Donnerstag, 24. Mai 2012 |
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Vom 13. Bis 16. Mai hat in San Jose, USA, nach etlichen Jahren wieder eine Konferenz für Delphi-Entwickler unter direkter Beteiligung des Herstellers der legendären Software-Entwicklungsumgebung statt gefunden. Anders als bei den bekannten BorCon-Veranstaltungen (die letzte fand 2004 statt) hat CodeGear die Konferenz nicht selber ausgerichtet, sondern S&S Media (der US-amerikanische Ableger des Software & Support Verlags) hat dieses Mal die Konferenz konzipiert und durchgeführt. CodeGear hat das ganze dann noch mit einigen Speakern zu den genannten Themen ergänzt. Dieses neue Konzept der Aufgabenteilung macht sicherlich gerade in Zeiten der wirtschaftlichen "Unruhen" Sinn.
Die Konferenz begann am Mittwoch mit einem Pre-Conference-Tag, bei dem sich bereits überraschend viele Teilnehmer eingefunden hatten, um an mehreren ganztägigen Workshops teilzunehmen. Besonders viel Zuspruch fand dabei die "Multi-Threading Master Class" der beiden Delphi-Ikonen Cary Jensen und Marco Cantu. Aber auch das Thema .NET war sehr gefragt, wie sich an der ebenfalls hohen Teilnehmerzahl des Delphi-Prism-Workshops von Holger Flick und Olaf Monien zeigte.
Am folgenden Tag wurde dann die Konferenz mit der Begrüßung der Teilnehmer durch David I. eröffnet. David hob die Bedeutung der Entwicklergemeinschaft und damit auch die Relevanz dieser Konferenz für Embarcadero bzw. CodeGear hervor. Er entschuldigte Wayne Williams, den Vorstandsvorsitzenden von Embarcadero, der wegen unvorhersehbarer Ereignisse leider kurzfristig verhindert war. Stattdessen spielte David ein Interview mit Wayne ein, das er tags zuvor noch hatte aufnehmen können. Bemerkenswert in diesem Video die Aussage von Wayne, dass er selbst ein Turbo-Pascal- und Delphi-Entwickler gewesen, und auch ein großer Fan von David sei. Wayne brachte außerdem zum Ausdruck, dass Embarcadero stark in Delphi investiere.
Michael Swindell, im Embarcadero-Vorstand zuständig für Produktentwicklung, fuhr dann mit der Opening Keynote fort. Michael warb für Embarcaderos Positionierung als Hersteller von Entwicklungswerkzeugen für Anwendungen und Datenbanken. Durch die explizite Betonung der Multi-Plattformfähigkeit der gesamten Produktpalette, deutete sich bereits hier eine überraschende Produktankündigung an. Zunächst wurde jedoch das neue Lizenzmodell All Access vorgestellt.
Bei All Access handelt es sich aus einer Kombination aus Lizenz und spezieller Software. All Access fasst sämtliche Produkte von Embarcadero in einem sog. "Tool Chest" (Werkzeugkasten) zusammen. D.h. mit dem Erwerb einer All-Access-Lizenz können alle Embarcadero-Produkte ohne Einschränkung verwendet werden. Wenn innerhalb der Wartungsperiode (1 Jahr) neue Produkte bei Embarcadero hinzukommen, können auch diese genutzt werden. Der Begriff "Werkzeugkasten" darf dabei sogar fast wörtlich aufgefasst werden: Während der Keynote steckte Michael einen USB-Stick, der alle Produkte enthielt, in den Präsentationsrechner und konnte ohne weitere Installation jedes beliebige Produkt starten. Dieses Ausführen von Programmen ohne vorherige Installation nennt Embarcadero Instant On; die Technik befindet sich für Delphi derzeit in der Testphase. Im regulären Einsatz kann man einen All-Access-Server im Firmennetzwerk installieren und jeder Benutzer kann dann über einen einfachen Client das jeweils gewünschte Programm starten. Der Server aktualisiert dabei im Hintergrund die Programmversionen direkt von den Embarcadero Servern. Neue Produkte werden somit ohne weiteres Zutun sofort verfügbar.
Spannend wurde es dann, als Michael von einem seiner Zahnarztbesuche sprach und sich über die unpraktische Bedienung des ansonsten modernen Patienten-Informationssystems wunderte. Es sei doch viel praktischer, wenn der Zahnarzt direkt mit dem Finger vor dem Patienten, ohne sich immer wieder zur Maus/Tastatur umdrehen zu müssen, den Bildschirm mit den Röntgenbildern und Gebiss-Informationen bedienen könnte.
Darauf hin stellte Michael die Integration von Touch in der nächsten Delphi-Version – Codename Weaver – vor. Mit Windows 7 führt Microsoft die Unterstützung von Touchscreens ein, d.h. Windows-Programme können in Zukunft ähnlich wie auf dem iPhone bedient werden: Scrollen mit einem Finger, Zoomen mit zwei Fingern usw. Damit eine Anwendung eigene Funktionalitäten per Touch-Interface anbieten kann, ist natürlich die Verwendung entsprechender Microsoft-.NET-APIs erforderlich. Mit Delphi Weaver werden jedoch genau diese APIs auch für native Windows-Anwendungen zugänglich. Die meisten VCL-Komponenten erhalten dazu eine Gesture Property, die verschiedene Standardgesten bereits beherrscht. Zusätzlich wurde auch ein komplexer Gesten-Editor demonstriert. All dies wurde eindrucksvoll auf einem großen Touchscreen unter Windows 7 und einer Beta-Version von Delphi Weaver gezeigt.
In der folgenden Produkt-Präsentation wurde dann von Nick Hodges (R&D Manager) und Mike Rozlog (Delphi-Produktmanager) zur Überraschung der Teilnehmer eine völlig überarbeitete Delphi Roadmap vorgestellt. Kern der neuen Roadmap ist es, dass nicht mehr eine lineare Abfolge von Produkt-Releases mit jeweils neuen Features angestrebt wird, sondern dass man nun mehrere parallel laufende Projekte verfolgt, deren Features, sobald diese "reif" sind, in jeweils anstehende Produkt Releases eingeflochten werden.
Der eigentlich Knaller war dann jedoch die Ankündigung eines zunächst "Project X" und dann auf einer weiteren Folie "Delphi X" genannten Projektes: Delphi X hat das Ziel Anwendungen entwickeln zu können, die sowohl unter Windows, Mac OS X sowie Linux lauffähig sind. Ziel soll es dabei u.a. sein, dass auf allen drei Plattformen die dbExpress- und DataSnap-Konnektivität genutzt werden kann. Es sollen sowohl Server als auch Clients entwickelt werden können.
Wie genau Delphi X realisiert werden soll, war noch nicht zu erfahren. Es wurde als Beweis, dass an diesem Projekt bereits gearbeitet wird, ein "Hello World"-Kommandozeilen-Programm auf einem MacBook gezeigt, dass ganz offensichtlich von einem Delphi Compiler erzeugt wurde. Außerdem soll im Rahmen von Delphi X ein neues Databinding-Modell entwickelt werden, das es erlaubt praktisch beliebige Properties an Datenfelder zu binden.
Nach dieser eindrucksvollen Präsentation starteten die ersten regulären Sessions. Am Abend wurde es nochmals spannend, da sich bei der "Meet the Team"-Veranstaltung nahezu die gesamte CodeGear-Entwicklungsmannschaft eingefunden hatte und bei Bier und Snacks den Interessierten Teilnehmern ihre Arbeitsgebiete vorstellten und an vielen individuellen Diskussionen teilnahmen.
Der folgende Tag war vollgepackt mit vielen interessanten Sessions zu den unterschiedlichen technischen Themen rund um die native und .NET-orientierte Entwicklung mit Delphi. Das Interesse der Teilnehmer war auch hier wieder außerordentlich hoch; selbst die letzten Sessions, die um 22:00 Uhr endeten, waren nahezu vollbesetzt.
Delphi Live! 2009 endete dann am Samstag bei Temperaturen um 35° Celsius außen und gefühlten 15° Celsius innen mit 2 Tagesworkshops zum Thema Webentwicklung: MVC mit Hadi Hariri und VCL for the Web mit Olaf Monien. Beide Workshops waren gleich voll belegt – zu einem Shootout der beiden Vortragenden kam es jedoch nicht ...
Delphi Live! 2010 - wir kommen!