Das gefährlichste Wort für Programmierer lautet…
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Welches ist das gefährlichste Wort für Software-Entwickler?

Ein kleiner Tipp: Welches Wort wiederholt sich in den folgenden Sätzen immer wieder?

  • Wirf die App einfach auf den Server!
  • Wir machen einfach noch schnell das Update.
  • Mach doch einfach einen Twitter-Button rechts daneben.

Richtig – die Alarmglocken sollten bei Euch läuten, wenn irgendjemand das Wörtchen „einfach“ benutzt. Warum? Es liegen kurz gesagt so viele Vorannahmen in dem „einfach“, dass es niemals wirklich passend ist. So „einfach“ sind die Dinge nämlich meistens nicht – schon gar nicht in der IT!

Ist doch einfach, stupid!

Brad Frost erzählt auf seinem Blog eine kleine Geschichte dazu. Wenn er beim Programmieren auf ein Problem stößt, fragt er oft seine Follower auf Twitter nach Tipps. Es kommt dann zwar meist eine Flut an gut gemeinten Ratschlägen zurück – das Crowdsourcing von Wissen funktioniert also irgendwie schon. Doch ist in den Tweets so gut wie immer das englische Wörtchen „just“ enthalten – und das lässt einen dann richtig dumm aussehen:

  • “Just update your ruby gems, generate a new SSH key, and run a git rebase…“
  • “Just clone the dev branch, add those three grunt tasks, and recompile…”
  • “Just use this software/platform/toolkit/methodology…”

Resigniert stellt Brad fest:

“Just” makes me feel like an idiot.

Einfach auf der Insel bleiben?

„Mach doch einfach das und das“ setzt voraus, dass man die nötigen Kenntnisse bereits erworben hat, um den empfohlenen Schritt auch wirklich „einfach mal so“ auszuführen. Das ist aber meist nicht der Fall, denn die IT ist ein so weites Feld, dass eine allgemeine Wissensbasis kaum vorausgesetzt werden kann. Jeder bringt gewissermaßen sein eigenes Inselwissen mit – und je nach Insel sind manche Dinge eben „einfach“, manche nicht.

Innerhalb von Software-Teams kann es dann zu einem Problem werden, wenn jeder nur auf seiner Inseln bleibt und die geteilte Wissensbasis zu klein ist. Spezialisieren kann man sich, doch sollte man stets auch an einem gemeinsamen Wissensschatz arbeiten, innerhalb dessen die typischen Aufgaben für jeden wirklich einfach zu bewältigen sind.

Wirklich einfach, oder?

Schlimmer noch wird es, wenn man „einfach“ hört und sofort denkt, dass das Problem mit dieser „einfachen“ Lösung auch wirklich schnell zu beheben ist. Beispielsweise wird sich beim „einfachen“ Deployen einer Software auf einen Server garantiert ein Problem ergeben, mit dem man so nicht rechnen konnte: Eine Library hat die falsche Version, das lokal funktionierende System skaliert auf dem Server nicht, etc.

Anthony Colangelo führt auf seinem Blog aus, dass das „einfach“ impliziert, man hätte bereits alle Eventualitäten eines Systems durchdacht. Man könne bereits alle Entscheidungen im Voraus treffen, die im weiteren Entwicklungsverlauf eines Projektes nötig sind. Und wir wissen alle, dass das niemals der Fall ist.

Einfach gefährlich!

Warum ist „einfach“ (bzw. „just“) nun aber gefährlich? Weil das Wörtchen uns dazu verleitet, falsche Aufwandsschätzungen vorzunehmen; weil es uns verführt zu denken, dass eine komplexe Aufgabe in einer Stunde zu erledigen ist – wo sie doch in Realität 1 Woche dauert.

Programmierer sind nicht faul – sie sind nur die schlechtesten Schätzer der Welt, hat mal eine schlaue Beobachterin gesagt. Vielleicht läuft es besser mit den Schätzungen, wenn man lernt, das „Einfach“ der Kollegen oder Manager nicht hinzunehmen, sondern nachzuhaken.

Wenn jemand also mit dem Wörtchen „einfach“ um sich schleudert, zieh die Notbremse. Nimm dir Zeit, die Aussage zu durchdringen und alle Vorannahmen zu ergründen, die implizit gemacht wurden. Entweder liegen die Dinge dann gar nicht so einfach – oder sind aber doch einfacher als gedacht …

Aufmacherbild: danger ahead , computer generated image. 3d render / Urheberrecht: studioarz

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