Reginald Rink RE’FLEKT GmbH

Im Umgang mit schwergewichtigen Konzernen ist es hilfreich zu verstehen, woher das Unternehmen kommt und welche Prozesse es bislang eingesetzt hat.

Auch die immer noch schwergewichtige Old Economy setzt heutzutage bei der Entwicklung mobiler Apps auf agile Vorgehensmodelle. Während der Projektverantwortliche auf Kundenseite durchaus agil denkt, ist der Einkauf häufig noch von der alten Schule und fordert unzeitgemäße Rahmenbedingungen. So sieht sich das Entwicklungsteam des ausführenden Dienstleisters trotz unzureichender Spezifikationen und unklarem Leistungsumfang teils mit einem festen Liefertermin konfrontiert. Um bei der Abnahme Überraschungen zu vermeiden, gilt es, während der Projektlaufzeit ein paar grundlegende Regeln zu beachten.

Die meisten Agenturen im Web- und Mobile-Bereich setzen für die Realisierung von Kundenprojekten auf agile Entwicklungsmethoden. Aber auch klassische Softwaredienstleister haben längst Scrum als effizientes und schnelles Vorgehensmodell für sich entdeckt. Die alltäglichen Probleme von Scrum in der Theorie und wie es im tatsächlichen Alltag gelebt wird, sind vielseitig diskutiert und überwiegend gelöst worden. Doch funktionieren die eigenen Lösungen nur, wenn man in seiner Umgebung bleibt, und greifen nicht mehr zwingend, wenn der agile Dienstleister im Rahmen eines Softwareprojekts mit dem schwergewichtigen Unternehmen der Old Economy zusammenarbeiten muss.

Schnell wird gegenseitig aufeinander geschimpft. So klagt der Kunde über nicht eingehaltene Liefertermine und überschrittene Budgets und die Entwickler auf Agenturseite rollen nur noch die Augen über unklare Spezifikationen und sich stetig ändernde Anforderungen. Wie so häufig liegt die Wahrheit meist irgendwo in der Mitte. Die Probleme haben in der Regel schon beim Vertragsabschluss den Lauf der Dinge genommen, als von falschen Annahmen ausgegangen wurde oder zu wenig über das richtige Vorgehens- oder Abrechnungsmodell für das umzusetzende Projekt nachgedacht und gesprochen wurde. So gilt es, sich vorab bereits die Rahmenbedingungen näher anzuschauen und zu klären.

Bestimmung der Spielregeln

Da sich Softwareprojekte auf viele Weisen angehen und lösen lassen, sollte man sich vorab über das Vorgehensmodell, also die Spielregeln, Gedanken machen. Nimmt man Monopoly als Beispiel, hält der Nutzer ein klares und ausführliches Regelwerk in den Händen. Doch wie bei allen Brettspielen, die bereits seit vielen Jahren am Markt sind, haben sich häufig sogenannte Hausregeln entwickelt. Spielt man das erste Mal mit neuen Teilnehmern, gilt es genau diese Abweichungen vom offiziellen Regelwerk vorab zu identifizieren und abzustimmen, um später unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Weiterhin ist im Umgang mit schwergewichtigen Konzernen hilfreich zu verstehen, woher das Unternehmen kommt und welche Prozesse es bislang eingesetzt hat – und vielleicht immer noch in den Köpfen der IT-Verantwortlichen stecken. Denn auch wenn das Wasserfallmodell in der Softwareentwicklung an Verbreitung und Bedeutung verloren hat und im Agenturgeschäft kaum vorstellbar wäre, bietet es dennoch einige Vorteile. Jedes Projekt- und vor allem Entwicklungsteam muss sich zunächst aufeinander einspielen. Gerade auf Dienstleisterseite werden Teams jedoch aufgrund unterschiedlicher Projektlaufzeiten und Teamkonstellationen häufig neu zusammengestellt. Das Wasserfallmodell ist in seiner Anwendung klar und einfach zu verstehen und dadurch schnell zu erlernen. Eine lange Eingewöhnungs- und Verständnisphase entfällt daher, und das Team ist zügig in der Lage, die möglichst volle Leistung zu bringen. Wenn der Kunde nun mit dieser Erwartungshaltung an den Dienstleister herantritt, mag er vielleicht Schwierigkeiten mit rein agilen Herangehensweisen wie Scrum haben.

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Business Technology 3.17 - "Aus Alt mach Neu"

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579810046Agile Entwicklung als Dienstleistung
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