Donnerstag, 24. Mai 2012 |
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CREATE OR DIE: Hallo Yvonne, wer und was steckt hinter adams & evas? Stell doch bitte euch und die Agentur kurz vor?
Yvonne Adams: adams & evas versteht sich als Designbüro und besteht aus den Inhabern Yvonne Adams und Jens Mennicke, dem freien Projektmanager Robin Steinweg und dem freien Texter Daniel Schreiber. Darüber hinaus verfügen wir über ein Netzwerk, bestehend aus vielen weiteren freien Mitarbeitern.
CREATE OR DIE: Woher kommt der Name?
Yvonne Adams: In erster Linie entstand der Name durch den Nachnamen der Gründerin Yvonne Adams, also meinen Namen. adams & evas soll aber auch für Design stehen, das verführt und Neugierde weckt. Adam und Eva aßen den Apfel aus Neugierde und konnten sich dadurch weiterentwickeln. Daher benutzen wir auch den Slogan "stay hungry".
CREATE OR DIE: Welche Leistungen finden sich in eurem Portfolio? Was sind eure Steckenpferde?
Yvonne Adams: Wir bieten konzeptionell durchdachtes Design in den Bereichen Corporate-Design, Grafikdesign und Editorial-Design.
CREATE OR DIE: Was bedeutet gutes Design für euch?
Yvonne Adams: Gutes Design basiert auf einem guten Konzept. Ein Konzept, das genau auf das Produkt zugeschnitten und nicht austauschbar ist. Anschließend überlegen wir uns, wie wir unsere Idee plakativ und aufmerksamkeitsstark umsetzten können. Doch so wie die Idee, sind auch Papierwahl, Druckveredlung und ein guter Drucker wichtig, damit man am Ende ein hochwertiges Produkt in den Händen halten kann.
CREATE OR DIE: Für welche Kunden arbeitet ihr, in welchen Branchen bewegt ihr euch?
Yvonne Adams: Wir möchten uns nicht auf eine bestimmte Branche festlegen. Für uns zählt die Herausforderung – egal ob in der Beauty-, Torf-, Pharmabranche oder in einer Hilfsorganisation. Wenn wir uns einmal für eine Sache begeistert haben, sprühen die Ideen von alleine.
CREATE OR DIE: Es gibt zu dem einen oder anderen Projekt sicherlich eine Anekdote oder Merkwürdigkeit zu berichten.
Yvonne Adams: Die letzte Aussendung für die Fotografenrepräsentanz banrap stand ganz unter dem Motto "Superwahljahr 2009". Wir haben eine Partei mit dem Namen poem (Paty of elected Masters) gegründet und sind mit den Inhabern von banrap auf "Wahlkampftour" gegangen. Das Logo der Partei ist eine Lyra und die Texte sind in Reimen geschrieben. Zusammen mit einem Fotografen und einem Lyraspieler (der im Hintergrund auf allen Fotos als so genannter "Running Gag" zu sehen war) sind wir durch ganz Köln getourt und haben mit Plakaten und einem Megafon auf uns aufmerksam gemacht. Eine Station war natürlich auch die Domplatte. Was wir nicht wussten: An diesem Tag wurde ein neuer Eingang zum Südturm des Kölner Doms eingeweiht. Wir nutzten die Gelegenheit und machten ein paar schöne Fotos in der Menschenmasse. Alle haben etwas irritiert geguckt, aber niemand stellte großartig Fragen, wer wir sind und was wir machen. Plötzlich stand Kardinal Meisner, der Erzbischof von Köln, vor uns und schüttelte unserem "Spitzenkandidat" die Hand. Paf, super Foto! Wir konnten es kaum fassen. Somit bekam unsere Wahlkampftour auch noch kirchlichen Segen.
CREATE OR DIE: Ihr habt neben anderen Ausgaben auch die CARE-Ausgabe "Lernen" gestaltet, die sich mit dem Thema "Lernen in Ruanda und im Kosovo" beschäftigt? Wie geht man mit einem so wichtigen Thema um, wie traut man sich an so ein Projekt heran?
Yvonne Adams: Wir wollten auf keinen Fall einfach nur mit abschreckenden Bildern (z. B. hungernden oder leidenden Menschen) arbeiten, sondern die Themen mit frischen und kreativen Ideen neu und anders darstellen. Um im medialen Dschungel der heutigen Zeit zu überstehen, benötigen auch karitative Organisationen einen prägnanten Auftritt. Wir arbeiten gerne mit außergewöhnlichen Collagen, transparenten Überlegern und farbigen Papieren. Dadurch werden die Ausgaben nicht nur optisch, sondern auch haptisch zu einem Erlebnis. In der kommenden Ausgabe dreht sich alles ums Thema "Hunger". Da war es besonders wichtig, nicht allein abgemagerte kleine Kindern darzustellen – wie es schon so viele machen. Wir haben das Thema von einer ganz anderen Seite betrachtet und eine Bilderstrecke unter dem Motto "Bärenhunger" gemacht. Der Protagonist ist ein aus Pappe gebastelter Bär, der durch verschiedene Kulissen läuft und das Thema "Hunger" von verschiedenen Seiten her betrachtet.
CREATE OR DIE: Auf der anderen Seite bietet ihr auch "normales" Corporate-Design an. Ist einem diese Arbeit noch wichtig, wenn man sich mit Projekten wie CARE befasst?
Yvonne Adams: Natürlich. Sicherlich haben viele Jobs nicht den Tiefgang wie die Arbeit für CARE, aber gerade die Abwechslung macht doch den Reiz. Wir sind stolz darauf, dass wir so unterschiedliche Kunden haben, dadurch wird es auch nie langweilig.
CREATE OR DIE: Wie sieht es bei euch in der Agentur aus?
Yvonne Adams: Im Moment etwas chaotisch, denn im August ziehen wir um, nach Köln-Bickendorf, in eine alte Färberei. Dort haben wir dann 160 qm. Viel Platz zum Arbeiten und Gedanken-schweifen-lassen. In die Räume haben wir uns gleich verliebt: weiß lackierter Betonboden, drei Meter hohe Decken, sehr helle Räume, kaum Wände und ein kleiner Garten vor der Tür. In der ehemaligen Fabrik sind noch weitere Kreative, einige Fotografen, eine Innenarchitektin und eine Kunstdruckerei. Wir freuen uns schon riesig. Seit neuestem haben wir auch ein kleines "Hauptstadtbüro". Unser Projektmanager Robin Steinweg ist regelmäßig dort und betreut unsere Kunden vor Ort.
CREATE OR DIE: Und eine eigene Fotoausstellung habt ihr auch – 66 Grad Nord.
Yvonne Adams: Ja, wir waren 2007 vier Wochen auf Island. Gigantische Landschaft. Dort sollte jeder mal hinfahren. Zu den Passagen 2008 hatten wir dann in unserem Büro in der Lichtstraße eine einwöchige Ausstellung. Eigentlich wollten wir nur einmal testen, wie unsere Fotografie ankommt. Doch der Andrang war riesig, am Ende der Ausstellung waren alle Bilder verkauft. Wir haben viele weitere Anfragen bekommen und so zeigen wir die Ausstellung nun auch auf unserer Internetseite.
CREATE OR DIE: Folgt ihr dem Social-Media-Trend? Nutzt ihr Social Media in euren Projekten, twittert ihr vielleicht selbst?
Yvonne Adams: Irgendwie probiert man alles mal aus, wir wollen ja auch wissen, wovon da die Rede ist. Manche Foren sind ganz nett, um Kontakte aufrecht zu halten, vor allem mit Leuten, die im Ausland wohnen oder sonst wo in Deutschland verstreut sind. Teilweise ist es auch ganz interessant, Diskussionen über aktuelle Themen zu verfolgen. Aber letztendlich ist uns der persönliche Kontakt immer noch am liebsten und auch am wichtigsten.
CREATE OR DIE: Verratet ihr uns eure liebsten Surftipps und Inspirationsquellen?
Yvonne Adams: Inspirationen holen wir uns von überall. Aus dem täglichen Leben, Museen, Architektur, Fotografie, Produktdesign. Ich glaube, dass es wichtig ist, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und sich vor nichts zu verschließen. Wie schon gesagt, Neugierde ist für uns sehr wichtig. Alles entdecken und anschließend im Internet noch mal durch Recherche vertiefen.
CREATE OR DIE: Famous last Words?
Yvonne Adams: "No second Option." (Karl Lagerfeld)
Das Interview führte Felix Schrader