Freitag, 25. Mai 2012 |
| |
Das Release der Referenz-Implementierung des Java Development Kit unter GNU General Public License mit dem OpenJDK Projekt eröffnet neue Möglichkeiten für Java auf GNU/Linux-Systemen. In seiner JAX-Keynote am 24. April wird Sun's Java F/OSS Ambassador Dalibor Topic das OpenJDK-Projekt vorstellen, seine Wurzeln, den aktuellen Status des Projekts sowie die laufende Zusammenarbeit mit GNU/Linux-Distributoren. Wir haben die Gelegenheit für ein Interview genutzt.
Dalibor, du bist erst seit kurzem bei Sun, aber schon lange im Open Source-Java-Umfeld tätig. Welches sind deine Aufgaben bei Sun?
Ich trete bei Sun in die Fußstapfen von Tom Marble, der als OpenJDK Ambassador bis Anfang 2008 bei Sun Microsystems den Aufbau der OpenJDK Community in Angriff genommen hat. Eine meiner Aufgaben ist es natürlich Toms Arbeit fortzuführen, aber wie mein Titel als 'Java F/OSS Ambassador' schon sagt, wird diese Arbeit auf einer breiteren Basis stehen. In der Praxis heißt das (unter anderem), dass ich daran arbeiten werde, neben OpenJDK auch weitere Komponenten des Open Source Java Stacks von der immer besseren Zusammenarbeit mit GNU/Linux Distributionen profitieren zu lassen. Als Sun im Herbst 2006 angekündigt hat, dass das nächste Java unter der GPL erscheinen würde, wie waren da deine Gefühle?
Ich bin sehr glücklich darüber, dass Sun Microsystems sich 2006 zu Open Source Java bekannt hat. Die Lizenzwahl war dabei das Sahnehäubchen, weil sie das erfolgreiche unter Linux akzeptierte Lizenzmodell mit der GNU GPL und der 'Classpath exception' übernahm. Das machte es möglich, die 'Java Libre' Community davon zu überzeugen, dass der von Richard Stallman angeprangerte 'Java Trap' endgültig Geschichte war, und Sun fortan tatsächlich auf Kollaboration um eine freie Implementierung herum setzte.
Darauf ist dann auch die hohe Bereitschaft von alternativen VM Projekten wie Cacao, IKVM, Jamaica und JNode aus dem GNU-Classpath-Umfeld zurückzuführen, mit OpenJDK zusammen zu arbeiten.
Seit der JavaOne 2007 bist du im Interim Governance Board des OpenJDK, der Open Source-Implementierung von Java. Womit beschäftigt Ihr Euch?
Das Ziel des Interim Governance Boards ist es für OpenJDK eine Verfassung und ihre Ratifikationsprozedur auszuarbeiten. Die Verfassung wird einen Mechanismus für Verfassungsänderungen beinhalten, damit die Verfassung mit den Bedürfnissen der Community wachsen kann, und natürlich auch ein Wahlverfahren für das nächste, 'richtige' Governance Board, sowie weitere Punkte, die in der OpenJDK Charta vorgeschrieben sind.
Wie offen ist das OpenJDK-Projekt in der Realität? Wer can Committer werden, wer Contributor?
OpenJDK ist konzipiert als ein Projekt, welches von individuellen Entwicklern getragen wird, es ist also keine exklusive Community von Unternehmen. Damit steht OpenJDK jedem als Contributor offen, der das Sun Contributor Agreement (SCA) unterzeichnet an Sun sendet. Die Struktur der Community ist von Teilprojekt zu Teilprojekt unterschiedlich, reicht aber von professionellen Entwicklern bei Unternehmen wie Red Hat, über die akademische Community, bis zu engagierten Java und Open Source Enthusiasten, was auch die Auswahl der Finalisten für das OpenJDK Community Innovator's Challenge zeigt.
Das SCA ist die rechtliche Grundvoraussetzung um Patches in das OpenJDK Projekt einbauen zu können, ähnlich wie entsprechende rechtliche Rahmen für Mitarbeit an anderen großen Open Source Projekten. Daneben ist natürlich auch Spaß an der Sache eine wichtige Voraussetzung, und das technische Know-How in den Bereichen, in denen man mitarbeiten möchte.
Die Infrastruktur für Committer außerhalb von Sun befindet sich noch in der Testphase, danach wird es auch mit externen Committern losgehen.
Was können wir von Deiner Keynote auf der JAX erwarten?
Ich werde auf das OpenJDK Projekt eingehen, warum es da ist, welche Probleme es löst, und welche neue Möglichkeiten es schafft, Java unter Linux weiter zu etablieren.
Vielen Dank für das Gespräch!