Die Take Aways des Agile Days der JAX 2018 in Mainz

So geht Agile richtig: Der Agile Day der JAX 2018
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Agile ist in der IT angekommen; heute arbeitet jeder agil. Entsprechend groß ist der Erfahrungsschatz der Speaker, die auf dem Agile Day auf der JAX 2018 in ihren Sessions aus der Praxis berichteten. Hier sind die Take Aways des Tages.

Mob Programming, die Aufgaben des Scrum Masters und das richtige Mindset: Das und mehr waren die Themen des Agile Days auf der JAX 2018 in Mainz. In sieben Sessions und einem Expertenpanel gaben die Speaker Einblick in ihre Erfahrungen mit der agilen Arbeitsweise. Hier sind die Take Aways des Agile Days.

Die Qual der Wahl: Agile Methoden

Scrum, Kanban, SAFE oder ein ganz anderes Vorgehen? Es gibt viele agile Arbeitsweisen und für jedes Unternehmen ist eine andere Lösung richtig. Damit beschäftigte sich Volker Schmidt (Cegeka) in seiner Session auf dem Agile Day der JAX. So sei beispielsweise SAFE , das Scaled Agile Framework, zu komplex für viele Unternehmen und damit nicht immer eine gute Wahl. Auch Kanban könne manche Unternehmen vor Schwierigkeiten stellen – gerade weil es weniger stark reglementiert ist als Scrum. Während Scrum vorgibt, wann welches Meeting im Prozess stattzufinden hat, tut Kanban das nicht. Das heißt aber nicht, dass die Meetings dort nicht nötig sind. Man muss die Struktur dafür aber selbst schaffen.

Scrum kann aber auch ganz schön schief gehen, wie Sebastian Bauer (inovex GmbH) und Dominik Ehrenberg (crosscan GmbH) wissen. Und das kann an diversen Missverständnissen bezüglich der agilen Arbeitsweise liegen. So glauben beispielsweise viele Menschen, dass die Aufgabe des Scrum Masters in einer Teilzeitstelle oder neben einer anderen Aufgabe im Team erfüllt werden könne. Falsch, sagten die Speaker in ihrer Session. Ein Scrum Master muss das Team begleiten und beobachten, muss da sein und sich kontinuierlich weiterbilden, um immer die richtige Methode an der Hand zu haben. Wer daneben noch was anderes zu tun hat, verliert schnell das Team aus dem Blick. Die Speaker raten also dazu, diese Aufgabe nicht zu unterschätzen, wenn man mit Scrum arbeitet, weil ein guter Scrum Master wirklich wichtig für den Prozess ist.

Werkzeuge für das agile Arbeiten

Eine wichtige Aufgabe des Scrum Masters ist nämlich die Sicherstellung der richtigen Kommunikation im Team. Und auf die Kommunikation ging auch Wolfgang Pleus (PLEUS Consulting) ein. Kommunikation dient nämlich nicht dem Selbstzweck, sondern ist ein wichtiges Werkzeug im agilen Prozess. Tauscht sich das Team regelmäßig aus, entsteht ein gemeinsamer Wissenskontext. Das ist vor allem dann wichtig, wenn es darum geht, schnell zum Ziel zu kommen. Dafür braucht es nämlich nicht nur den richtigen Prozess, der von Scrum vorgegeben wird, oder die richtige Technologie. Auch menschlich muss es passen!

Wie gestaltet man Teamwork aber richtig? Damit befasste sich Thomas Much (Freiberufler), der über Pair Programming und Mob Programming sprach. Beim Pair Programming sitzen zwei Entwickler an einem Computer und wechseln sich mit dem Tippen ab; beim Mob Programming arbeitet sogar das gesamte Team gemeinsam an einer Aufgabe. Und das ist keineswegs weniger effektiv als klassische Programmierarbeit, bei der eine Aufgabe von einem Entwickler erledigt wird. Pair und Mob Programming können nämlich dafür sorgen, dass der Code deutlich seltener überarbeitet werden muss und weniger Fehler enthält. Das spart am Ende Zeit. Ein Team muss aber erst lernen, effizient im Paar oder als Mob zu programmieren und nicht jeder Entwickler wird damit glücklich. Dann sollte man nichts erzwingen, so Much. Druck führt nur zu mehr Ablehnung.

Das richtige agile Team

Allerdings, so erklärten Kim Duggen (oose Innovative Informatik eG) und Georg Haupt (oose Innovative Informatik eG) in ihrer Session, müssen Teams auch richtig zusammengestellt werden, damit sie gute Arbeit leisten. Macher und Nachdenker sollten im gleichen Team sein, damit ein selbstorganisiertes Team eine hohe Qualität liefern kann. Die einen müssen die anderen dazu animieren, einfach mal was auszuprobieren, während die Vorsichtigeren verhindern, dass zu viele Fehler passieren.

Der Wandel zu einem agilen Mindset ist allerdings gar nicht so einfach. Darüber sprach Thorsten Ziegler von DB Systel GmbH, der davon berichtete, dass man dort gerade an dieser Wandlung arbeite. Gerade Führungskräfte müssen in diesem Kontext umdenken. Nicht mehr der Chef hat das Sagen, man begegnet sich auf Augenhöhe. Dabei wird der Chef zum Dienstleister, dem man auf Augenhöhe begegnet – die meisten Führungsaufgaben wurden umverteilt, die Teams organisieren sich selbst. Dieser Schritt fällt natürlich nicht jedem leicht. Immerhin geht es hier um ein ganz neues Mindset.

Der Weg zum agilen Team

Auch Frank Düsterbeck (HEC GmbH) beschrieb den Wandel hin zum agilen Arbeiten als kontinuierlichen Prozess, der durchaus erst mal hart sei. Die Mitarbeiter müssen erleben, dass es anders und besser geht, so berichtete Düsterbeck aus seiner Erfahrung. Einem Manager zu erzählen, wie gut Agile ist, reiche nämlich nicht aus. Stattdessen geht es darum, einfach mal den ersten Schritt zu gehen, Führungsverantwortung umzuverteilen und Selbstorganisation zu ermöglichen. Raus aus dem Taylorismus, der behauptet, dass die meisten Menschen geführt werden müssen und hinein in eine Zukunft mit intrinsisch motivierten Mitarbeitern, die aus Irrtümern lernen und Spaß an ihrer Arbeit haben. Das kann Agile leisten – wenn es richtig gemacht wird.

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