Der Agile Day auf der International PHP Conference 2012

Agile ist ein Minenfeld
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Dass Agilität in der Softwareentwicklung ein Mittel zum Erfolg ist, dürfte sich wohl mittlerweile herumgesprochen haben. Fast jedes Unternehmen verfolgt – oft sogar, ohne es zu wissen! – heutzutage mindestens eine agile Methode. Braucht die International PHP Conference 2012 also überhaupt noch einen Agile Day?

Sebastian Bauer von Inovex und Dominik Jungowski von CHIP Xonio Online meinen: ja! Immerhin ist Agilität ein Feld voller Minen, voller Stolpersteine und potentieller Misserfolgsfaktoren. Um diese zu beseitigen, müssen diese zuerst einmal identifiziert und im eigenen Team aufgedeckt werden. Deshalb eröffnen die beiden Spezialisten den diesjährigen Agile Day mit einer Session „Stolpersteine agiler Methoden“.

Sebastian Bauer und Dominik Jungowski über die Stolpersteine agiler Methoden

Der größte Stolperstein ist ihrer Meinung nach der Faktor Mensch. Klingt paradox, wenn man sich daran erinnert, dass das agile Manifest die Überlegenheit des Menschen über Techniken und Tools propagiert. Doch die größte Stärke der Agilität ist zugleich auch ihre größte Schwäche. Oft möchten Menschen ihre Gewohnheiten nicht umstellen, ihre Komfort-Zone nicht verlassen, und sind deshalb nicht bereit, sich auf neue, agile Methoden einzulassen. Auch die Rollenverteilung in einer Gruppe, die stets sowohl dominante als auch zurückhaltende Persönlichkeiten umfasst, und eventuell kooperationsmüde Einzelkämpfer stehen der Agility mehr im Weg, als dass sie sie fördern.

Doch das war noch lange nicht alles. Die Spezialisierung ist genauso ein Feind der Agilität. Das gesamte Team muss in der Lage sein, alle Aufgaben zu lösen. Wenn jeder sein eigenes Ziel zu erreichen hat, fehlt schließlich die Motivation für ein gemeinsames, größeres Ziel. Diese doppelte Identität von Zielvorgaben lässt sich auch auf den Scrum-Master übertragen. Ist er gleichzeitig auch noch ein Team-Mitglied, fällt es ihm naturgegebenerweise sehr schwer, eine objektive Sichtweise zu entwickeln und aus dieser heraus Entscheidungen für sein eigenes Team zu fällen – dafür müsste er geradezu schizophren sein. Genauso sind auch die regelmäßigen Retrospektiven sowie die täglichen Stand-up Meetings voller Minen, in die man leichtfertig einmal treten kann.

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Im Feld Agilität kann ein Team nicht nur über verschiedene Arten von großen und kleinen Steinen stolpern – nein, das Team kann auch von vornherein ungeeignet dafür sein. Basierend auf dem Buch „The Five Dysfunctions of a Team“ von Patrick Lencioni präsentiert Dominik Jungowski in seiner nächsten Session die fünf Fehler, die ein Team davon abhalten, wahrhaft agil zu arbeiten – natürlich samt ihrer Lösung.

  1. Das Fehlen von Vertrauen verhindert, dass aus einzelnen Entwicklern überhaupt erst ein Team wird. Vertrauen baut man dadurch auf, dass man seinen Mitarbeitern etwas Persönliches über sich selbst erzählt und sie allgemein besser kennenlernt.
  2. Die Angst vor Konflikten ist deshalb schädlich, weil Konflikte manchmal unausweichlich sind und man wissen muss, wie man im Fall der Fälle damit umgeht. Geschieht das auf konstruktive Weise, lassen sich Konflikte sogar umwandeln in echte Gewinne.
  3. Fehlende Hingabe bedeutet eine mangelhafte Bereitschaft, hart zu arbeiten und Zeit sowie Energie in ein Projekt zu investieren. Um Hingabe zu erzeugen, genügt es oft schon, die Meinung des Team-Mitglieds anzuhören. Auch wenn sie letztendlich nicht angenommen wird, fühlt sich der Mitarbeiter dennoch respektiert und als echter Teil des Teams.
  4. Ein fehlendes Verantwortungsbewusstsein verhindert, dass sich ein Team als Ganzes fühlt. Als Lösung sollte die Verantwortlichkeit fair aufgeteilt werden: Wenn es Probleme gibt, ist jedes einzelne Team-Mitglied gleichermaßen am Zuge. Tipp: Werden Ziele visualisiert, beispielsweise mit Hilfe von Schaubildern oder Flipcharts, werden sie deutlicher und man kann sich einfacher mit ihnen identifizieren.
  5. Das mangelnde Eingeständnis von Fehlern bewirkt eine Blindheit gegenüber offensichtlichen Resultaten. Anstatt blind zu sein, sollte man stets wissen, sowohl wo man steht als auch wo man hin will, und auch gute Ergebnisse hin und wieder feiern bzw. belohnen.

Betrachtet man all diese Minenfelder, Stolpersteine und Hemmnisse, steht außer Frage, dass das Thema Agilität nach wie vor noch längst keine Selbstverständlichkeit ist. Die anfangs gestellte Frage kann eindeutig mit ja beantwortet werden – auch wenn Agility mittlerweile in aller Munde ist, müssen agile Methoden weiter eingeübt und praxisnah vermittelt werden – beispielsweise auf dem Agile Day der IPC. Zwar haben inzwischen nahezu alle Unternehmen die Notwendigkeit dieser Methode erkannt, doch nur die wenigsten leben Agilität in ihrer täglichen Arbeitsroutine.

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