Donnerstag, 24. Mai 2012 |
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Nichts Geringeres als das Setzen eines neuen Standards für das Application Performance Management (APM) hat sich das Unternehmen dynaTrace Software auf die Fahnen geschrieben. Genauer beschreitet die seit Kurzem verfügbare Version 4 der dynaTrace APM-Lösung neue Wege in der Performanz-Analyse von Java-, .NET- und Webanwendungen, und macht als wichtigste Neuerung auch vor dem Bereich User Experience Management (UEM) nicht Halt.
Nun wird es Beobachtern der Szene nicht entgangen sein, dass dynaTrace Software vor wenigen Tagen vom amerikanischen IT-Anbieter Compuware übernommen wurde. Wohin geht die dynaTrace-Reise also tatsächlich? Wird hier ein weiteres erfolgreiches Unternehmen von einem IT-Riesen geschluckt – ganz zum Leidwesen der dynaTrace-Nutzer? Oder ergeben sich aus der Übernahme womöglich synergetische Effekte und Mehrwerte für die Community? Darüber und über die Zukunft des Application Performance Management sprachen wir mit dynaTrace-Gründer Bernd Greifeneder.
Über Compuware muss man wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Gegründet bereits 1973 hat das Unternehmen eine wechselhafte Geschichte hinter sich, konnte sich vor allem in den 90ern durch Unternehmensübernahmen als führender Anbieter von Performanz-Lösungen etablieren. Heute unterhält Compuware über 80 Büros in 30 verschiedenen Ländern und verfügt über ein facettenreiches Produktportfolio, das von Virtualisierungslösungen bis zu Werkzeugen für die Durchführung von Web-Lasttests reicht.
Eine zentrale Technologie stellt bei Compuware die sogenannte Gomez-Plattform dar, eine APM-Suite, die als „führende Lösung zur Optimierung der Performanz, Verfügbarkeit und Qualität von Web-, Desktop-, Mobile-, Streaming- und Cloud-Applikationen“ vermarktet wird. Sofort drängt sich hier die Frage auf: Wie geht das neue Duo Compuware/dynaTrace mit den auf den ersten Blick offenbar vorhandenen Technologie-Überschneidungen um?
Aus technologischer Sicht werden die dynaTrace- und Gomez-Plattformen dahingehend miteinander verbunden, dass zunächst einmal alle APM-Module der Gomez-Plattform durch dynaTrace ersetzt werden. Darüberhinaus sollen die Komponenten über Schnittstellen miteinander in Verbindung gebracht werden. Beispielsweise lassen sich die Load-Tests aus der Gomez-Plattform auf die Analyse-Funktionalität von dynaTrace anwenden. Von der Gomez-Plattform gesammelte Daten können mittels dynaTrace-Technologien analysiert und ausgewertet werden.
Auch die neuen Fähigkeiten des User Experience Management von dynaTrace 4 sollen sich komplementär zu den UEM-Möglichkeiten aus Gomez nutzen lassen. Was es mit UEM in dynaTrace 4 auf sich hat, beschreibt man auf der dynaTrace-Seite mit „PurePath im Browser“. Über eine lückenlose Aufzeichnung der Klickfolge eines Anwendungsnutzers werden wichtige Messgrößen wie Verfügbarkeit und Interaktivität der Webanwendung, fehlerfreies Funktionieren der Website und einzuhaltende Service Levels erfasst.
Beispielsweise werden so Abweichungen der Applikationsgeschwindigkeiten aus Sicht des Nutzers und aus Sicht der Entwicklungsabteilung zu Tage gebracht - ein durch zahlreiche Studien belegtes Phänomen und Problem, um schnelle Interaktionen in Hinblick auf einen zeitgemäßen Web-2.0-Auftritt zu gewährleisten.
Traditionell wurde das User Experience Management getrennt von der Backend-Analyse durchgeführt und war Tool-seitig kaum in die restlichen ALM-Prozesse integriert. Mit dynaTrace 4 wird es möglich, Application Performance Management quasi aus der Sicht des Anwenders zu betreiben. Die Messdaten können nach Nutzerverhalten, Standort, Browser- und Endgerätetyp oder anderen für das jeweilige Geschäft typischen Einteilungen kategorisiert und ausgewertet werden.
Ein interessantes Zukunftsbild malt uns Greifender hier, hält der Trend hin zur Cloud gemäß sämtlicher IT-Analysten doch ungebrochen an. Dabei hält Greifeneder nicht mit seiner Haltung vor dem Berg, dass es nicht die Aufgabe von APM-Werkzeugen sein kann, die Verwaltung von Cloud-Instanzen zu übernehmen. Diese Verwantwortung liege in zunehmendem Maße in den Händen der Software-Architekten, die das Cloud-Thema schwerlich an spezialisierte Tools delegieren könnten.
Die abschließende Frage: Wie geht es nun weiter mit dynaTrace? Laut Greifeneder befindet man sich aufgrund der Übernahme aktuell in einer gewissen Übergangsphase. Zum jetzigen Zeitpunkt steht beispielsweise noch nicht fest, ob die Marke dynaTrace bei einem gemeinsamen Go-To-Market also solche beibehalten wird. Sicher ist allerdings, dass das gesamte dynaTrace-Team am Linzer Standort weiterbeschäftigt wird. dynaTrace wird also als eigenständige Einheit weiter bestehen bleiben, es gibt sogar Pläne, den Standort auszubauen und in den nächsten Monaten bis zu 40 neue Mitarbeiter einzustellen.
Einen genauen Zeitpunkt der Verfügbarkeit eines gemeinsamen Compuware/dynaTrace-Produktangebots konnte uns Greifeneder noch nicht nennen. Verlassen könne man sich indes darauf, dass dynaTrace den eingeschlagenen Innovationsweg weiter verfolgen werde und dem Kundenkreis durch die Verschmelzung beider Technologie-Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnet werden.