Peter Wurbs Nexinto

Auf dem derzeitigen Entwicklungsstand ist ein Nebeneinander der Hypervisor-basierten und der containerbasierten Virtualisierung in den heutigen IT-Umgebungen notwendig.

Die Digitalisierung stellt an heutige IT-Infrastrukturen ganz andere Anforderungen als noch vor einigen Jahren: Digitalisierte Prozesse müssen schneller, schlanker und agiler sein. In dieses Anforderungsszenario schlugen die leichtgewichtigen Container ein wie ein Komet. Sind virtuelle Maschinen jetzt Dinosaurier, die von der Bildfläche verschwinden werden?

Noch vor drei Jahren fristeten Container eher ein Nischendasein. Dann kam Docker und katapultierte mit seiner Open-Source-Plattform für das Containermanagement die Virtualisierungstechnologie mitten ins Rampenlicht der Entwicklercommunity. Ein neuer Hype war geboren, der nach wie vor ungebrochen ist. Die IT-Abteilungen von Unternehmen setzen sich heute intensiv mit den Einsatzmöglichkeiten von Containern im Businesskontext auseinander. Bricht jetzt für die klassische Virtualisierung mittels Hypervisor und virtueller Maschinen (VM) eine schwere Zeit an? Vereinzelt wird sogar schon von dem Beginn einer neuen Epoche gesprochen: der Postvirtualisierung. Der durchschlagende Erfolg von Docker zeigt, dass Container einen Nerv treffen. Sie erfüllen ein Bedürfnis, dem bisherige Verfahren nicht richtig begegnen konnten. Und das mit Überraschungseffekt: Denn diese etwas in die Jahre gekommene Linux-Technologie hatten die großen Player wie Microsoft oder VMware nicht auf ihrem Radar. Docker war für das Containermanagement schnell Marktführer und in seinem Einfluss so prägend, dass die beiden Begrifflichkeiten mittlerweile fast synonym verwendet werden. Der durchschlagende Erfolg von Docker und das schnelle Auftauchen weiterer Lösungsanbieter wie Mesos oder Rocket, die den Aufbau und Betrieb von Containern vereinfachen, hat alteingesessene Virtualisierungsgrößen wie VMware oder Microsoft in Zugzwang gebracht. Heute arbeiten sie daran, die leichtgewichtige Alternative zur virtuellen Maschine in ihre Services einzubinden. So integrierte Microsoft das Service Docker Datacenter, um das Verwalten von Containern über Azure und Azure Stack zu ermöglichen. VMware hatte bereits mit dem eigenen Betriebssystems Photon OS für die Linux-Distribution vorgelegt.

Die Zeit ist reif für Container

Der große Durchbruch der virtuellen Maschine liegt bereits ein Jahrzehnt zurück. Damals waren Anwendungen noch durchgängig als mächtige Monolithen konzipiert und der IT-Betrieb insgesamt nicht so stark auf Schnittstellen oder Skalierbarkeit angewiesen. Für die heutigen Anforderungen an die IT-Infrastruktur kommt die VM zu schwerfällig daher. Container hingegen stellen Anwendungen eine komplette Laufzeitumgebung mit allen notwendigen Abhängigkeiten virtuell zur Verfügung. Auf einen Server passen deutlich mehr Container als virtuelle Maschinen. Im Gegensatz zu einer VM ist bei ihnen kein komplettes Gastbetriebssystem notwendig. Daher starten Container schneller, erzeugen deutlich weniger Overhead und verbrauchen weniger Ressourcen. Über einen Container sind Anwendungen relativ unabhängig und somit wesentlich leichter zu portieren. Ihr Businesseinsatz wird vor allem aus der Entwicklerecke forciert. Das ist auch nicht weiter überraschend. Mit dem steigenden Digitalisierungsgrad in Unternehmen erhöht sich auch die Anzahl an Anwendungen, um die digitalisierten Prozesse, Produkte und Strukturen abzubilden und zu managen. Das belegt unter anderem die Studie „Disruption im Datacenter“ des Analystenhauses Crisp Research und des IT-Spezialisten Nexinto: Zwei Drittel der IT-Entscheider rechnen im Zug der Digitalisierung innerhalb der nächsten drei Jahre mit einem Anstieg der Anwendungen im Unternehmen. Unter diesen Vorzeichen spielt auch DevOps eine wichtigere Rolle. Unternehmen mit wachsendem Softwareanteil benötigen dafür die passenden Rahmenbedingungen. Deshalb sollen die traditionell getrennten Bereiche Entwicklung (Development) und Betrieb (Operations) künftig als eine Einheit (DevOps) agieren. Ziel ist es, Tempo und Qualität des App Lifecycles aus Entwicklung, Testing, Bereitstellung und Monitoring zu optimieren. Bei einigen DevOps-Konzepten sind Container feste Bestandteile, da sie im Vergleich zur VM deutlich mehr Geschwindigkeit in den Prozess bringen. Auch Microservices, die monolithisch konzipierte Anwendungen immer öfter zugunsten eines einfacheren Managements und schnelleren Release-Zyklen ablösen, sind für Container ideal geeignet. So gaben in derselben Studie ein Fünftel der IT-Entscheider an, sich bereits mit Microservices-Architekturen zu beschäftigen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe:

Business Technology 1.17 - "Die neue Kultur der Transformation"

Alle Infos zum Heft
579775723Die Containerisierung der IT
X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -