5 Gründe warum es Microsoft mit Open Source ernst meint
Kommentare

Microsoft galt in der Vergangenheit als der größte Gegner der Open-Source-Bewegung. Die eigenen Produkte wurden unter streng kommerziellen Lizenzen geführt, gegen freie Software sprach man sich explizit

Microsoft galt in der Vergangenheit als der größte Gegner der Open-Source-Bewegung. Die eigenen Produkte wurden unter streng kommerziellen Lizenzen geführt, gegen freie Software sprach man sich explizit aus – das Konkurrenzprodukt Linux wurde gar einmal als Krebsgeschwür bezeichnet. Doch in letzter Zeit hat sich die Strategie Microsofts verändert: Das eigene ASP.NET MVC wurde unter einer freien Lizenz zugänglich gemacht und sogar eine eigene Tochtergesellschaft zur Zusammenarbeit mit der Open Source Community gründete man.

Da drängt sich doch die Frage auf: Wozu das Ganze? Meint es Microsoft mit seiner scheinbar neu entdeckten Open-Source-Affinität wirklich ernst oder dient die freie Software nur als Mittel zum Zweck? Richard Turner versucht auf ZDNet, alle Zweifel bezüglich Microsofts Open-Source-Engagements aus dem Weg zu räumen und zu beweisen, dass der Software-Riese nicht rein von Profitgier gesteuert wird, sondern es stattdessen tatsächlich ernst meint. Wir haben Turners Argumente einmal genauer unter die Lupe genommen.

1. Nativer Support für Open-Source-Technologien

Viele Open-Source-Projekte werden auf Linux-basierten Plattformen gebaut. Damit diese auch unter Windows laufen können, musste man sie früher häufig innerhalb der POSIX-Emulations-Infrastruktur CygWin starten, was die Performance negativ beeinträchtigte. Um die asynchrone JavaScript Engine Node nativ unter Windows laufen zu lassen, hat Microsoft gemeinsam mit Nodes Hauptsponsor Joynet zusammengearbeitet – der Code zum entstandenen IISNode ist frei und kann kostenlos bei GitHub heruntergeladen werden. Auch die kürzlich entwickelten nativen Builds des Apache Web Servers und der PHP Engine performen deutlich besser als die emulierten Versionen und benötigen darüber hinaus weniger RAM.

2. Open-Source-Plattformen in Windows Azure

Microsofts Cloud-Plattform Windows Azure unterstützt mittlerweile verschiedene Open-Source-Plattformen wie PHP, Java oder Ruby. Außerdem sind die Azure-APIs für jede Umgebung frei verfügbar, sodass Entwickler alle Service-Control- und Konfigurations-Funktionen nutzen können. Nach der oben erwähnten Portierung zu Windows wird auch Node von der Cloud-Plattform unterstützt – dazu gehört das Node Azure SDK.

3. Beteiligung an Open-Source-Projekten

Was man damals noch als Krebsgeschwür betrachtete, wird nun gefördert. Jedes Jahr veröffentlicht die Linux Foundation eine Liste der Unternehmen, die sich an der Linux-Entwicklung beteiligt haben – im vergangenen Jahr war zum ersten Mal auch Microsoft in den Top 20 der Liste vertreten. Besonders viel Code hat Microsoft beigesteuert, um Treiber zum Hosting von Linux im Hyper-V zu erstellen. Doch auch bei anderen Open-Source-Projekten hat Microsoft seine Finger im Spiel. Mit HortonWorks arbeitete man beispielsweise zusammen, um Hadoop auf Windows zu portieren und gab dafür sogar die eigene Big-Data-Lösung auf.

4. Integration bestehender Open-Source-Technologien

Früher wurde Microsoft oft dafür kritisiert, dass das Unternehmen eigene Versionen von solchen Technologien, die bereits unter einer Open-Source-Lizenz auf dem Markt waren, baute und anschließend kommerziell unter die Leute brachte. Das hat sich mittlerweile geändert und Microsoft integriert auch verstärkt freien Code in die eigenen Produkte. So zu sehen am ASP.NET MVC 4.0, das Open-Source-Technologien wie jQuery, jQuery UI, jQuery Mobile, jQuery Validation, Modernizr.js, NuGet, Knockout.js und JSON.NET integriert.

5. Entwicklung eigener Open-Source-Technologien

Doch Microsoft ist nicht nur Nutznießer einer lebhaften Open-Source-Bewegung, sondern beteiligt sich auch selbst aktiv daran. Immer mehr Projekte speziell für die .NET/Windows-Plattform werden bewusst mit offenem Quellcode entwickelt – man denke nur einmal an OpenStreetMap, eine Alternative zu Google Maps, in die Microsoft in letzter Zeit verstärkt investiert hat. Weiter sind die IoC/DI Container Ninject, AutoFac und Castle Windsor zu nennen, genauso wie das Testing Tool nUnit oder das Content Management System Orchard. Um besser mit der Open Source Community zusammenarbeiten zu können, hat Microsoft sogar die Tochtergesellschaft Open Technologies Inc. gegründet.

Ohne Zweifel wird Microsoft auch in Zukunft ein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen bleiben. Doch die Software-Welt wird offener und das hat man auch in Redmond bemerkt. Die oben genannten Argumente sind ein Beweis dafür, dass sich sogar ein alteingesessenes Unternehmen – wenn auch nur teilweise – öffnen und einen Blick aus dem Elfenbeinturm heraus wagen kann.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -