Diese Personas braucht jedes agile Team

Agile Team-Superhelden 2: Die Entwickler-Helden und ihre Endgegner
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Wer einen Profi-Product-Owner und einen Super-Scrum-Master hat, löst damit viele Probleme des agilen Arbeitens. Das Projektteam besteht jedoch nicht nur aus diesen beiden Rollen. Vielmehr sind es die Entwickler, die am Ende über den Erfolg oder Misserfolg eines Projekts entscheiden! Das Backlog kann nämlich noch so gut sortiert sein – ein Micromanager oder Wasserfall-Fanatiker kann alles zerstören. Darum gibt es bestimmte Persönlichkeiten, die in jedes Team gehören: Die Scrum-Team-Superhelden!

Es gibt Menschen, die passen einfach nicht in ein agiles Umfeld. Sie wollen alles so machen, wie es immer war; wollen eine Dokumentation schreiben und einfach ihre Anweisungen abarbeiten. Das gibt es aber im agilen Arbeiten nicht! Ein agiles Projekt beginnt mit einer Story und einer Vision, es geht davon aus, dass die Entwickler am allerbesten wissen, wie ein Produkt umgesetzt werden kann und davon, dass jeder Kunde genau das bekommen soll, was er sich wünscht. Prototypen, die in der Schublade liegen und nur an den Kunden angepasst werden, widersprechen der agilen Arbeitsweise. Wie auch? Jedes Produkt ist anders! Wer in einem agilen Projekt an solchen Ideen festhält, macht sich also zum Endgegner unserer agilen Superhelden.

Agile Superhelden

Teil 1: Super-Scrum-Master und Profi-Produkt-Owner

Teil 2: Die Entwickler-Helden und ihre Endgegner

Die Endgegner: Wasserfall-Fanatiker

Wenn ein agiles Team also so einfach nicht funktioniert, könnte es sein, dass der große Feind der agilen Superhelden seine Finger im Spiel hat. Der Wasserfall-Fanatiker ist keine gute Wahl, um ein agiles Team zu besetzten. Er hat Angst vor Veränderungen, ist sich sicher, alles besser zu wissen und legt mehr Wert auf seine Erfahrung als auf neue Erlebnisse. Die Persona des Wasserfall-Fanatikers sieht so aus:

Name Wasserfall-Fanatiker
Zitat „Das habe ich aber schon immer so gemacht!“
Details Ob jung oder alt; es gibt sie in jeder Gruppe von Entwicklern. Der Wasserfall-Fanatiker geht davon aus, dass es genau einen richtigen Weg gibt, um Dinge zu erledigen. Und das ist natürlich seiner. Agile Methoden sind ihm suspekt. Unter Umständen passt er sich aber durchaus an – nach außen hin. Wer genau hinsieht wird jedoch sehen, dass dieser Kollege keineswegs agil arbeitet. Maximal erreicht er eine Art „agile by the book“-Status. Er befolgt agile Prinzipien und Regeln wortgetreu. Und das ist das Problem: Strikte Regeln gibt es im agilen Arbeiten schlicht und ergreifend nicht.
Ziele Er möchte seinen Job gut machen, aber sich dafür nicht verändern. Sein wahres Ziel lautet wohl, wieder nach der Wasserfall-Methode arbeiten zu dürfen.
Abwehr Jeder kann lernen, agil zu arbeiten. Wenn es nur Unsicherheit ist, die einen Mitarbeiter zu einem solchen Verhalten animiert, lohnt es sich, den Super-Scrum-Master hinzuzuziehen. Der besiegt diese Art des Fanatikers mühelos; gelingt ihm das aber nicht, bleibt nur ein weg: Elimination! Wasserfall-Fanatiker dürfen das Scrum-Team nicht auf ihrem Weg zu wahrer Größe aufhalten!

Kontrollfreaks

Ein weiterer Feind agiler Teams ist der micromanagende Kontrollfreak. Auch er verdient es, eine eigene Persona gewidmet zu bekommen – denn auch er kann mühelos die gesamte agile Power eines Teams zerstören. Er überwacht und kontrolliert, er minimiert Freiheiten und Verunsichert das Team. Weiß der Micromanager jederzeit, wie gut sich ein Teammitglied macht, verbreitet er Angst und Furcht vor schlechten Leistungen. Wie soll sich das Team da trauen, Neues zu probieren? So geht es natürlich nicht! Hier ist die Frage, wer sich einmischt. Ist es ein Teammitglied, das versucht die Kontrolle zu übernehmen? Oder eine übergeordnete Instanz? In beiden Fällen ist die Persona aber doch ähnlich. Und somit stellt auch der micromanagende Kontrollfreak einen agilen Endgegner dar.

Name Micromanagender Kontrollfreak
Zitat „Nicht ohne mich!“
Details Er muss alles wissen, jeden Schritt überwachen und hat etwas mit dem Wasserfall-Fanatiker gemeinsam: Er weiß alles besser. Arbeitsschritte, die nicht seinen Plänen entsprechen, sind grundlegend falsch, und das lässt er das Team wissen. Alles muss nach seiner Pfeife tanzen! Freiheiten sind ihm ein Dorn im Auge. Immerhin kann er ein freies Team nicht mehr kontrollieren. Also ist er omnipräsent, nimmt an jedem Scrum Event teil, kümmert sich um alles und muss alles wissen. Ist er dem Team übergeordnet, leitet er Meetings; gehört er zum Team, muss er ständig jeden korrigieren.
Ziele Kontrolle, was sonst? Fehler könnten ihm ja schaden, also will er diese Gefahr im Keim ersticken.
Abwehr Wenn es sich um den Product Owner oder den Scrum-Master handelt, hat das Team ein echtes Problem – hier ist Angriff die beste Verteidigung. Ansonsten können die beiden Superhelden eingreifen: Das Organisationstalent eines Profi-Product-Owners bildet ein Schutzschild, während der Super-Scrum-Master mit psychologischen Tricks versucht, den Kontrollfreak auszumanövrieren.

Agile Team-Personas

Sobald also alle Hürden aus dem Weg geräumt sind, geht es nur noch darum, dass das Team optimal zusammenarbeiten kann. Auch dafür braucht es Menschen mit verschiedenen Eigenschaften und Potenzialen, die sich gegenseitig gut ergänzen. Ein Scrum-Team ist zumeist natürlich nicht groß, sodass häufig wohl einzelne Personen mehrere Eigenschaften in sich vereinen; auch kommt es natürlich auf die genauen Umstände an, welche Art des Team-Superhelds gerade gebraucht wird. Wichtig sind aber alle Superhelden auf ihre eigene Weise!

Ein agiles Team braucht jemanden, der den Überblick behält. Das „große Ganze“ ist zwar Aufgabe des Product Owners, der ständig erreichbar sein sollte. Aber auch während das Team einfach vor sich hinarbeitet, muss es jemanden geben, der weiß, wohin das Projekt gerade steuert und der dazu beiträgt, dass das Team immer weiß, wo es hingeht.

Name Der große Macher
Zitat „Hier geht’s lang!“
Details Er sieht das Produkt als Ganzes und kennt die Product Vision. Wohin soll es gehen? Wer sich unsicher ist, fragt ihn. Ob der Button nun grün oder blau wird, interessiert ihn allerdings nicht. Ihm geht es um die Funktionen und um übergeordnete Interessen.
Ziele Das Produkt muss fertig werden! Alles, jetzt!

Wichtige Gegensätze

Konträr dazu muss jedoch auch jemand die Details des Projekts wahrnehmen. Auch das ist zwar die Aufgabe des Product Owners; sich nur auf eine Person zu verlassen, ist jedoch oft keine gute Idee. Vier Augen sehen mehr als Zwei und jeder Superheld hat seinen Assistenten. Also brauch auch ein Profi-Product-Owner Input! Darum ist es wichtig, dass jemand zum Team gehört, der sich in den Kleinigkeiten verlieren kann und jede noch so winzige Inkonsistenz sieht.

Name Der Detailverliebte
Zitat „Wäre blau nicht doch besser, weil…“
Details Was braucht der Nutzer wirklich, wie wird er sich verhalten? Der Detailverliebte bemerkt jede kleine Abweichung vom Standard; er findet jeden Fehler im Code und schreibt sogar gerne Testfälle! Ihm fällt auf, was alle anderen übersehen und zwar ganz mühelos. Im Detailverliebten steckt immer auch ein Perfektionist.
Ziele Das optimale Ergebnis soll erzielt werden, ohne Macken, Ecken und Kanten.

Entscheidungen treffen

Um schnell zu arbeiten, müssen Entscheidungen getroffen werden. Das ergibt sich aus der agilen Arbeitsweise an sich. Hier sind Menschen mit großen Selbstvertrauen gefragt, die sich trauen, etwas in die Hand zu nehmen und zu ihren Entscheidungen stehen – und gleichzeitig sind auch die Stillen, Ruhigen an dieser Stelle wichtig. Sie können nämlich oft spannende Gedanken beisteuern, wenn der Super-Scrum-Master eine Atmosphäre erzeugt, in der jeder sich traut, seine Meinung zu teilen.

Name Der Entscheidungsfreudige
Zitat „Wir machen das jetzt so!“
Details Ewige Diskussionen gibt es mit ihm nicht; ob Option A besser ist oder Option B darf zwar durchaus besprochen werden – aber es muss auch mal Schluss sein. Immerhin ändert sich ja nichts an den Fakten, wenn sie noch zehnmal besprochen werden. Ausufernde Meetings gibt es mit ihm nicht! Wer etwas erledigen möchte, sollte das einfach tun, nicht nur drüber sprechen!
Ziele Er will arbeiten, nicht darüber reden.

Wichtige Fachidioten

Darüber hinaus ist da natürlich noch die fachliche Seite: Es braucht Experten und Allrounder, damit das agile Arbeiten gelingt! Wenn das Team zu sehr spezialisiert ist, wird es abhängig von externen Kollegen; ist es nicht spezialisiert genug, kann es nicht auf komplexe Anforderungen reagieren. Darum braucht es kreative Menschen, faktenorientierte Mitarbeiter und absolute Fachidioten in einem agilen Team.

Name Der stille Experte
Zitat „Eventuell wäre es ja vielleicht doch auch möglich, wenn wir das so machen könnten…“
Details Er traut sich kaum, etwas zum Gespräch beizutragen. Wenn der stille Experte aber etwas sagt, dann ist das fundiert und wichtig. Er weiß nämlich, wovon er redet und macht seinen Job gut! Man muss ihm nur mal zuhören – er hat nämlich oft die allerbesten Ideen. Manchmal muss man ihn aber erst dazu animieren, etwas zur Besprechung beizutragen. Auf eine angespannte Stimmung reagiert er sehr sensibel und ist somit ein gutes Barometer für Unstimmigkeiten und Probleme im Team.
Ziele Der stille Experte möchte seine Arbeit gut machen. Er möchte dabei aber auch niemanden stören und nichts Falsches sagen.

Socialising & Superhelden-Gruppen

Außerdem geht es in der Zusammenarbeit darum, dass das Team zusammenwächst und sich richtig gut kennt. Sind alle Teammitglieder eher ich-zentriert in ihrer Arbeit, gelingt das nicht. Ein Mitglied mit guten Social Skills ist also auch wichtig für das Scrum-Team. Immerhin sind Entwickler ja nicht gerade dafür bekannt, Profis in Sachen Sozialverhalten und Kommunikation zu sein – hier braucht es ein Gegengewicht.

Name Der soziale Kitt
Zitat „Was machst du am Wochenende? Und wie geht’s deinem Hund? Das Mittagessen war echt gut!“
Details Manchmal redet er zu viel, aber das ist eigentlich gar nicht schlimm. So bericht der soyiale Kitt nämlich immer wieder das Eis im Team und schafft eine offene Atmosphäre, in der sich alle ein bisschen besser kennenlernen. Und dann geht die Arbeit gleich viel leichter von der Hand! Eventuell muss er gelegentlich etwas ausgebremst werden, aber auch das nimmt er niemandem übel. Er hat immer gute Laune und schätzt das offene Wort sehr. Teamwork ist für ihn kein Problem!
Ziele : Er möchte sich im Team wohlfühlen und neue Freunde finden.

Ein agiles Team lebt also von den Persönlichkeiten seiner Mitglieder. Der Super-Scrum-Master muss sich selbst überflüssig machen; der Profi-Product-Owner ist eine Art Schutzschild für das Team und verhindert Einmischungen von Außen. Und dann braucht es noch ganz verschiedene Menschentypen, damit die Arbeit rund läuft. Dafür gibt es die agilen Superhelden! Jeder von ihnen bringt andere wertvolle Fähigkeiten mit und zusammen sind sie wirklich unschlagbar. Wenn ein agiles Team also nur einen Teil dieser Fähigkeiten und Talente in sich vereint, ist das eine tolle Basis für eine gelungene Zusammenarbeit!

Aufmacherbild: Legion of superheroes flying over city background von Shutterstock / Urheberrecht: Tomacco

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