Samstag, 11. Februar 2012 |
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Mit dem vom World Wide Web Consortium (W3C) anerkannten und von der Web Hypertext Application Technology Working Group (WHATWG) entwickelten neuen HTML-5-Standard bekommt endlich auch die Spezifikation Web Forms 2.0 die Aufmerksamkeit, die sie eigentlich schon lange verdient hätte. Die einfache und sichere Handhabung von Webformularen spielt nicht nur beim Onlineshopping eine Schlüsselrolle, sondern bildet das Fundament für eine solide Verarbeitung von Benutzereingaben im Internet. An den Vorteilen von Web Forms 2.0 werden also nicht nur IT-Spezialisten ihre Freude haben – alle Internetbenutzer können in Zukunft davon profitieren.
Die heutige Web-Forms-2.0-Spezifikation nahm 2003 ihren Anfang und wurde ursprünglich von Ian Hickson als XForms Basic vorgeschlagen. Nach der Übernahme durch die WHATWG und der Umbenennung in Web Forms 2.0 im Jahr 2004, hatte das W3C 2006 endlich ein Ansehen und die Spezifikation als Standard anerkannt. Im Gegensatz zu den XForms des W3C handelt es sich bei den Web Forms 2.0 um eine weitgehend abwärtskompatible Erweiterung der bereits existierenden HTML-Formulare. Die Vereinfachung der Dateneingabe und der Datenauswertung wird mittels neuer Input-Elemente und -Attribute, regulärer Ausdrücke und dynamischer Ergänzung erreicht, und das ohne Hilfe von JavaScript.
Der Mangel an spezifischen Input-Typen in HTML 4.01 ist so alt wie der Standard selbst. Aktuell kennt HTML nur die Typen "text", "password", "checkbox", "radio", "submit", "reset", "file", "hidden", "image" und "button". Neu hinzugekommen sind nun vier spezielle Button-Variationen namens "add", "remove", "move-up" und "move-down". Ebenso nützlich erscheinen die sechs neuen kalendarischen Typen "datetime", "datetime-local", "date", "month", "week" und "time". Auch die zwei neuen numerischen Typen "number" und "range" gesellen sich dazu. Last but not least noch zwei neue Protokolltypen: "email" und "url". Ein echter Sprung nach vorn gelingt der Spezifikation aber erst durch die neuen Input-Attribute: "required", "pattern", "autocomplete", "autofocus", "step", "min" und "max".
Bei der herkömmlichen Validierung der Dateneingaben war man sowohl client- als auch serverseitig auf die Hilfe von Skriptsprachen angewiesen, da das ungeliebte Input-Element des Typs "text" zwangsweise für fast jede Art von Daten herhalten musste. Web Forms 2.0 implementiert die browserinterne Fähigkeit zur Validierung der Daten.
Die neuen Input-Attribute im Einzelnen:
Als einziger Browserhersteller hat Opera schon seit der Version 9.x eine grundlegende Unterstützung implementiert. Mozilla und Webkit richten ihr Augenmerk stärker auf andere Aspekte des HTML-5-Standards. So kann Safari in seiner jüngsten Inkarnation schon mit den <video>- und <audio>-Objekten umgehen und hat (ebenso wie Gecko) eine clientseitige Datenbank (persistent storage) integriert, aber von den 14 neuen Input-Typen wird bislang nur "range" unterstützt. Bei Mozilla hat man bisher augenscheinlich Web Forms 2.0 zugunsten von XForms links liegen gelassen. Ob der (noch in diesem Jahr erscheinende) Firefox 3 zumindest einen partiellen Support für die neuen Webformulare anbieten wird, steht noch in den Sternen.
In den öffentlich zugänglichen Entwicklerunterlagen zum Internet Explorer 8 Beta 1 wird kein Sterbenswörtchen zum Thema "Web Forms 2.0" verloren. Das könnte man als Beweis für Microsofts renitente Aversion gegen alte und neue Webstandards (die nicht aus dem eigenen Hause stammen) interpretieren. Somit bleibt für IE-User nur die Hoffnung, dass ein zukünftiger Internet Explorer 9 sich des Problems annimmt. Angesichts der Tatsache, dass heutzutage kaum noch jemand ohne JavaScript-Unterstützung im Netz unterwegs ist und mit Googles WebForms2 eine fast vollständige Cross-Browser-Implementierung in Software vorliegt, kann man also getrost damit anfangen, von den neuen Möglichkeiten in Formularen gebrauch zu machen.
Christian Effenberger ist diplomierter Industrie/Produkt-Designer und seit 1993 als selbständiger Web-Designer und Programmierer tätig. Als Amiga-Fan der ersten Stunde gehört er zur Fraktion der Open Source-Vertreter und ist ein strikter Befürworter patentfreier Standards.