Mittwoch, 8. Februar 2012


Interview

Donnerstag, 30. Juli 2009 | Interview

Interview: "Wir wussten nicht, ob es mit JRuby weitergeht"

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/jaxenter//050232)
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Charles Nutter

Seit gestern ist es offiziell: Charles Nutter und das JRuby-Team verlassen Sun und nehmen ab nächster Woche ihre Arbeit beim Rails-Unternehmen Engine Yard auf. Grund genug, beim JRuby-Experten Charles Nutter nachzufragen, wie es zu diesem Wechsel kam und was das für die Zukunft von JRuby bedeutet.

JAXenter: Was war der ausschlaggebende Punkt für euch, Sun zu verlassen?

Charles Nutter: Das JRuby-Projekt ist sehr schnelllebig, aber durch die Oracle-Übernahme konnten wir keine Zukunftspläne mehr machen. Wir wusste nicht, ob es mit JRuby weitergeht und wegen der Behörden waren uns auch die Hände gebunden, die JRuby-Zukunft zu planen. Auf der anderen Seite war Engine Yard sehr daran interessiert, uns an Board zu holen und richtiges Cloud, Hosting und Support für die JRuby-User verfügbar zu machen. Das ist eine spannende Gelegenheit für uns, und ich bin mir sicher, dass wir auch eine großartige Zukunft für JRuby-User erreichen werden.

JAXenter: Ab nächster Woche arbeitest du am selben Projekt aber unter einem neuen Dach. Wird das die JRuby-Roadmap in irgendeiner Weise beeinträchtigen, zum Beispiel wenn man an Suns Engineering-Ressourcen denkt?

Nutter: Die meisten Entwicklungsressourcen bei Sun waren für andere Projekte reserviert. Wir hatten zwar Bug-Reports der NetBeans- und GlassFish-Entwickler, aber die ganze Entwicklungsarbeit für JRuby wurde von Tom Enebo und mir gemacht. Durch den Wechsel zu Engine Yard werden wir keine Ressourcen verlieren, sondern ganz im Gegenteil eine neue Full-Time-Ressource dazu gewinnen. Und zwar mit Nick Sieger, der ja bislang die meiste Zeit als Lead an Project Kenai gearbeitet hat. Durch den Wechsel gewinnen wir also sozusagen 50 Prozent mehr JRuby-Vollzeitpersonal. Außerdem gehe ich stark davon aus, dass wir weiterhin mit den Sun-Entwicklern zusammenarbeiten werden. So können wir sicherstellen, dass die auf JRuby basierenden Produkte weiterhin einwandfrei laufen und die Arbeit an der JVM vorangeht. Nicht zuletzt sind wir immer noch mit vielen Leuten bei Sun gut befreundet und wollen gern weiter mit ihnen zusammenarbeiten.

JAXenter: Bald kommt JRuby 1.4 raus - was darf die Community von der neuen Version erwarten?

Nutter: In JRuby 1.4 wollen wir folgende Kernpunkte erreichen:

  • Eine bessere Integration mit Java, damit Bibliotheken wie Hibernate, JUnit 4, JAX-RS usw. funktionieren. Vor allem die Unfähigkeit, eine "richtige" Java-Klasse aus einer Ruby-Klasse zu kreieren war immer ein Schwachpunkt unserer Java-Integrations-Story. Mit JRuby 1.4 werden wir diesen Schwachpunkt angehen.
  • Eine bessere Performance in der Java-Integration und weniger im Ruby-Code selbst.
  • Neue Versionen von JRuby-verwandten Gems, wie ActiveRecord-JDBC, OpenSSL und mehr. Außerdem ein Google Summer-of-Code-Projekt um die Nokogiri XML Library zu unterstützen.

Darüber hinaus hoffen wir auf das Feedback der User, was bei ihnen wirklich auf der Wunschliste steht. Wir würden auch gerne erfahren, für welche Art von Hosting- und Support-Möglichkeiten sich die Leute interessieren. Ich lege daher jedem ans Herz, www.jruby.org zu besuchen, sich in die Mailingliste einzutragen und uns Feedback zu geben.

JAXenter: Vielen Dank für das Gespräch!

Charles Nutter ist Co-Lead beim JRuby-Projekt und einer der drei Kern-Entwickler. Seit 2006 arbeitete er für Sun Microsystems, zuvor war er führender JavaEE-Architekt.

(cf)

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