Donnerstag, 24. Mai 2012


Kolumne

Freitag, 10. Juni 2011 | Kolumne

Digital Publishing – Wo bleibt die ultimative, deutsche Magazin App?

(Link zum Artikel: http://www.entwickler.de/cod//059451)
  • Teilen
  • kommentieren
  • empfehlen
  • Bookmark and Share

Der Tablet-Markt ist ein Markt der Zukunft, wenn man den Aussagen von Marktforschungsinstituten, wie beispielsweise DisplaySearch Glauben schenkt. Über ein Jahr ist nun vergangen, seit Apple den Launch des iPads angekündigt hat. Wie V.i.S.d.P. bei den Lead Awards, der Auszeichnung für Zeitschriftenmacher feststellte, existiert keine Kategorie für Tablet-Magazine. Aber gibt es denn hierzulande überhaupt Magazine, die in angemessener Weise für Tablets optimiert sind? Fehlanzeige. Die Anbieter machen sich zwar ihre Gedanken über die hochgeprisene digitale Zukunft auf Geräten wie dem iPad, die entsprechenden Lösungen lassen sich allerdings auf drei Schemata eingrenzen: Das Magazin als App, webseitengestützter Kompromiss aus Usability und Design oder bildschirmoptimierte Version, die häufig als PDF angeboten wird – möglicherweise angereichert mit Video- und Audiocontent.

Den erste Ansatz sucht man in Deutschland weitläufig vergebens. Gründe hierfür sind wohl hauptsächlich die 30 Prozent, die deutsche Verlage an Apple abtreten müssten, der fehlende Zugriff auf Abonnentendaten und möglicherweise die Angst vor hohen Entwicklungskosten. Die bis dato erfolgreichste deutsche Magazin-Adaption stammt aktuell vom Spiegel, der sein Magazin als App auf dem iPad anbietet. Allerdings gibt es auch dort aktuell nicht nur performance- sondern auch usabilitytechnisch einiges zu bemängeln. Zudem geben die Amerikaner einen hohen Standard vor: Die New Yorker App oder die von Wired und Vanity Fair vermitteln im Gegensatz zur deutschen Konkurrenz ein frischeres, multimediales Leseempfinden.

Wird mit Apples Newsstand alles anders?

Hoffnung, dass sich dies in Bälde ändern könnte, kommt ein weiteres Mal von Apple: Newsstand, ein neues Feature in der nächsten Version von iOS 5. Das ab Herbst verfügbare Feature erlaubt es dem Nutzer eines iPhones oder iPads, Zeitungen und Zeitschriften zu abonnieren. Visuell ähnlich wie iBooks im Holzregal-Imitat werden neue Ausgaben eines Abonements automatisch heruntergeladen. "Das ist so ähnlich, wie wenn Ihnen die Zeitung an ihre Tür geliefert wird", erklärte Apple.

Bisher wurden Zeitungen und Zeitschriften innerhalb des Apple App Stores angeboten – zu den selben Bedingungen wie für andere Apps. Newsstand könnte das Potential haben, den Zeitschriftenverlagen eine mobile Heimat zu bieten, die die Besonderheiten medialer Inhalte eines Magazins berücksichtigt – doch die deutschen Medienhäuser reagierten verhalten auf Apples Ankündigung. Bereits im März wandte sich der BDZV an Apple, um die offenen Fragen zu den gegebenen Modalitäten zu klären. "Wir haben bisher keine direkte Reaktion auf unser Schreiben erhalten“, brüskiert sich BDZV-Sprecher Hans Joachim Fuhrmann. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die deutschen Verlage orientieren und wie sich Tablet-Magazine weiter entwickeln.

Derartigen Problemen darf man allerdings auch gerne den Stempel "typisch deutsch" aufdrücken. Britische Verlage versuchen im Gegensatz zu deutschen nicht an den Gegebenheiten, die Apple immer wieder diktiert, zu rütteln, sondern machen aus der Not eine Tugend und beschreiten alternative Wege. Der Verlag hinter der britischen Tageszeitung Financial Times kann diesbezüglich getrost als Vorreiter bezeichnet werden: Die von Mindworks entwickelte WebApp ermöglicht es Nutzern, die aktuelle Ausgaben direkt im Browser des iPads oder anderer Tablet-Computer aufzurufen – mit dem Look and Feel nativer iOS Apps und HTML5 – ganz ohne eine App installieren zu müssen. Außerdem können aktuelle E-Paper-Ausgaben über die Web App als PDF herunterladen werden.

Abschließend scheint es fast schon paradox, wie die anfängliche Euphorie der Verleger umgeschlagen ist. Während die Potenziale der Tablets weitestgehend brachzuliegen scheinen, verliert man sich in Kleinigkeiten und Grundsatzdebatten, und die wahre Magazin App bzw. Site hat man in deutschen Gefilden immer noch nicht zustandegebracht. Bleibt abzusehen, wie lange der deutsche User noch auf Lösungen warten muss, mit denen er sich arrangieren kann.

(mj)

Kommentare

Gravatar nomi 10.06.2011
um 19:54 Uhr
gibt einen ansatz, "the iconist HD" :) #zitieren
Gravatar richard 29.06.2011
um 18:43 Uhr
und der Hinweis auf den elektrospieler, gleiche Technologie wie WIRED: http://bit.ly/asfsdfsdf #zitieren
Gravatar manni 20.07.2011
um 12:44 Uhr
Der BDZV-Sprecher "brüskiert sich"? Soso ... #zitieren
Gravatar Kristin Gogolok 26.07.2011
um 10:51 Uhr
Wir haben vor kurzem eine sehr erfolgreiches, multimediales Magazin in den App Store gebracht: Die Bike Magazin App

http://itunes.apple.com/de/app/bike-magazin/id447024106?mt=8

Sie ist sehr sehenswert und unter den Top10 der umsatzstärksten Apps.
Android-Optimierung folgt in Kürze.

Die Autofans unter Euch mögen sich vielleicht lieber die Tuning Magazin App anschauen:

http://itunes.apple.com/de/podcast/tuning-magazin-tv/id384393258
#zitieren

Folgende Links könnten Sie auch interessieren