Agile Day auf der BASTA! 2013

Agile ist ein Minenfeld
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Agile macht mittlerweile fast jeder, zumindest wenn man den Handzeichen in Frank Düsterbecks (HEC GmbH) Session „Jetzt geht’s los: agile Projekte starten“ auf der BASTA! 2013 Glauben schenken darf. Doch nur weil eine Methode weit verbreitet ist, muss sie noch lange nicht einfach durchzuführen sein – ganz im Gegenteil: Je mehr Softwareentwickler agil arbeiten, desto mehr wird das Prinzip Agile unterschätzt. In Wirklichkeit ist Agile nämlich ein wahres Minenfeld.

Die Probleme beginnen schon beim Projektstart. Vielleicht arbeiten Sie ja mit einem neuen Kunden zusammen und die Kooperation ist noch nicht eingespielt, eventuell sind auch die politischen Rahmenbedingungen unbekannt oder die Stakeholder nur unzureichend eingebunden. Bei der Definition der Ziele treten besonders häufig Probleme auf, denn diese sind leider nur allzu oft ungenau, unrealistisch oder ganz einfach nicht messbar. Das Schlimmste daran: Der Projektstart legt das Fundament für den gesamten weiteren Projektverlauf und meist auch die Grundlage für den späteren Projekterfolg. Fehler, die hier gemacht werden, lassen sich im Nachhinein nur noch schwer beheben. So gilt es an dieser Stelle, besonders gut Acht zu geben und beliebte Fallgruben zu umgehen. Jedes Projekt beginnt mit einer Vision, die gemäß dem Motto „Keep it simple and small“, kurz KISS, formuliert werden sollte. Sie setzt die Rahmenbedingungen, stellt erste Anforderungen zusammen und definiert die Ziele. Die anschließende Projektanalyse tut genau das, was ihr Name vermuten lässt: Sie analysiert das Projektumfeld, seine Freunde und Feinde, den Ursprung der Idee und Probleme, die in der Vergangenheit aufgetreten sind. Spätestens hier muss man sich dann auch für ein bestimmtes agiles Vorgehensmodell entscheiden, sei es für Scrum, Kanban oder Extreme Programming.

Dann wird das Team besetzt und zwar so, dass es sich möglichst selbstständig organisieren kann und die Teammitglieder über all die notwendigen Kompetenzen verfügen, um ihre Arbeit weitgehend unabhängig voneinander ausführen zu können. Im externen Kick-Off Meeting vermittelt der Auftraggeber seine Vision und lernt die für deren Umsetzung verantwortlichen Entwickler kennen. Anschließend wird weiter geplant im Hinblick auf Produkt, Release und Ressourcen und zu guter Letzt machen sich die Entwickler an die Arbeit.

Nun könnte man meinen, dass mit einem geglückten Projektstart alle Gefahrstellen im agilen Minenfeld erfolgreich umlaufen wurden, doch weit gefehlt. Auch die Entwicklungsphase selbst ist voll von Problemen, Hindernissen und Missverständnissen und zwar besonders dann, wenn man die agile Methode Scrum einsetzt. In seiner BASTA!-Session listet Urs Enzler (bbv Software Services AG) „Die sechs größten Missverständnisse in Scrum“ auf. Diese sind im Einzelnen:

  1. Es wird zu viel Zeit für unnötige Meetings verschwendet, denn die meisten darunter führen nicht zum gewünschten Ergebnis. Meetings müssen besser strukturiert werden, sie brauchen eine Agenda und einen Zeitrahmen.
  2. Auch in einem Cross-Functional-Team muss natürlich nicht jeder alles können. Denken Sie nur einmal an die notwendigen Fortbildungskosten, um solch einen gleichen Stand zu erreichen!
  3. Obwohl die Methode „Agile“ heißt, sollten Sprints nur im begründeten Einzelfall abgebrochen werden. Änderungen müssen absolut notwendig und sowohl mit der beim Projektstart definierten Vision als auch mit dem Minimum Viable Product kompatibel sein.
  4. In vielen Teams gilt immer noch das Prinzip „Wir schreiben mal den Code, das Design entwickelt sich schon nach und nach“. Leider resultiert diese Einstellung oftmals in endlosem Spaghetti-Code. Anstelle dessen sollte man sein Projekt vorausschauend planen.
  5. Scrum ist inzwischen fast zum Standard geworden, doch zum echten agilen Arbeiten gehört noch mehr. Man sollte sich zurück besinnen auf die Grundprinzipien und das Agile Manifest vielleicht noch einmal durchlesen.
  6. User Stories sind alles andere als einfach zu erstellen. Hier gilt es, das richtige Gleichgewicht zwischen der zu reduzierten und der zu ausführlichen Methode zu finden, immerhin muss auch noch Raum für Optimierungen durch das Team bleiben.

Doch genug der Probleme, kommen wir zu ihren Lösungen. Auch diese hält Enzler nämlich in seiner Session parat. Abschließend fordert er seine Zuhörer dazu auf, sich den Scrum Guide und die einschlägige Fachliteratur noch einmal durchzulesen, bei ihrer Rückkehr im Heim-Unternehmen ihr Team mit den oben genannten Punkten zu konfrontieren und ihren Feedback-Zyklus zu optimieren. Diese Tipps sollen ihnen dabei helfen, das Minenfeld Agile gefahrlos zu durchschreiten und lebendig wieder zu verlassen. 

Aufmacherbild: Dangerous challenge as a businessman von Shutterstock / Urheberrecht: Lightspring

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