Inspirationsfaktor Kanban
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Vor lauter „Kanban! Kanban! Kanban!“ fällt gerne unter den Tisch, dass Kanban per se etwas anderes ist als der Einsatz von Kanban in der Softwareentwicklung. Wo kommt Kanban eigentlich her, was gehört

Vor lauter „Kanban! Kanban! Kanban!“ fällt gerne unter den Tisch, dass Kanban per se etwas anderes ist als der Einsatz von Kanban in der Softwareentwicklung. Wo kommt Kanban eigentlich her, was gehört dazu, um mit Kanban Softwareprojekte zu realisieren, und was hat das eigentlich alles mit dem gesunden Menschenverstand zu tun? Wir haben uns auf der International PHP Conference 2013 in Berlin inspirieren lassen und gelernt, dass es manchmal genügt, seine Taten einfach nur in Worte zu fassen.

Kanban kommt ursprünglich aus der japanischen Automobilindustrie der Fünfzigerjahre und bedeutet so viel wie „Signalkarte“. Hatte ein Arbeiter bemerkt, dass die Schrauben ausgehen, hat er eine rote Signalkarte an die entsprechende Stelle im Regal gelegt, damit der Einkäufer wusste, dass der nachbestellen muss. Wir reden also von einem klassischen „Demand-driven System“. Und das lässt sich natürlich hervorragend auf die Softwareentwicklung übertragen.

Dennoch ist Kanban in der Softwareentwicklung noch etwas Neues: Erst 2007 wurde das System von David Anderson vorgestellt. Fünf simple Kerneigenschaften sind es, die Kanban zu einem Erfolgsfaktor in der Entwicklung machen können:

  1. Visualisiere den Fluss der Arbeit,
  2. Begrenze die Menge angefangener Arbeit,
  3. Miss und steuere den Fluss,
  4. Mache die Regeln für den Prozess explizit, 
  5. Verwende Modelle, um Chancen für kollaborative Verbesserungen zu erkennen.

Und gerade die ersten beiden Punkte sind es, die das Aufdecken von Problemen im Workflow zu einem Kinderspiel machen.

Minimal-invasiver Eingriff in den Arbeitsalltag

Die Abgrenzung zum Konkurrenzmodell Scrum ist einfach: Denn während Scrum eine Revolution im Unternehmen erfordert und Mauern eingerissen und Türen eingetreten werden müssen, setzt Kanban an einem anderen Punkt an: Startet mit dem, was Ihr jetzt macht. Aber visualisiert es! Es ist im Gegensatz zu Scrum kein Framework, das die Entwickler in ein enges Korsett schnürt; es ist eine einfache Möglichkeit, Bottlenecks zu identifizieren und zu beseitigen. Und es ist ein lebendes System, das sich stets weiterentwickelt und sich den Gegebenheiten anpassen lässt.

Der Clou an der Sache ist der, dass man lediglich jeden einzelnen Schritt erfassen muss, um seine Prozesse auf dem sogenannten Kanban-Bord zu visualisieren. Es ist eine ehrliche Abbildung des Ist-Zustands – nicht des Zustands, den man gerne hätte – macht Arbeitsabläufe in allen einzelnen Schritten transparent. Alles, was nun zu tun ist, ist sich vernünftige Limits zu setzen und Exit Policies zu definieren, um klar abgrenzen zu können, wann eine Aufgabe in die nächste Spalte verschoben, also dem nächsten Arbeitsschritt übergeben werden kann. Die Arbeit bleibt im Fluss, und wenn dieser Fluss unterbrochen ist, dann sind die Bottlenecks identifiziert, die Probleme können beseitigt werden.

Ist Kanban am Ende also nichts weiter als die Wiederentdeckung des gesunden Menschenverstands in der Softwareentwicklung, der sich mit Hilfe einiger simpler Regeln in einen geordneten Ablauf bringen lässt? Zumindest scheint es so. Doch in Kürze könnt Ihr Euch selbst ein Urteil darüber bilden, wenn wir Euch die Session zu dem Thema als Video präsentieren.

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