Stillstand ist der Tod

Agilität – eine Grundvoraussetzung für funktionierende Digitalisierung [Teil 1]
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Software agil entwickeln – ja oder nein? Es ist tatsächlich merkwürdig, dass sich Unternehmen diese Frage immer noch stellen. Um es vorweg zu nehmen: Eigentlich bleibt ihnen keine Wahl, denn Agilität ist schon lange kein Trend und keine Mode mehr.

Unternehmen, die die notwendigen Weichenstellungen bisher nicht vorgenommen haben, verzeichnen bereits jetzt spürbare Nachteile. Der Grund dafür ist das, was aktuell unter dem Stichwort „digitale Transformation“ in der Fachwelt und der breiten Öffentlichkeit diskutiert wird. Auch die digitale Transformation ist – ähnlich wie agile Entwicklung – kein Hype, sie passiert bereits.

Neue Aufgabe der Unternehmen

Das betrifft nicht nur technische Aspekte wie das „Internet of Things“ oder „Cyber-Physical Systems“. Inzwischen hängen alle maßgeblichen Geschäftsprozesse von IT ab. Auch Produkte und Dienstleistungen sind mehr und mehr rein digital oder haben zumindest entscheidende digitale Komponenten, was fundamentale Auswirkungen auf Unternehmen hat. Bisher konnten sie ihren Handlungsbedarf strukturiert bewerten und den eigenen Fahrplan an Optimierungspotenzialen, Änderungsbereitschaft und den eigenen Geschäftsmodellen orientieren; aber jetzt mischen neue Player die Märkte auf, und mit ihnen verändern sich die Angebote auf dem Markt und die Ansprüche der Kunden.

Artikelübersicht

Teil 1: Agilität – eine Grundvoraussetzung für funktionierende Digitalisierung
Teil 2: Agilität in Unternehmen – So wird man agil

Diese Entwicklung erfordert ein grundsätzlich anderes Verhalten von den Unternehmen. Das zeigt sich an vielen Schnittstellen zwischen Kunden und Unternehmen, beispielsweise im Kundenservice. Von Kunden zu verlangen, auf unternehmensinterne Anforderungen und Prozesse Rücksicht zu nehmen – den Service auf wenige Kommunikationskanäle oder kurze Öffnungszeiten zu beschränken – wird zunehmend schwerer durchzusetzen sein.

Produkte und Dienstleistungen müssen sich klar an den Bedürfnissen der Kunden orientieren. Ändert der Kunde seine Anforderungen, muss sich das Unternehmen flexibel und dynamisch anpassen. Passt es sich nicht an und bringt es kein überzeugendes Angebot auf den Markt, wird der Kunde sich Alternativen suchen. Vorbei sind also die Zeiten, in denen Unternehmen von ihren Kunden Verständnis für die eigenen internen Strukturen einfordern konnten.

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In vielen Branchen machen es Start-ups vor. Sie haben ihre Kunden mit kleinem Aufwand viel besser verstanden als die etablierten Unternehmen. Ihre Erfolge zeigen: Der direkte Kontakt zum Kunden, sein direktes Feedback und die schnelle Reaktion darauf sind erfolgskritisch. Eine große Anzahl Start-ups scheint sich langfristig zu etablieren. Natürlich gibt es Konsolidierung. Aber: Viele Ideen scheinen auch Bestand zu haben; das Angebot fächert sich auf. Das ist gut für den Kunden, gut für den Markt und auch gut für etablierte Unternehmen – denn es gerät etwas in Bewegung. Dieser Handlungsbedarf ist im Wesentlichen im Business-to-Consumer-Bereich entstanden, er wirkt sich aber unmittelbar auch auf Business-to-Business-Märkte aus.

Zurück zur Agilität. Software ist – mehr denn je – der Schlüssel zu digitalen Services und Produkten. Die IT muss maßgeblich gestalten und ihr Wissen um dynamische Lösungen in die Entwicklung neuer Angebote einfließen lassen. Die gängigen Grenzen zwischen Fachbereichen und IT verschwinden endgültig. Der Kunde beziehungsweise Nutzer wird in Projekte einbezogen; wirksame Customer Experience und daraus folgende User Experience entsteht im direkten Kontakt mit den Anwendern. Dabei ist Zeit ein kritischer Faktor. Unternehmen müssen Neues schnell auf den Markt bringen und bei fehlender Wirksamkeit auch schnell wieder „einstampfen“ können. Diese Anforderungen an das „neue Verhalten von Unternehmen“ sprechen eindeutig für agile Konzepte.

Die Rolle der Methoden

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang dann konkrete agile Methoden wie Scrum? Ein Framework wie Scrum gibt Unternehmen, die sich mit digitalen Services und Produkten (also mit Softwareentwicklung) beschäftigen, einen Rahmen. Dieser ist eine nahezu optimale Grundlage für die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der digitalen Transformation: Schnelligkeit, Dynamik, Flexibilität, Orientierung am Kunden und dem Nutzererlebnis sowie Übereinstimmung mit gemeinsam verstandenen Zielen. Das sind grundlegende agile Werte (wie sie beispielsweise im Agilen Manifest definiert wurden), und sie beschreiben auch die richtige Einstellung für den Umgang mit der digitalen Transformation.

Viele der großen Player quer durch alle Branchen haben diese Zusammenhänge inzwischen verstanden – und doch sind entsprechende Change-Projekte nur schwer umzusetzen. Der Grund dafür: Viele Unternehmen befinden sich in einer Phase, in der die mühevoll erlernten und etablierten klassischen Prozesse gerade erst Wirkung zeigen; eine Phase, in der Qualität und Verlässlichkeit der IT gerade steigt.

Zementierte Prozessvorgaben, bindende Quality Gates und vorgegebene Toollandschaften sind jedoch blockierende Faktoren in einem Change-Projekt hin zu mehr Agilität. Die Experten müssen sie deshalb konstruktiv in Frage stellen und in großen Teilen überarbeiten. Es ist nachvollziehbar, dass in den Unternehmen auf allen Ebenen die Angst vor totalem Kontrollverlust in der IT immens ist.

Wie die Verantwortlichen ein Change-Projekt in einem etablierten Unternehmen gestalten können, welche Rolle dabei ein Framework spielen kann und wie es gelingt, 150 IT-Experten auf agile Prinzipien einzuschwören, zeigt der in Teil 2 des Artikels dargestellte Exkurs.

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