Die Kunst, nein zu sagen: Wie man als Entwickler mit Unsinnswünschen von Auftraggebern umgeht
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Es gibt zwei Arten von Entwicklern: einerseits die, die für sich selbst programmieren, andererseits die, die für andere programmieren. Während erstere mit ihren Erfolgen vor allem sich selbst gesetzte Herausforderungen erfüllen, nimmt die Herausforderung letzterer oft neue Dimensionen an, wenn der Auftraggeber mit immer neuen Aufgaben daherkommt, die sich nicht sinnvoll umsetzen lassen.

„Der Kunde ist König“ ist dabei eine oft eingesetzte Redewendung – doch manchmal muss man als Entwickler auch „nein“ zu den Unsinnswünschen der Auftraggeber sagen. Camilio Reyes erklärt, wie sich dadurch effektiver mit Auftraggebern zusammenarbeiten lässt.

Meinung vertreten oder Micro-Management?

„Nein“ ist nicht unbedingt ein Wort, das im Wortschatz eines Auftraggebers vorkommt – und noch weniger eines, das er von einem Entwickler hören möchte. Nicht jeder Auftraggeber, der einen Entwickler mit der Lösung eines Problems beauftragt, ist allerdings technisch unbegabt; Zusammenstöße und neue Probleme bei der Arbeit sind dabei also vorprogrammiert.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob der Auftraggeber nur eine vorgefasste Meinung vertritt oder der Entwickler in einer Art Micro-Management arbeiten muss, bei dem ihm kaum Freiräume gelassen werden, die für die bestmögliche Lösung des ursprünglichen Problems nötig sind. Mischt sich der Auftraggeber in Fragen ein, von denen er effektiv keine Ahnung hat, ist es am Entwickler, nein zu sagen und ihm zu zeigen, dass die Vorstellungen des Auftraggebers keinen Sinn ergeben.

Emotionen aufbauen und Versprechen halten

Die meisten Auftraggeber sind nicht an ausgeklügelter Software interessiert, sondern daran, welchen Nutzen sie hat. Sie soll schnell und leicht zu bedienen sein, am besten noch hübsch aussehen und vor allem die Arbeit vereinfachen. Viele Auftraggeber wissen aber nicht genau, was sie eigentlich suchen, bis sie die entsprechenden Features in Aktion erleben. Dazu sagt Camilio Reyes:

Great software should emotionally engage users

Für Entwickler ist es daher wichtig, zu verstehen, dass sie für die Person hinter dem Bildschirm schreiben. Dazu gehört auch, zu versuchen, sich mit dem Auftraggeber auf eine Stufe zu stellen und die Erfahrung mit dem Produkt aus deren Perspektive zu betrachten.

Um die Bedürfnisse des Auftraggebers erfüllen zu können, muss man ihnen vermitteln, dass man sich für die Lösung des Problems interessiert. Versprechungen einzuhalten, ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Der Auftraggeber erwartet genau das, was man ihm als Entwickler ankündigt – verspricht man zu viel, was man am Ende nicht einhält, verliert man das Vertrauen des Auftraggebers.

Die Beziehung zwischen Auftraggeber und Entwickler wird durch viele Faktoren beeinflusst. Eine gute Beziehung sorgt nicht nur dafür, dass der Auftraggeber zufrieden ist, idealerweise fördert sie auch die Fähigkeiten des Entwicklers. Nein zu den Unsinnswünschen eines Auftraggebers zu sagen, ist eine Kunst – doch manchmal notwendig, um den Auftraggeber zufrieden zu stellen und mit einem guten Gefühl bei der Lösung seines Problems zu helfen.

Aufmacherbild: Businessman standing in front of no entry sign von Shutterstock / Urheberrecht: Vadim Georgiev

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