Professionelles Requirements Engineering in Scrum-Projekten

Der Product Owner als Requirements Engineer
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Professionelles Requirements Engineering ist auch bei agilen Vorgehensweisen wie Scrum eine wesentliche Voraussetzung für den Projekterfolg. Doch wie fügt sich, vor allem bei komplexen Entwicklungsprojekten in größeren Unternehmen, die Erhebung, Dokumentation und Verwaltung von Anforderungen in das agile Vorgehensmodell ein? Wie kann das gemeinsam erarbeitete Fach- und Technologiewissen konserviert werden? Die meisten RE-Aktivitäten lassen sich in Scrum wiederfinden oder zwanglos ergänzen. Die Rolle des Requirements Engineers kommt dabei dem Product Owner zu.

Professionelles Requirements Engineering ist (nicht nur) in komplexen Entwicklungsprojekten ein Schlüsselfaktor für den Projekterfolg, unzählige Studien und Erfahrungsberichte wie z. B. der regelmäßige CHAOS-Report belegen das. Die wesentlichen Gründe hierfür liegen in der Vielzahl von Stakeholdern, die unterschiedliche Interessen haben, sowie in komplexen Sachverhalten, die für Einzelne kaum überschaubar sind.

In Scrum, auf das wir uns im Folgenden wegen seiner Verbreitung fokussieren wollen, verwaltet der Product Owner die Anforderungen z. B. in Form von User Stories im Product Backlog. Scrum sagt jedoch nichts dazu aus, wie Anforderungen erarbeitet und qualitätsgesichert werden. Der Scrum Guide [1] sowie einschlägige Literatur [z. B. 2] hält sich zu diesem Thema eher bedeckt. Standardisierungen z. B. vom International Requirements Engineering Board IREB [3] und andere Modelle beschreiben, wie Anforderungen erarbeitet und verwaltet werden, äußern sich aber nicht zur Einbettung des Requirements Engineering in die verschiedenen Vorgehensmodelle zur Softwareentwicklung.

Aber auch ein mit RE-Methoden systematisch erarbeitetes Product Backlog reicht nicht aus, wenn wir den gesamten Lebenszyklus eines Softwareprodukts betrachten. So fällt ein Großteil des Gesamtaufwands in der Wartungsphase – im Sinne der Produktpflege oder Produktweiterentwicklung – an. Manche Anwendungen, z. B. Bestandsführungs- oder Schadensysteme bei Versicherungen, sind zwanzig oder dreißig Jahre in Betrieb, sie stellen einen bedeutenden Vermögenswert des Unternehmens dar. Die ursprünglichen Entwicklungsteams sind dann wahrscheinlich nicht mehr greifbar, das Wissen über die Anwendung und die zugrunde liegenden Anforderungen muss daher dokumentiert und gepflegt werden.

Dieser Artikel beschreibt, wie professionelles Requirements Engineering in einem Scrum-Projekt erfolgt. Dabei steht die Entwicklung kundenspezifischer Individualsoftware im Vordergrund, nicht Standardsoftware für eine anonyme Nutzergruppe. In diesem Kontext muss der Product Owner häufig eine Vielzahl von Anforderungsgebern aus einem nicht agilen Umfeld mit unterschiedlichen, möglicherweise widersprüchlichen Auffassungen koordinieren.

Der Artikel soll keine Einführung in das Requirements Engineering oder in Scrum sein, stellt jedoch die in diesem Kontext relevanten Aspekte der beiden Vorgehensweisen kurz vor. Unsere Projekterfahrungen zeigen, dass professionelles Requirements Engineering in Scrum-Projekten notwendig und möglich ist [4]. Es erfolgt durch den Product Owner in enger Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsteam.

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