Samstag, 31. Juli 2010 |
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In dieser und der nächsten Folge wird der Einsatz von IKEv2 und IPsec an einem Beispiel beschrieben. Um das Ganze abzukürzen, erfolgt die Beschreibung zum größten Teil umgangssprachlich und beschränkt sich auf die für den Betrieb interessanten Punkte.
Die Ausgangslage: Ein System A will zu einem anderen System B eine IPsec-Verbindung aufbauen. Ob dies ein Site-to-Site-, Site-to-End- oder Host-to-Host-VPN werden soll, ist dabei unerheblich: Der prinzipielle Ablauf ist immer gleich.
Der erste Meldungsaustausch dient der Initialisierung der IPsec-Verbindung:
Initiator Responder
(System A) (System B)
HDR, SAi1, KEi, Ni -->
Der Initiator (System A) listet seine Vorschläge für die auszuhandelnde IKE_SA in so genannte Proposal Substructures der Security Association Payload auf (zu deren Definition wie auch die aller anderen Payloads siehe RFC 4306). Eine Proposal Substructure gilt immer für genau eines der Protokolle AH, ESP oder IKE.
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Der Initiator könnte für IKE z.B. folgende Verfahren in SAi1
vorschlagen, aus denen der Responder die für ihn passenden
auswählen muss:
AES-128, AES-256, 3DES, SHA1
Außerdem schickt er seinen öffentlichen Diffie-Hellman-Wert
(siehe About Security
#101)
KEi und seinen Zufallswert Ni mit.
<-- HDR, SAr1, KEr, Nr
Der Responder wählt aus den Vorschlägen in SAi1 die für ihn
passenden Verfahren aus und teilt diese Auswahl dem Initiator in SAr1
mit:
AES256, SHA1
Außerdem schickt er seinen öffentlichen Diffie-Hellman-Wert KEr
und seinen Zufallswert Nr mit.
Damit haben sich die beiden Systeme darauf festgelegt, die folgenden IKE-Nachrichten mit AES256 zu verschlüsseln und mit SHA1 zu signieren. Auf Grundlage der ausgetauschten öffentlichen Diffie-Hellman- und der Zufallswerte können die im Folgenden benötigten Schlüssel berechnet werden.
Im zweiten Meldungsaustausch müssen sich die Kommunikationspartner authentifizieren und eine erste CHILD_SA aushandeln.
HDR, {IDi, AUTH, SAi2, TSi, TSr} -->
Der Initiator sendet in IDi seine Identität, z.B. seine IP-Adresse a.b.c.d. Die Authentication Payload AUTH enthält entweder eine RSA- oder DSS-Signatur oder einen MAC auf Grundlage eines vorher ausgetauschten Geheimwerts (Preshared Secret).
SAi2 enthält die Vorschläge des Initiators für die
auszuhandelnde CHILD_SA, z.B.
ESP mit AES-128, 3DES, SHA1
AH mit MD5, SHA1
AH mit SHA1 und ESP mit AES-128, AES-256, 3DES, SHA1
Die Traffic Selectors in TSi definieren die für ausgehende Pakete möglichen Quelladressen und die für eingehende Pakete möglichen Zieladressen. Die Traffic Selectors in TSr definieren die möglichen Zieladressen für ausgehende Pakete und die möglichen Quelladressen für eingehende Pakete. Für den Responder gilt dasselbe mit vertauschten Rollen für TSi und TSr.
Jeder Traffic Selector enthält Protokoll, IP-Adressbereich und Ports. Ein Beispiel für TSi:
| Protokoll | Start IP-Adressbereich | Ende IP-Adressbereich | Start Port-Bereich | Ende Port-Bereich |
| TCP | 192.168.1.10 | 192.168.1.254 | 0 | 65535 |
| TCP | 192.168.1.3 | 192.168.1.3 | 20 | 21 |
| TCP | 192.168.1.5 | 192.168.1.5 | 23 | 23 |
| UDP | 192.168.1.10 | 192.168.1.254 | 0 | 65535 |
Der Initiator erlaubt den Zugriff auf alle seine lokalen Rechner mit den IP-Adressen 192.168.1.10 bis 192.168.1.254 auf beliebigen TCP- und UDP-Ports, außerdem den FTP-Zugriff auf den Rechner mit der IP-Adresse 192.168.1.3 und den Telnet-Zugriff auf den Rechner mit der IP-Adresse 192.168.1.5. Zugriff haben alle in TSr definierten Rechner.
Ein Beispiel für TSr:
| Protokoll | Start IP-Adressbereich | Ende IP-Adressbereich | Start Port-Bereich | Ende Port-Bereich |
| TCP | 1192.168.1.1 | 192.168.1.254 | 0 | 65535 |
Der Initiator möchte auf alle lokalen Rechner des Responders zugreifen können und erlaubt seinerseits den Zugriff von beliebigen lokalen Rechnern des Responders.
<-- HDR, {IDr, AUTH,
SAr2, TSi, TSr}
Der Responder antwortet mit einer Nachricht, die seine Identität und
Authentifizierungsdaten enthält. Außerdem teilt er dem Initiator
mit, welche SA und Traffic Selectors er aus dessen Vorschlägen
akzeptiert. Für SAr2 fällt die Wahl auf
ESP mit AES-128, SHA1
AH mit SHA1 und ESP mit AES-256 und SHA1
Bei den Traffic Selectors ist der Responder mit einigen Vorschlägen nicht einverstanden. Er streicht aus den TSi die FTP-Verbindung und schränkt den Port-Bereich für UDP ein:
| Protokoll | Start IP-Adressbereich | Ende IP-Adressbereich | Start Port-Bereich | Ende Port-Bereich |
| TCP | 192.168.1.10 | 192.168.1.254 | 0 | 65535 |
| TCP | 192.168.1.5 | 192.168.1.5 | 23 | 23 |
| UDP | 192.168.1.10 | 192.168.1.254 | 0 | 49151 |
Aus dem Vorschlag für TSr wird ein Teil der IP-Adressen gestrichen:
| Protokoll | Start IP-Adressbereich | Ende IP-Adressbereich | Start Port-Bereich | Ende Port-Bereich |
| TCP | 1192.168.1.1 | 192.168.1.128 | 0 | 65535 |
Ist der Initiator mit dieser Auswahl einverstanden, wird eine entsprechende CHILD_SA eingerichtet.
In der nächsten Folge wird dieses Beispiel mit Anwendung der IPsec-Protokolle fortgesetzt.
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