Thilo Frotscher freiberuflicher Softwarearchitekt und Trainer

Ein großer Teil der Softwareentwickler hat ein Hobby zum Beruf gemacht. Dies ist ein nicht zu unterschätzendes Privileg, nicht viele andere Berufstätige können das Gleiche von sich behaupten.“

Nicht wenige Softwareentwickler sagen von sich, sie hätten ihren Traumberuf gewählt. Viele haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. Da sollte man annehmen, dass die meisten auch große Freude an ihrer Arbeit haben. Doch ist das ein Trugschluss?

Als freiberuflicher Experte kommt man viel herum, sieht zahlreiche Teams sowie Projekte und erlebt so einige Anekdoten. In Gesprächen mit anderen Entwicklern erfährt man dabei häufig von Frust und Unzufriedenheit mit der Team- oder Projektsituation. Bekanntlich führen solche Befindlichkeiten in der Regel nicht zu den bestmöglichen Arbeitsergebnissen. Welche Voraussetzungen müssen also erfüllt sein, damit Softwareentwicklung Spaß macht? Welche Hindernisse gibt es regelmäßig? Welche Fehler werden verbreitet von Unternehmen gemacht? Inwieweit müssen auch Entwickler sich ändern, sich ihrerseits der aktuellen Arbeitswelt anpassen, etwa größere Initiative zeigen? In diesem Artikel werden typische Beispiele aus über fünfzehn Jahren Projektarbeit vorgestellt, in denen sich viele Entwickler bestimmt hier und da wiederfinden. Und es werden Wege aufgezeigt, die helfen können, dem Ziel des glücklichen Entwicklers ein großes Stück näherzukommen.

Spannende Aufgaben und praktische Tools

Ein erster wichtiger Aspekt sind natürlich die Aufgaben. Vielerorts müssen Entwickler eine ganze Reihe nicht technischer Aufgaben erledigen, die nur scheinbar wenig Zeit erfordern, in der Summe aber einen erheblichen Teil ihres Arbeitstages ausmachen. Sie sollen an ausgedehnten Meetings und Telefonkonferenzen teilnehmen, obwohl vielleicht jeweils nur wenige Minuten davon für sie relevant sind. Sie sollen Reports erstellen, technischen Problemen mit der Infrastruktur nachgehen, Einstellungsgesprächen beiwohnen oder minutiös erfassen, wofür sie ihre Zeit aufwenden. Gerade letzteres kann absurde Ausmaße annehmen. So ist es nicht unüblich, dass die gleiche Tätigkeit sogar in mehreren Systemen zu erfassen ist, die womöglich auch noch unterschiedliche Zeiteinheiten verwenden, zwischen denen aufwendig umzurechnen ist. All diese Aufgaben sind für sich genommen sicher wichtig und sinnvoll, führen aber letztlich dazu, dass Entwicklern immer weniger Zeit bleibt, um ihren eigentlichen Aufgaben nachzugehen. Softwareentwickler sind Techniker, sie sollten ganz überwiegend technische Aufgaben haben. Das ist es, was ihnen Spaß macht, wofür sie eingestellt wurden, was sie am besten können und wofür sie letztlich auch bezahlt werden. Natürlich ist es notwendig an Meetings teilzunehmen, zu kommunizieren und hin und wieder auch administrative Aufgaben zu erledigen. Dies alles sollte aber eben nur einen kleinen Anteil des Tages ausmachen, der große Rest sollte zur Arbeit mit der Technologie zur Verfügung stehen, nicht umgekehrt.

Ein weiterer zentraler Punkt besteht darin, dass Softwareentwickler nicht ständig mit veralteter Technologie arbeiten möchten. Sie lesen Fachmagazine, besuchen Konferenzen und tauschen sich mit anderen Entwicklern aus. Und sie erfahren dabei, welche spannenden neuen Technologietrends andernorts zum Einsatz kommen. Daher ist es wichtig, einem Entwicklerteam zu ermöglichen, auch immer wieder Neues auszuprobieren und einzusetzen. Es gibt unterschiedliche Strategien, wie dies erreicht werden kann. Aktuell wird beispielsweise der Microservices-Ansatz stark diskutiert. Dieser Ansatz ist zwar sicher nicht für jedes Projekt und jedes Unternehmen geeignet. Aber dort, wo er zum Einsatz kommt, kann er gleichzeitig dazu genutzt werden, um technologisch auf dem Laufenden zu bleiben. Denn eine auf Microservices basierende Architektur erlaubt es prinzipiell, für jeden einzelnen Service diejenige Technologie zu wählen, die jeweils am besten geeignet ist, oder für die das verantwortliche Team am besten qualifiziert ist. In der Praxis wird man sicherlich bestrebt sein, die Gesamtzahl der eingesetzten Technologien nicht allzu groß werden zu lassen. Jedoch kann man diese Eigenschaft des Ansatzes nutzen, um einzelne Microservices regelmäßig mit neuen Technologien zu implementieren, um über den Tellerrand zu schauen und das Entwicklerteam fortzubilden.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe:

Java Magazin 6.16 - "Der glückliche Java-Entwickler"

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243263Entwickler als Traumberuf!?
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