Freitag, 3. September 2010 |
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Was im vergangenen November angekündigt wurde, hat Rich Green, Sun Executive Vice President Software bei seiner Eröffnungs-Keynote jetzt feierlich vollzogen: Das OpenJDK, zentrales Paket für Java-Entwickler, steht ab sofort unter der Open Source-Lizenz GPL 2 zur Verfügung. Damit hat Sun nach jahrelanger Debatte endlich klare Fakten geschaffen - wofür Green während seiner Eröffnung reichlichen Applaus erntete.
Wie in jedem Jahr geizte Sun Microsystems, bis zum heutigen Tage Hausherr auf der JavaOne, nicht mit Neuigkeiten. Und es war erstaunlich zu erleben, wie viele echte Überraschungen es in Zeiten von Open Source und transparenten Entwicklungsprozessen noch geben kann. Zu der Konferenz, dem jährlichen Treffpunkt der Java-Gemeinde, sind knapp 10.000 Teilnehmer ins Moscone Center in San Francisco gepilgert.
Neue Scriptsprache für Rich Internet Applications
(RIA)
Neben der Ankündigung des OpenJDK hatte aus technologischer
Sicht die Vorstellung einer neuen Scriptsprache für User Interfaces,
Java FX Script, die größte Ausstrahlung: Die Scriptsprache
soll Java-basierende GUIs zugänglich für Grafikdesigner machen.
Entwickelt von Sun-Ingenieur Chris Oliver und vormals unter dem
Namen F3 im Web kursierend, soll sie für
mobile Clients, den Desktop sowie für Web-Anwendungen einsetzbar sein.
Eine Alphaversion von Java FX Script ist bereits verfügbar.
Mit Java FX Script holt Sun einen wichtigen Schritt nach, der von Microsoft bereits mit seiner Windows Presentation Foundation (WPF) vollzogen wurde. WPF bietet eine XML-basierende Definition für User Interfaces von Vista- und Web-basierenden Programmen, welche eine konsequente Trennung von Programmlogik und Design ermöglicht. Das Projekt Apollo von Adobe bietet auf Basis der Flash-Technologie Vergleichbares. Mit Java FX Script sollen sich nun attraktive Consumer-freundliche Designs für Java-Anwendungen ohne Technologiebruch entwickeln lassen.
Für Java FX Script sollen außerdem nach und nach Entwicklungswerkzeuge, so genannte Content Creation Tools, bereit gestellt werden – kostenlos, wie Rich Green und James Gosling bei der Präsentation übereinstimmend versicherten. Der Zuwachs an Scriptsprachen auf der Java-Plattform solle nicht für Verwirrung sorgen, sondern, im Gegenteil, spezialisierte Werkzeuge für spezifische Anwendungsfälle bereitstellen, sagte Gosling. Java FX Script werde sukzessive für alle Java Editionen verfügbar sein.
Java FX - Java-Paket für Consumer-Anwendungen
Mit Java FX hat Sun außerdem eine System-Software angekündigt,
die für kleinere Endgeräte wie Mobiltelefone, Fernsehgeräte, Blu Ray
DVD-Player oder browserbasierende Endgeräte gedacht ist. Java FX soll
die vollständige Funktionalität der Java Standard Edition (Java SE) auf
diese Geräte bringen, ohne Abstriche bei der Performance und dem
Feature-Umfang zu machen. Im Verhältnis zur klassischen Java ME, die
durch FX ausdrücklich nicht obsolet werden soll,
soll Java FX für ein reichhaltiges Nutzer-Erlebnis mit ausgefeilter
Funktionalität und attraktivem Design sorgen. Java FX wird zu einem
späteren Zeitpunkt unter der GPL 2 open source veröffentlicht werden,
so Green. Teile der Software-Technologie für Mobiltelefone hat Sun von
SavaJe übernommen (wir berichteten).
Wer steuert Open Source Java?
Vor sechs Monaten, als Sun seine Open Source-Initiative
während der W-JAX in München ankündigte, erntete das Unternehmen viel
Applaus für seinen mutigen Schritt. Auch die Entscheidung für die
konsequente GPL 2 rang vielen Kritikern große Anerkennung ab, waren sie
doch davon ausgegangen, dass Sun eine eigene Lizenz mit zahlreichen
Haken und Ösen für Java kreieren würde. Die Frage, die dennoch offen
geblieben war, lautet: wer steuert den Entwicklungsprozess eines
GPL2-basierenden Java? Auf diese Frage gab Rich Green jetzt zumindest
teilweise eine Antwort: ein so genanntes Interim Governing Board wurde
jetzt beauftragt, eine "Verfassung" für den Open Source-Prozess von
Java auszuarbeiten. Mit dem Ergebnis wird nicht vor dem nächsten Jahr
gerechnet, sagte Onno Kluyt, Senior Director des Java Community Process
auf Nachfrage gegenüber dem Java Magazin.
Dem Governing Board gehören Simon Phipps (Chief Open Source Officer, Sun Microsystems), Mark Reinhold (Chief Engineer der Java SE, Sun Microsystems), Doug Lea (State University of New York), Fabiane Nardon (CTO Vidatis), und Dalibor Topic (Kaffe.org) an. Damit stehen den beiden Sun-Leuten ein Vertreter aus der akademischen Szene (Lea), eines Open Source-Projekts (Topic) sowie eines brasilianischen Dienstleisters (Nardon) zur Seite. Vertreter von anderen Kontinenten, beispielsweise Europa, findet man in der Gruppe ebenso wenig wie Vertreter der wichtigsten Java-Contributoren, wie z.B. IBM, Oracle, SAP, JBoss usw. Auf Nachfrage des Java Magazins zeigten sich Sun-CEO Jonathan Schwartz und Rich Green überzeugt, dass dies eine gute Lösung für die Entwicklung einer Java-Verfassung sei.
Java FX Mobile: buntes Java-System à la iPhone
Zur Überraschung Vieler präsentierte Sun ein neues
Mobilltelefon, welches auf einem Java-Betriebssystem basiert und auffällige
Ähnlichkeit mit Apples iPhone aufweist. Java FX Mobile lässt sich mit
dem Touch-Screen bedienen und bietet ein buntes, attraktives Design.
Das Java-Betriebssystem ist nicht für den Open Source-Markt gedacht,
sondern wird von Sun an Mobilfunkprovider sowie Gerätehersteller als
OEM-Produkt verkauft werden.
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