Strategisches IT-Management, Teil 3

Auf dem Weg zum Geld: Ausschreibungen und Auftragsvergabe in der IT
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Wissen Sie, wo die besten Geschäfte gemacht werden? Richtig, in geselliger Runde nach Feierabend bei einem Glas Bier oder Wein. Wir Entwickler bekommen davon oft nichts mit, denn die Aufträge besorgt ja der Chef. Bei größeren Projekten ist es meist etwas komplizierter. Man muss sich an Ausschreibungen beteiligen. Im öffentlichen Sektor kommt der Prozess der Vergabe hinzu. Interessiert Sie alles nicht? Ok, dann blättern Sie um! Ansonsten folgen Sie uns auf dem Weg zum Geld.

Als Softwareentwicklungsunternehmen kann man es grundsätzlich mit drei Arten von Kunden zu tun haben. Privatkunden, d. h. Endverbraucher, werden äußert selten an uns herantreten und uns mit der Erstellung einer Software beauftragen. Dennoch kommt es vor. Beispielsweise erhält man einen Auftrag, um eine Webseite zu erstellen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird diese Art von Geschäftsbeziehung auch als Business to Consumer (B2C) bezeichnet. Hier sind die formalen Hürden gering. Je nach Umfang des Auftrags wird ein Vertrag geschlossen. Das IT-Unternehmen wird in den meisten Fällen auf standardisierte Vorlagen zurückgreifen.

Der Schwerpunkt der meisten Entwicklungsunternehmen dürfte jedoch im Bereich Business to Business (B2B) liegen. Hier sind Auftragnehmer und Auftraggeber privatwirtschaftliche Unternehmen. Der Weg zu einem gemeinsamen Vertrag kann schon komplizierter sein. Sehr oft muss dabei mit dem Instrument der Ausschreibung gearbeitet werden. Am Ende steht natürlich wieder ein Vertrag, der Leistung und Gegenleistung möglichst exakt regelt.

Eine dritte Gruppe von Kunden aus Sicht eines IT-Unternehmens sind öffentliche Auftraggeber. Beim Verhältnis von privaten Unternehmen zu öffentlichen Auftraggebern wird von Business to Administration (B2A) gesprochen.

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Ausschreibung

Was ist eine Ausschreibung? Darunter versteht man eine öffentliche schriftliche Aufforderung an potenzielle Auftragnehmer, ein Angebot für eine bestimmte, genau spezifizierte Leistung abzugeben. Ist man zu einer Ausschreibung verpflichtet, so ist sie laut VOB\A und VOL\A bekannt zu machen, d. h. sie ist zu veröffentlichen. Das Ziel: Interessierte Unternehmen sollen davon Kenntnis erlangen und zu einer Abgabe eines Angebots aufgefordert werden. Die Veröffentlichung erfolgt etwa in Tageszeitungen, Amtsblättern, Internetportalen (z. B. www.bund.de), gewerblichen Fachblättern und Portalen und in der örtlichen Presse. Unternehmen, die über diesen Weg an Aufträge kommen wollen, müssen also diese Stellen regelmäßig auf mögliche Projekte scannen und bei Bedarf ein Angebot abgeben. Grundsätzlich ist es so, dass der öffentliche Sektor zu Ausschreibungen verpflichtet ist. Die Ausschreibung ist hier ein Mittel, um nachzuweisen, dass eine erforderliche Leistung zu wirtschaftlichen Konditionen eingekauft wird. In der Hoffnung, ihre Kosten zu minimieren, nutzten in den letzten Jahren zunehmend auch Unternehmen dieses Instrument. Ein Unternehmen, das im Rahmen einer Ausschreibung ein Angebot abgeben möchte, muss sich an die beschriebene Leistung halten. Dabei dürfen abweichende Angebote grundsätzlich nicht gewertet werden. Ansonsten wäre der Grundsatz der Vergleichbarkeit verletzt und ein fairer Wettbewerb nicht gesichert.

Es ist klar, dass öffentliche Stellen Leistungen ausschreiben müssen, denn hier geht es um Steuergelder. Klare Regelungen hinsichtlich eines möglichst sparsamen und wirtschaftlichen Umgangs mit den öffentlichen Mitteln sind notwendig. Das Volumen der Ausschreibungen der öffentlichen Hand ist beachtlich. Dabei ist davon auszugehen, dass im Bereich der IT in der Zukunft ein erheblicher Bedarf entstehen wird. Die Veränderungen, die sich aus der digitalen Transformation ergeben, werden auch an den öffentlichen Behörden nicht vorbeigehen. Eine Riesenchance für die IT-Dienstleister! Öffentliche Behörden dürfen Aufträge nicht einfach nach „Gutsherrenart“ vergeben. Sie müssen dafür sorgen, dass alle leistungsfähigen und leistungsbereiten Unternehmen die gleichen Möglichkeiten haben. Sie müssen ausschreiben! Geregelt wird das durch öffentliches Vergaberecht. Es definiert die zu beachtenden Rechtnormen, um die notwendigen Leistungen und Mittel zur Erfüllung der Aufgaben zu beschaffen [1]. Zu den Leistungen gehört auch das umfassende Angebot von IT-Dienstleistungen. Ein Hauptziel der öffentlichen Vergabe haben wir schon genannt, die Wirtschaftlichkeit. Jedoch gibt es noch weitere Ziele:

  • Transparenz: Warum hat man sich für einen bestimmten Auftragnehmer entschieden?
  • Wettbewerb: Der Wettbewerb zwischen den Anbietern soll gefördert werden. Wir wissen, dass es bei einem funktionierenden Wettbewerb zu Innovationen bei einem guten Preis-Leitungsverhältnis kommt.
  • Gleichbehandlung: Die Anbieter der Leistungen sollen grundsätzlich die gleichen Chancen haben, den öffentlichen Auftrag zu bekommen.

Anders formuliert: Die öffentliche Vergabe soll Vetternwirtschaft und Korruption verhindern. Dabei muss man beachten: Wir sind nicht allein auf unserer schönen Welt, d. h. das deutsche Vergaberecht muss unbedingt im Zusammenhang mit den Regeln für die Europäische Union betrachtet werden. Darauf kommen wir nochmals zurück.

Überblick über das Vergaberecht

Rechtsnormen in einer Fachzeitschrift für IT? Nein, nicht wirklich. Für Risiken und Nebenwirkungen studieren Sie bitte intensiv das Gesetzbuch oder fragen den Rechtsberater Ihres Vertrauens! Uns geht es eher darum, einen groben Überblick über das Thema zu bekommen. Was hilft Ihnen das? Eine ganze Menge! Sind Sie IT-Dienstleister und wollen ein lukratives Projekt eines öffentlichen Auftraggebers erhaschen, dann ist es hilfreich, die Regeln zu kennen. Nur dann können Sie rechtzeitig in den Prozess der Angebotsabgabe einsteigen. Einmal erteilte Angebote im Rahmen einer Ausschreibung kann man nicht nachbessern. Man ist in jeder Hinsicht daran gebunden. Hier ist also viel Sorgfalt gefragt. Sind Sie IT-Verantwortlicher in der Position des Auftraggebers, dann müssen Sie den Vergabeprozess steuern bzw. den Verantwortlichen zuarbeiten. Notwendig ist eine detaillierte Anforderungsbeschreibung. Das jahrelang übliche Konstrukt aus Lasten- und Pflichtenheft ist ja eigentlich im IT-Projektbereich aus einer früheren Zeit. Stattdessen ist agile Entwicklung das Credo unserer Zeit. Dazu jedoch später mehr.

Grundsätzlich ist das deutsche Vergaberecht für den IT-Bereich zweiteilig. Entscheidend ist hier der so genannte Schwellenwert. Er gibt an, ab welcher finanziellen Größenordnung nationale oder europäische Richtlinien der Vergabe greifen. Der Schwellenwert wird anhand des Nettogesamtauftragswerts berechnet [1]. Liegt der Auftragswert unterhalb eines Schwellenwerts, dann ist das nationale Vergaberecht anzuwenden. Anderenfalls ist die Anwendung des EU-Vergaberechts notwendig. Umgangssprachlich wird das Verfahren unterhalb des Schwellenwerts als „nationales“ und das Verfahren oberhalb des Schwellenwerts als „europäisches“ bezeichnet. Für IT-Leistungen gibt es natürlich keine Extrawurst, d. h. sie fallen in die Kategorie Vergaberecht für Liefer- und Dienstleistungen. Tabelle 1 gibt einen umfassenden Überblick über die aktuellen EU-Schwellenwerte zu allen möglichen Arten von Projekten.

Auftragsart Schwellenwert
Liefer- und Dienstleistungsaufträge oberster und oberer Bundesbehörden sowie vergleichbarer Bundeseinrichtungen 135 000 Euro
Liefer- und Dienstleistungsaufträge im Bereich Verteidigung und Sicherheit sowie von Sektorenauftraggebern im Zusammenhang mit Sektorentätigkeiten 418 000 Euro
Für alle sonstigen Liefer- und Dienstleistungsaufträge 209 000 Euro
Für Bauaufträge 5,225 Mio. Euro

Tabelle 1: Schwellenwerte für europäische Ausschreibungen

Es gibt exakte Anweisungen dazu, wie der Auftragswert genau berechnet werden soll. Ausgangspunkt ist die geschätzte Gesamtvergütung für die vorgesehene Leistung einschließlich aller Optionen und möglicher Vertragsanpassungen. Der Auftragswert soll genau geschätzt werden. Nicht zulässig ist es, ihn zu gering anzusetzen, um die Anwendung des EU-Vergaberechts zu umgehen. Unterhalb dieses Werts gilt das deutsche Vergaberecht. Dazu kommen wir jetzt.

Das deutsche Vergaberecht im Überblick

Blicken Sie dazu in Abbildung 1. Das für Deutschland gültige Vergaberecht ist auf mehrere Ebenen aufgeteilt. Wir betrachten als Erstes die rechte Seite, d. h. Vergaben für Aufträge oberhalb des Schwellenwerts. Auf der ersten Ebene greifen die Vorschriften des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkung. Hier werden die verschiedenen Vergabearten definiert und die Informations- und Wartepflicht des Auftraggebers vor Zuschlagserteilung geregelt. Ebenso wird bestimmt, welche Konsequenzen ein Verstoß gegen diese Pflichten und eine unzulässige Direktvergabe haben. Auf der zweiten Stufe fungiert die Vergabeverordnung (VgV). Sie beschreibt, welche Vergabe- und Vertragsordnungen bei der Durchführung angewendet werden müssen. Dies sind zum Beispiel die Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen (VOL) und die Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen (VOF). Die VgV enthält aber auch Regelungen über die Höhe der jeweiligen Schwellenwerte und macht Vorgaben zur Berücksichtigung der Energieeffizienz bei Auftragsvergaben. Die konkreten Vergabe- und Vertragsordnungen bilden schließlich die dritte Stufe im Aufbau des deutschen Vergaberechts. Sie enthalten die „Spielregeln“ für das Vergabeverfahren (VOB/A, VOL/A, VOF) und die allgemeinen Vertragsbedingungen (VOB/B, VOL/B).

Für Vergaben unterhalb des Schwellenwerts sind die öffentlichen Behörden in ihrem Handeln freier. Sie müssen dabei die haushaltsrechtlichen Bestimmungen und die geltenden Verwaltungsvorschriften beachten. Diese Fälle sind im linken Teil von Abbildung 1 zu sehen.

Abb. 1: Überblick über das deutsche Vergaberecht [1]

Abb. 1: Überblick über das deutsche Vergaberecht [1]

Der Ablauf einer Ausschreibung

In diesem Abschnitt beschäftigen wir uns mit dem Ablauf einer Ausschreibung. Abbildung 2 stellt den gesamten Prozess dar.

Abb. 2: Ablauf einer Ausschreibung [1]

Abb. 2: Ablauf einer Ausschreibung [1]

Ausgangspunkt ist natürlich der Bedarf nach einer bestimmten Leistung. In unserem Fall hat das betreffende Unternehmen einen konkreten Bedarf nach einer IT-Lösung, zum Beispiel einer spezifischen Software. Über die grundsätzliche Machbarkeit des Projekts ist am Anfang zu entscheiden. Nicht jeder Wunsch ist auch mit den stets begrenzten Mitteln zu realisieren. Diese Entscheidung kann man mithilfe einer Wirtschaftlichkeitsrechnung treffen. An dieser Stelle muss man dem Ergebnis einer möglicherweise folgenden Ausschreibung vorgreifen. Anders ausgedrückt: Man muss schätzen, welche Kosten das Projekt im Wesentlichen verursacht und ob die dafür gebotene Lösung auch den festgestellten Bedarf deckt. Bedarf und Wirtschaftlichkeitsrechnung sind also die beiden Faktoren, um eine Beschaffungsentscheidung zu treffen. Dann wird es schon spannend. Bevor man eine Ausschreibung erteilt, muss der Auftragswert bestimmt werden. Wie bereits ausgeführt, bestimmt dieser, ob nationales oder europäisches Recht zur Anwendung kommt.

Steht das fest, geht es um die Festlegung der Vergabeart. Achtung: Die Vergabeart ist nicht frei wählbar, sondern unterlieget einer Rangordnung. Der dahinterstehende Gedanke ist einleuchtend: Das Vergabeverfahren soll einen breiten Wettbewerb und eine transparente Vorgehensweise sicherstellen. Tabelle 2 gibt einen Überblick über die Vergabearten. Grundsätzlich muss das offene Vergabeverfahren bzw. die öffentliche Ausschreibung gewählt werden. Nur mit einer guten Begründung kann eine andere wettbewerbsbeschränkendere Vergabeart in Frage kommen. Solche Begründungen sind sehr restriktiv anzuwenden und müssen einer gerichtlichen Prüfung standhalten [1].

Nationale Verfahren (unterhalb der Schwellenwerts) EU-weite Verfahren (oberhalb des Schwellenwerts)
öffentliche Ausschreibung Offenes Verfahren
Beschränkte Ausschreibung mit Teilnahmewettbewerb Nicht offenes Verfahren mit Teilnahmewettbewerb
Beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb /
Freihändige Vergabe Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb
Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb
Wettbewerblicher Dialog

Tabelle 2: Überblick über Vergabearten [1]

Nachfolgend erläutern wir, was unter den einzelnen Verfahrensarten zu verstehen ist.

  • Öffentliche Ausschreibung/offenes Verfahren: Eine unbeschränkte Anzahl von Unternehmen wird zur Angebotsabgabe aufgefordert. Hier können also alle Unternehmen teilnehmen, die die Bedingungen der Ausschreibung erfüllen. Das Ziel: Es soll eine große Menge an Angeboten generiert werden.
  • Beschränkte Ausschreibung mit Teilnahmewettbewerb/nicht offenes Verfahren mit Teilnahmewettbewerb: Nach der Bekanntmachung wird ein Teilnahmewettbewerb ausgerufen und danach eine beschränkte Anzahl von Bietern zur Angebotsabgabe aufgefordert. Dieses Vorgehen ist nur in einigen Fällen zulässig, beispielsweise wenn das offene Verfahren im Hinblick auf die Auftragssumme einen unangemessenen Aufwand verursachen würde.
  • Beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb: Es handelt sich um einen Sonderfall bei den nationalen Ausschreibungen. Der Auftraggeber wählt selbst geeignete Unternehmen aus und fordert sie zur Angebotsabgabe auf. Sie sehen selbst: Die Prinzipien der Fairness und Transparenz können hier gefährdet sein.
  • Verhandlungsverfahren mit/ohne Teilnahmewettbewerb: Hier handelt es sich um ein formloses Verfahren, bei dem mit den Bietern über Preise und Leistungen verhandelt wird.
  • Wettbewerblicher Dialog: Dieses Verfahren wird bei besonders komplexen Aufträgen oberhalb des Schwellenwerts angewendet. Es läuft wie folgt ab: Nach einem Teilnehmerwettbewerb wird von den Bietern jeweils ein zu vergütender Lösungsvorschlag erarbeitet. Diese Vorschläge werden dann jeweils mit den Bietern einzeln erörtert. Die Bewertung der Vorschläge erfolgt nach den zuvor festgelegten Zuschlagskriterien.

Unterlagen richtig vorbereiten und bekannt machen

Wir verfolgen weiter den Ablauf einer Ausschreibung. Bevor man zur Bekanntmachung der Ausschreibung übergeht, müssen die Unterlagen vollständig sein: Anschreiben, Bewerbungsbedingungen, Kriterienkatalog, Bewertungsmatrix und Vertragsunterlagen. Was muss dabei alles beachtet werden? Das Wichtigste ist, dass der Auftrag ausführlich und eindeutig beschrieben ist, sodass alle Bieter ihn gleich verstehen und die Kosten kalkulieren können. Bei Software ist das kein allzu leichtes Unterfangen. Wir alle wissen, dass es mehr als schwierig ist, die Anforderungen an eine zu erstellende Software bereits zu Beginn vollständig zu dokumentieren. Idealerweise kann man ein umfassendes und vor allem vollständiges Lastenheft erstellen. Die heute übliche agile Projektdurchführung spricht jedoch gegen eine solch starre Vorgehensweise. Im Abschnitt „Vergabeverfahren in agilen Projekten“ kommen wir darauf zurück. Dennoch gilt grundsätzlich: Die Ausschreibung muss alle Faktoren berücksichtigen, die einen Einfluss auf den Angebotspreis haben. Risiken sind mittels eines besonderen Zuschlags einzupreisen. Besondere technische Anforderungen sind genau zu beschreiben, damit die Bewerber bzw. Bieter ein eindeutiges Bild vom Auftragsgegenstand bekommen. Die Beschreibung soll widerspruchsfrei sein und keine Informationslücken aufweisen.

Wo werden die Ausschreibungen bekanntgemacht? Sobald die Vergabeunterlagen reif für die Ausschreibung sind, wird die Vergabe veröffentlicht. Hier wird zwischen nationalen und EU-weiten Vergaben unterschieden. Bei den nationalen Vergaben gilt es, die behördenspezifischen Vorschriften zu beachten, wo und wie die Behörde eine nationale Vergabe bekannt machen muss. Was die EU-weiten Vergaben betrifft, so muss die Bekanntmachung mindestens im EU-Amtsblatt erfolgen. Außerdem müssen die behördenspezifischen Vorschriften der Bekanntmachung eingehalten werden. Wichtig ist dabei, dass die Bewerber die Anforderungen bereits aus der Bekanntmachung entnehmen und somit entscheiden können, ob sie diese erfüllen können.

 

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Die fertiggestellten Unterlagen werden dann den Bietern zur Verfügung gestellt. Dies kann als Download auf elektronischen Vergabeplattformen oder auf Anforderung elektronisch bzw. per Post geschehen. In der Regel ist es so, dass zu den Vergabeunterlagen immer Fragen von der Bieter- bzw. Bewerberseite existieren. Die ausschreibende Stelle sollte bemüht sein, diese schnellstmöglich zu beantworten.

Weiter geht es mit der Angebotsöffnung. Es handelt sich um eine formale Prüfung, ob die Angebote rechtzeitig, formal korrekt, unterschrieben und mit Preisen versehen, eingegangen sind. Danach folgt der spannendste Teil: Die am Verfahren teilnehmenden Gebote werden nach den zuvor festgestellten Kriterien bewertet. Das wirtschaftlichste Angebot wird ermittelt und erhält den Zuschlag. Der Auftraggeber erteilt den Auftrag. Hier wird deutlich, dass nur dann korrekt entschieden werden kann, wenn die Angebote sich genau an die Leistungsbeschreibung halten.

Vergabeverfahren in agilen Projekten

In der letzten Zeit werden immer mehr IT-Projekte agil entwickelt. Die Anforderungen stehen nicht schon zum Projektbeginn fest, sondern werden erst während der Durchführung schrittweise detailliert. Die Liste der zu implementierenden Funktionen ist dynamisch und wird fortwährend angepasst. Üblicherweise gibt es auch kein klassisches Lasten- oder Pflichtenheft. Wir haben hier ein Dilemma bei Softwareprojekten, die für die öffentliche Hand durchgeführt werden sollen. Wie bereits oben beschrieben, fordert die Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen eine eindeutige, detaillierte und klare Beschreibung aller Leistungen. Somit stellt sich die Frage, wie man die Agilität mit dem Korsett des Vergaberechts vereinbaren kann. Keine Lösung ist es, aus formalen Gründen auf starre Methoden der Projektabwicklung, wie den Wasserfall, zurückzukehren. Der öffentliche Auftraggeber kann statt des Endprodukts die Beratungs- und Entwicklungskapazitäten als Dienstleistung einkaufen. In diesem Fall schuldet der Lieferant keine fest definierte Funktionalität. Bei der Projektdurchführung kann nunmehr agil vorgegangen werden. Eine dynamische Anpassung des gewünschten Funktionsumfangs während des laufenden Projekts ist damit jederzeit möglich. Der entscheidende Nachteil: Der Auftraggeber trägt allerdings auch selbst die Erfolgsverantwortung für das Vorhaben. Der Auftraggeber kann dazu einen Product Owner installieren, der das Product Backlog führt.

Soll ein IT-System als Gewerk beschafft werden, so muss das Projektergebnis im Rahmen des Vergabeverfahrens spezifiziert werden. Wie bereits angedeutet, stellt natürlich insbesondere § 8 EG Absatz 1 VOL/A eine Herausforderung dar. Hiernach muss die Leistungsbeschreibung eindeutig sein. Welches Produkt mit dieser Leistung letztendlich erstellt wird, ist nicht zwingend anzugeben. Somit kann in der Ausschreibung auch explizit die Anwendung des agilen Vorgehensmodells genannt werden. Als Leistungsumfang werden dann zum Beispiel User Stories benutzt. Detaillierungen, wie zum Beispiel die Dauer von Sprints und der Turnus von Reviews, sollten spätestens in den Verhandlungen während des Vergabeverfahrens angesprochen werden. Im Vertrag wird dazu ausdrücklich geregelt, dass die Detaillierung der Anforderungen erst während der Entwicklung stattfindet. Damit wird die Veränderung der Funktionalität im laufenden Projekt keine Ausnahme, sondern zu einem normalen Ablauf. Diese Vorgehensweise versucht, die notwendige Flexibilität bei der IT-Projektdurchführung zu erhalten und dennoch die formalen Anforderungen der öffentlichen Vergabe zu erfüllen. Dazu ist ein beachtlicher Spagat notwendig. Ganz gefahrlos ist es für alle Beteiligten nicht. Der Auftraggeber übernimmt einen größeren Teil des Risikos. Ebenso wird es schwieriger, unter diesen Bedingungen das Vergabeverfahren transparent und jederzeit fair zu gestalten.

Der Interessenkonflikt zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer

In Projekten verteidigen Auftraggeber und Auftragnehmer zwei verschiedene Sichtweisen. Wer will was? Was sind die Interessen vom Auftraggeber? Was sind die Interessen vom Auftragnehmer? Warum stehen diese im Konflikt? Der Auftraggeber will vor allem möglichst früh wissen, was er für die gewünschte Funktionalität bezahlen muss und wie lange es dauert, bis das System fertig ist. Das hängt natürlich stark davon ab, was er genau haben will, d. h. was seine Anforderungen sind. Dies genau, klar und eindeutig zu beschreiben, ist jedoch nicht einfach. Dagegen will der Auftragnehmer vor allem Klarheit darüber schaffen, welches Produkt er bis zu welchem Termin liefern soll. Den genauen Preis, Aufwand und Risikoaufschlag kann er nur auf Basis exakter Anforderungen bestimmen. Je undeutlicher die Anforderungen seitens des Auftraggebers formuliert sind, desto höher muss der Risikoaufschlag bei einem Festpreis einkalkuliert werden [2]. Softwareentwicklung ist dabei eine besonders schwer „greifbare“ Leistung. Die Beteiligten müssen sich dem bewusst sein. Wünschen sie eine flexible und agile Projektdurchführung, dann müssen sie auch während der Durchführung zu dynamischen Anpassungen der Verträge und Entgelte bereit sein. Das soll ausdrücklich nicht heißen, dass Projekte immer teurer werden müssen, als sie kalkuliert sind. Davon haben wir im öffentlichen Bereich bereits genügend negative Beispiele.

Fazit

Ein wirklich anstrengendes Thema. Aber es hilft nicht! Wollen Sie als Entwicklungsunternehmen auch an öffentliche Aufträge kommen, so müssen Sie sich rudimentär mit den Vorgängen der Vergabe auskennen. Weniger formal verlaufen Ausschreibungen unterhalb der Schwellenwerte. Hier hat man als kleinerer oder lokaler Anbieter größere Chancen, an einen Auftrag zu kommen. Rechtlich gesehen ist die Vergabe nur für Projekte der öffentlichen Hand vorgesehen. Um die Vorgänge zu ordnen und transparent zu gestalten, schreiben jedoch auch Unternehmen der Privatwirtschaft Leistungen öffentlich aus. Damit kann das Einholen von standardisierten Angeboten vereinfacht werden. Auch kann man eine größere Zahl von Anbietern auf die ausgeschriebene Leistung aufmerksam machen. Das gesamte Verfahren wird deutlich transparenter, und man wird offener für neue Anbieter. Letzteres beflügelt Innovationen, denn man weitet seinen Blick als Auftraggeber auf mögliche neue Lösungen. Für die Bieter ist es die Möglichkeit, ihr Leistungsangebot bekannt zu machen. Letztendlich will der Anbieter Kosten sparen. Ein privates Unternehmen muss sich zwar nicht vor dem Steuerzahler rechtfertigen, aber seine Stakeholder blicken nicht weniger kritisch auf die entstehenden Kosten. IT-Projekte sind oft sehr kostenintensiv. Daher erlauben wir uns am Ende ein durchaus positives Fazit: So starr und formal das Vergaberecht auch anmutet, es bietet für alle Beteiligten auch Chancen.

Literaturverzeichnis

[1] Heuermann, Roland: Strategisches IT-Management, De Gruyter Oldenbourg, 2014
[2] Rupp, Chris & die Sophisten: „Requirements-Engineering und -Management“, Hanser Verlag; 2009

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