Marco Di Filippo KORAMIS

Ob Industrieanlagen, kritische Infrastrukturen oder komplette Produktionslandschaften: Um Schwachstellen bei seinen Auftraggebern ausfindig zu machen, helfen Simulationen in der Cloud.

Sie gehören zum Herzstück eines Unternehmens, sind aber oft verwundbarer als jeder Büro-PC: Prozessleittechnik, Anlagensteuerung und Industriesoftware sind, gemessen an ihrer Relevanz, oft schlecht gegen Angriffe geschützt. Das muss sich ändern.

Die Smart Factory vernetzt Menschen, Maschinen und Informationen in sogenannten cyberphysischen Systemen. Selbstlernende und sich selbst organisierende Fabriken entstehen. Werkstücke lassen sich über Tags identifizieren und lokalisieren. Produkte finden vollautomatisch ihren Weg durch die Fertigung, kommunizieren mit Produktionsrobotern und stehen über die Cloud auch in Verbindung mit den Steuerungssystemen einer Firma – ob Enterprise Resource Planning, Product Lifecycle Management oder Manufacturing Execution System. Das heißt: Alle Maschinen oder Betriebsmittel lassen sich zentral verwalten, organisieren und reibungslos einsetzen. Über die Cloud behalten die Betreiber einzelne Maschinen und vernetzte Fertigungslandschaften im Blick. Mithilfe von Business-Intelligence-Anwendungen lassen sich Daten in Echtzeit auswerten, Verfahren und Prozessschritte anpassen und auch die Wahrscheinlichkeit bevorstehender Ausfälle prognostizieren und durch rechtzeitige Wartung verhindern.

Firmen vernetzen sich und ihre Anlagen dabei nicht nur intern, sondern auch übergreifend. Mit anderen Standorten und Partnerunternehmen schließen sie sich in Wertschöpfungsnetzwerken zusammen. Und sie profitieren davon: Um rund 78 Milliarden Euro soll die Produktivität der deutschen Wirtschaft dank Industrie 4.0 bis zum Jahr 2025 steigen, sagt der Branchenverband Bitkom.

Industrie 4.0: höhere Produktivität, höheres Risiko

Sensoren, Aktoren und Prozessoren sind heute selbstverständlicher Bestandteil von Maschinen. Aus autarken Produktionsinseln sind Fertigungsverbünde geworden, um Herstellungsverfahren digital zu verbessern. Die Vernetzung kennt kaum noch technische Grenzen, denn in Zukunft soll jedes Gerät über eine eigene IP-Adresse erreichbar sein. 30 Milliarden vernetzte Geräte soll es laut einer Prognose des Beratungshauses Gartner bis 2020 geben. Heißt, 30 Milliarden Chancen für eine digital optimierte Produktion, aber auch 30 Milliarden potenzielle Angriffspunkte für Hacker.

Wie real dieses neue Sicherheitsrisiko aufgrund der zunehmenden Vernetzung ist und welche Folgen Angriffe auf Unternehmen haben können, hat sich erst in Mai und Juni 2017 gezeigt. WannaCry und Petya nutzten eine Schwachstelle in vielen Windows-Systemen gezielt aus. Beide Ransomwares drangen in die IT-Systeme der Unternehmen vor, nisteten sich auf Festplatten ein, pflanzten sich ungehindert fort, verschlüsselten Dateien und versuchten, Lösegeld zu erpressen. Was erst nach Problemen für Bürorechner aussah, hatte drastische Folgen für die Werkshallen: Bei Renault standen Produktionsbänder still, an der Reaktorruine von Tschernobyl fielen Sensoren aus, die Reederei Maersk musste Systeme weltweit neu starten und bei Beiersdorf in Deutschland stockte die Produktion.

Laut einer 2016 veröffentlichten Studie des Centre for Economics and Business Research (Cebr) aus London hat die deutsche Wirtschaft aufgrund derartiger Attacken innerhalb von fünf Jahren Verluste in Höhe von 65,2 Milliarden Euro erlitten. Macht pro Jahr einen Schaden von rund 13 Milliarden Euro. Dabei besonders stark im Visier der IT-Invasoren: Produktion und Fertigung.

In einer bis heute einmaligen Umfrage hat der Verband der Anlagen- und Maschinenbauer (VDMA) den Status quo der Security in Produktion und Automation ermittelt. Laut der im Jahr 2014 veröffentlichten Studie war bereits knapp jedes dritte Unternehmen (29 Prozent) von Produktionsausfällen in Folge von Cyberangriffen betroffen. 63 Prozent der Verbandsmitglieder gehen davon aus, dass die Anzahl an Industrial-Security-Vorfällen weiter steigt.

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Business Technology 4.17 - "Teams spielen heute anders"

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579819720Industrieanlagen sicherer machen
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