So werden Programmierer richtig gut

9 Tipps für den Erfolg im (Entwickler-) Job
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Was macht einen guten Entwickler aus? Seine Geschwindigkeit? Die Fehlerfreiheit des Codes? Seine Teamfähigkeit? Wer zu den allerbesten seines Faches gehören will, braucht natürlich ein gewisses Talent für den Job. Ohne Übung hilft allerdings auch das größte Talent nicht weiter. Insofern gibt es viele verschiedene Wege, auf denen Entwickler ihre Fähigkeiten verbessern können!

Gut, besser, am besten! Der Leistungsgedanke ist tief in unserem Denken verwurzelt. Natürlich muss nicht jeder am allerbesten in allem sein; der Wunsch, gut in den eigenen Tätigkeiten zu sein, gehört aber zum Alltag der meisten Menschen. Das ist auch verständlich, denn nur wer gut ist, hat am Ende auch Erfolg, bekommt den Traumjob, verdient richtig viel Geld. Unabhängig davon, wie die persönlichen Ziele aussehen, kann es aber durchaus auch Spaß machen, sich zu verbessern.

Verbesserungen auf vielen Ebenen möglich

Allerdings gibt es natürlich verschiedene Lerntypen und auch der Ausgangspunkt einzelner Entwickler ist gänzlich verschieden. Die einen möchten vielleicht ihre Methodik verbessern, die anderen eher die Codequalität. Also gibt es viele Ansatzpunkte für alle, die besser werden möchten. Und einer davon ist sogar, einfach mal so richtig faul zu sein!

Tipp 1: Fehler machen

Fehler gehören zum Arbeitsalltag dazu. Niemand macht alles richtig, gerade neue Aufgabenstellungen stellen auch erfahrene Entwickler schnell vor große Herausforderungen. Im agilen Arbeiten gelten Fehler als Chance daraus zu lernen – und das ist genau die richtige Einstellung. Wer etwas Neues ausprobiert und ein Risiko eingeht statt auf den vertrauten Pfaden zu bleiben, lernt dadurch dazu und verbessert so seine Fähigkeiten.

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Im Job sind vielen Entwicklern allerdings Grenzen gesetzt, wenn es um Experimente geht. Das Projekt muss vorwärts getrieben werden, die Deadline naht, Zeit und Geld sind wichtig, nicht die persönliche Entwicklung. Das lässt wenig Luft für Neues. Um sich selbst Freiräume dafür zu schaffen einfach mal drauf los zu basteln, können Entwickler aber an Open-Source-Projekten mitarbeiten. Hier finden sich immer neue Herausforderungen, die jenseits des vertrauten Betätigungsfeldes liegen; auch sind Fehler meist nicht so tragisch wie im Job, wenn das Projekt doch bald abgegeben werden muss.

Tipp 2: Austausch suchen

Ein weiterer Vorteil der Beteiligung an solchen Projekten ist der darüber stattfindende Austausch. Auch die persönliche Kommunikation gehört zwar zu den Basics des agilen Arbeitens; die eingehende Diskussion von Problemen und möglichen Lösungswegen bleibt dennoch manchmal auf der Strecke. Wer besser werden möchte, profitiert davon aber auf gleich zwei Arten: Zum einen hilft das nachdenken über die Probleme anderer dabei, das eigene Wissen frisch zu halten, zum anderen können fremde Lösungsansätze für eigene Probleme neue Denkrichtungen aufzeigen.

Insofern sollten Entwickler darauf achten, auch im Job immer wieder gezielt Zeiten einzuplanen, in denen sie sich mit Kollegen über Schwierigkeiten mit dem Projekt austauschen. Auch darüber hinaus kann es sinnvoll sein, auf Plattformen wie Stackoverflow mitzudiskutieren. Das Gehirn funktioniert in gewisser Weise wie ein Muskel. Wer sich häufig mit kognitiven Herausforderungen befasst, bleibt geistig fit.

Tipp 3: Über den Tellerrand schauen

Das gilt auch für das Lernen neuer Techniken. Entwickler hören natürlich eh nie auf zu lernen, immerhin gilt es immer wieder Updates und neue Techniken zu meistern, um auf dem neusten Stand zu bleiben. Ein Blick über die Grenzen des eigenen Kerngebiets hinaus kann aber dabei helfen, die Lernfähigkeit hoch zu halten, sodass die Einarbeitung in die neuen Funktionen einer Sprache nach einem Update nicht allzu schwer fällt.

Wer als Freelancer nicht agil arbeitet, kann so beispielsweise einen Blick auf agile Techniken werfen und darüber nachdenken, welche davon zur Arbeitsweise passen. Wer das schon beherrscht, kann neue (Programmier)Sprachen oder zumindest eine Zweitsprache erlernen – und dabei vielleicht sogar einmal die Welt der Programmiersprachen verlassen und sich den natürlichen Sprachen zuwenden.

Tipp 4: Testen!

Zu den Fähigkeiten, die viele Entwickler einmal erweitern könnten, gehört auch das Schreiben von Tests. Natürlich wird jeder Code getestet, im agilen Arbeiten ist das Standard. Aber auch hier gibt es Unterschiede: Das Test-Driven-Development wird nicht überall angewendet, kann aber durchaus sinnvoll sein um den Code so bugfrei wie möglich zu halten.

Unit-Tests stellen einen wichtigen Baustein zur Verbesserung der Qualität des Codes dar. Wer also auf dieser Ebene an seinen Fähigkeiten arbeiten möchte, sollte einmal überlegen, ob er nicht ein paar mehr Tests durchführen könnte. Auch stellt sich die Frage, ob Tests eher automatisiert oder manuell durchgeführt werden sollten. Wer automatisiert testet, spart sich natürlich eine Menge Aufwand. Wer allerdings noch einmal aus einem ganz neuen Blickwinkel auf das Projekt schauen möchte, sollte eher dazu übergehen, manuell zu testen und immer wieder und wieder Tests zu schreiben. Am besten, bevor der Code fertig ist.

Tipp 5: Schlechte Angewohnheiten

Aber was passiert mit Fehlern, die dann gefunden werden? Viele Entwickler tendieren dazu, einen Kommentar im Code zu hinterlassen, wenn ein Fehler nicht sofort behoben werden kann. Das ist eine schlechte Idee: Wer denkt denn noch daran, wenn schon die nächsten drei Bugs aufgetaucht sind? Fehler müssen immer zumindest im Backlog notiert werden. Je später ein Fehler angegangen wird, desto schwieriger wird es außerdem, ihn zu lösen. Gute Entwickler achten darauf, dass es gar nicht erst so weit kommt!

Auch neben dem Umgang mit Bugs haben viele Entwickler schlechte Angewohnheiten. Was das Rauchen in Bezug auf die eigene (Entwickler)Gesundheit ist, kann hinsichtlich des Codes der Umgang mit Kommentaren und Standards sein. Zu jeder Arbeit am Code sollte auch der Gedanke daran gehören, dass das Projekt langfristig gut pflegbar sein muss. Kommentare sind also keine gute Idee für Bugs; an vielen anderen Stellen dürften sie aber doch häufiger genutzt werden.

Tipp 6: Zeit nehmen!

Um jederzeit die Möglichkeit zu haben, auf auftretende Fehler zu reagieren und die eigenen Gewohnheiten im Auge zu behalten, braucht es Zeit. Die sollten Entwickler sich nehmen. Natürlich ist dieser Vorschlag häufig schwer umsetzbar; ein klares „nein“ zu knappen Deadlines kann aber ein guter Ansatzpunkt sein, um die Codequalität zu erhöhen. Dafür lohnt es sich, genau diesen Zusammenhang klar gegenüber Vorgesetzten und dem Kunden zu kommunizieren: Eine zu hohe Geschwindigkeit und eine hohe Qualität schließen sich gegenseitig aus.

Ist das Ziel des Kunden also ein besonders guter Code, muss er mehr Zeit einräumen. Aber wie soll das Produkt am Ende eigentlich genau aussehen? Da sind die Vorgaben des Kunden, dort ist die Produktvision, aber was ist mit diesem spezifischen Feature? In der Praxis wissen viele Entwickler weniger darüber, wohin sie sich genau bewegen, als sie sollten. Hier bietet sich großes Optimierungspotenzial für alle, die besser in ihrem Job werden wollen. Vor Projektbeginn ist es wichtig, viele Fragen zu stellen, vielleicht sogar einen Prototypen zu entwickeln. Wer genau weiß, wohin die Reise gehen soll, kann gezielter daraufhin arbeiten. Das ermöglicht einen Fokus auf das Wesentliche, was wiederum Zeit spart.

Tipp 7: Faulheit gezielt nutzen

Daneben sollten Entwickler sich aber auch nicht davor scheuen, einfach mal richtig faul zu sein. Die besten Lösungen für ein Problem sind oft nicht einmal besonders komplex, sondern bestechen durch ihre Einfachheit. Faule Menschen kennen meist den kürzesten Weg zum Ziel und der muss nicht immer schlecht sein. Einfach denken, den Weg des geringsten Aufwands suchen: Das sind Strategien, die in komplexen Projekten schnell verloren gehen.

Um gleichzeitig faul zu sein und die Ergebnisqualität zu erhöhen, ist es beispielsweise möglich, Tools zu nutzen. Das tut eh schon jeder Entwickler; die Frage ist allerdings immer, ob die aktuelle Tool-Zusammenstellung optimal zum Projekt passt. So gibt es für verschiedene Anwendungszwecke durchaus eigene Tools. Ein gutes Syntax-Highlighting ist ein Must Have, Libraries die dabei helfen, unnötige Code-Zeilen zu reduzieren, können auch eine gute Wahl sein. Und wer kennt sich schon so richtig gut damit aus, was die Developer Tools des Browsers alles können?

Tipp 8: Einstellungssache

Außerdem ist die richtige Einstellung zum Job wichtig. Niemand ist gut in etwas, das er hasst – allerdings wird das wohl auch auf die wenigsten Entwickler zutreffen. Auch ist klar, dass nicht jedes Projekt im Job so spannend ist, dass alle Beteiligten dafür Feuer und Flamme sind. Um dennoch mit einer gewissen Begeisterung an die Entwicklung zu gehen, lohnt es sich, nach der passenden Nische zu suchen. Oft bieten Projekte ja immer noch die Möglichkeit, einen bestimmten Schwerpunkt zu setzen oder sich besonders in eine Aufgabe zu vertiefen. Und wenn das nicht geht, können Entwickler ja immer noch auf vorgenannte Ideen zurückgreifen und ihre Liebe zum Fach über Open-Source-Projekte am Leben halten, bis die Aufgabenstellung im Job wieder besser zu den Interessen passt.

Es geht aber nicht nur um die Liebe zum Job. Wer glaubt, schon alles zu wissen, lernt nichts mehr dazu; wer sich den Kollegen überlegen fühlt, sucht keinen Austausch. Nur wer sich seiner Stärken und Schwächen bewusst ist, kann also wirklich gut im Job sein. Bescheidenheit ist dabei genau so wichtig für einen guten Entwickler wie das Durchhaltevermögen, das nötig ist um komplexe Probleme zu lösen.

Tipp 9: Work-Life-Balance finden

Darüber hinaus lässt sich die Leistungsfähigkeit im Job aber auch durch Faktoren beeinflussen, die so gar nichts mit der Entwicklung an sich zu tun haben. Nur wer gesund und ausgeglichen ist, kann Bestleistungen erbringen; nur wer auch einmal zur Ruhe kommt, ist dauerhaft leistungsfähig. Eine gute Work-Life-Balance sollte angestrebt werden, auch wenn das denjenigen besonders schwer fällt, die ihren Job lieben.

Neben der Entwicklung sollten auch noch andere Aktivitäten im eigenen Leben Platz haben. Etwas Sport, Zeit für Freunde, das trägt zur Entspannung bei. Dazu ist eine halbwegs gesunde Ernährung eine gute Idee, um langfristig gesund zu bleiben. Auch auf guten Schlaf sollten Entwickler achten: Ausgeruht ist das Gehirn viel leistungsfähiger. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass durchgearbeitete Nächte nicht erlaubt sind – zum Standard sollten sich aber nicht werden.

Auch diese Liste stellt natürlich keine abschließende Betrachtung der Wege dar, auf denen Entwickler ihre Fähigkeiten verbessern können. Fachliche Aspekte wie das Erlernen von Programmiersprachen die gerade besonders gefragt sind, sind natürlich genau so wichtig wie der Blick auf die eigene Gesundheit. Manchmal hilft auch nur noch ein Arbeitgeberwechsel dabei, wieder gut im Job zu werden – mit den falschen Aufgaben kann nämlich selbst der beste Entwickler seine Talente nicht nutzen. Wer also an den eigenen Fähigkeiten arbeiten möchte, kann das auf viele Weisen tun. Nur eins gilt nicht: Die Idee der Faulheit auf die eigenen Fähigkeiten anzuwenden. Während das bezüglich des Codes nämlich sinnvoll sein kann, verbessern sich Fähigkeiten nur, wenn auch daran gearbeitet wird.

 

Aufmacherbild: Hand holding megaphone – Helpful tips via Shutterstock / Urheberrecht: 4zevar

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