendlinie).

Denn die Trendanalyse zeigt auch: XML ist durchaus in den Schlagzeilen (untere Trendlinie). Hier einige aktuelle Beispiele, die mich dazu veranlasst haben, den zweiten Teil über die Erweiterbarkeit von XML-Dokumenten auf die kommende Folge von Naked XML zu verschieben.

Eine unspektakuläre Geburt
Anfang des Jahres wurde es hier bereits angekündigt, dreizehn Tage später, also am 23. Januar, war es dann soweit: XPath 2.0, XSLT 2.0 und XQuery 1.0 erblickten als offizielle Recommendation des W3C das Licht des World Wide Webs. Doch von Euphorie seitens der Software-Hersteller keine Spur, verständlich, denn faktisch gibt es XQuery 1.0 und XSLT 2.0-taugliche Editoren, Datenbanken und Bibliotheken schon lange. Allerdings haben nur wenige Hersteller, darunter Saxonica und Altova, Prozessoren im Angebot, die auch zur endgültigen Recommendation vollständig konform sind. Immerhin denkt jetzt auch der Gigant aus Redmond, namentlich Microsoft, laut darüber nach, XSLT 2.0 in die kommende Version seines .NET Frameworks zu integrieren. Bei XQuery 1.0 ist man sich hingegen noch nicht sicher, ob das auf dem Client überhaupt Sinn macht. Vielleicht möchte man sich auch nur die Arbeit sparen und sie der Open-Source-Gemeinde überlassen.

...und ein vergessener Geburtstag
Wenig Aufmerksamkeit hat auch ein anderer Geburtstag bekommen. Am 10. Februar im Jahre 1998 verabschiedete das W3C die Spezifikation mit dem Titel "Extensible Markup Language 1.0" - XML war geboren. Vorausgegangen waren zwei Jahre der Entwicklung, der Diskussionen und letztlich wohl auch der Kompromisse. Geschadet hat das XML nicht und auch die Diskussionen über das Für und Wider von XML sind weitgehend abgeschlossen.

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.
Diskutiert wird heute über andere Themen umso härter. „Bist Du für Office Open XML oder dagegen?“, lautet die Frage, mit der manch Entwickler in diversen Foren und in der Blogosphäre die Tage konfrontiert wurde. Im Kern geht es um die alte Feindschaft zwischen Open-Source-Anhängern und Microsoft-Sympathisanten, von der man glaubte, sie sei schon längst zu den Akten gelegt worden. Entbrannt hat sich der neuerliche Streit an dem Vorwurf von Microsoft, IBM würde die Standardisierung von Office Open XML behindern, das seinerseits das OpenDocument-Format als Standard favorisiert.

Auch die Diskussion „OpenDocument oder Office Open XML?“ ist alt und geht am eigentlichen Kern der Sache vorbei. Wesentlich interessanter ist doch die Frage: „Warum nicht ein Sowohl-Als-Auch statt ein Entweder-Oder?“. Gegen zwei konkurrierende Standards spricht der Mehraufwand für Drittanbieter wie beispielsweise für die Hersteller von Text-Mining-Produkten sowie der erschwerte Austausch von Dokumenten zwischen verschiedenen Anwendern, wenn diese unterschiedliche Software einsetzen. Doch zumindest das letzt genannte Szenario scheint immer unwahrscheinlicher zu werden. Erst haben Microsoft und Novell entsprechende Plug-ins für Microsoft Office sowie OpenOffice angekündigt und jetzt hat auch Sun einen eigenen Konverter veröffentlicht, um Microsoft-Office-Dokumente in das OpenDocument-Format umzuwandeln.

Es scheint ganz so, als würde der Standardisierungskampf den Markt für Office-Software kräftig durcheinander rütteln und dabei alte Gräben einreißen. Von dem Wettrüsten der Großmächte (Microsoft auf der einen, die Open-Source-Allianz aus IBM und Sun auf der anderen Seite) profitiert letztlich vor allem einer, der Anwender. Wer ihn nicht verlieren möchte, muss entweder sein Format auch in die Konkurrenzprodukte integrieren oder alle Formate in seiner Anwendung unterstützen. Und wer jetzt noch gewinnen möchte, der muss Funktionen bieten, welche die Konkurrenz nicht hat.

Geschüttelt, nicht gerührt.
RSS ist in aller Munde. Doch bisweilen kommen die Informationshäppchen nur einzeln und ungefiltert beim Konsumenten an. Mit Yahoo! Pipes, einer Web 2.0 typischen AJAX-Anwendung, soll sich das ändern, denn jeder soll damit eigene Mashups, also aus vorhandenen Internet-Diensten „zusammengemischte“ Anwendungen, entwerfen können. Dabei werden die RSS- oder auch Atom-Feeds in einer Pipeline zusammengefasst, mittels frei wählbarer Operatoren gefiltert, sortiert, kombiniert oder in sonst einer Form manipuliert und als weiterer Feed exportiert, bis schließlich das XML-Futter auf dem heimischen Desktop landet.

Darüber berichteten am ersten Tag nur die Blogs, am zweiten Tag auch die IT-Medien und am dritten Tag sogar die Tagesschau. Doch von XML kein Wort.

Im Wesentlichen nichts Neues.
Drei neue XML-Standards, die so bereits erwartet wurden, ein neunter Geburtstag, der keinerlei Änderungen mit sich bringt, ein Streit, der nur nochmals aufgewärmt wurde und eine XML-Anwendung, die Bekanntes schön verpackt. Das ist XML - unscheinbar und doch allgegenwärtig.

Martin Szugat beschäftigt sich mit Themen rund um XML, also mit fast allem. Darüber berichtet er auf aboutxml.de, im dot.net magazin und auf der BASTA.

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