Mit weniger Nörgelei zu mehr Produktivität: Wie sich agile Retrospektiven produktiver gestalten lassen
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Ein agiler Workflow bietet bei vielen Projekten zahlreiche Vorteile – insbesondere auch, dass er Raum für Reflexionsphasen bietet, die eine stetige Verbesserung des Workflows fördern. Normalerweise wird die Retrospektive am Ende eines Sprints abgehalten und gibt dem Team die Möglichkeit, die Erfolge und Fehlschläge des vorangegangenen Sprints zu diskutieren – wären da nicht die immer wiederkehrenden Nörgeleien über Sinn und Unsinn solcher Meetings.

M. David Green erklärt, was typische Einwände gegen Retrospektive-Meetings sind und wie man darauf reagieren kann.

6 typische Einwände gegen Retrospektiven-Meetings

Die Retrospektive ist im agilen Workflow ebenso wichtig, wie der vorangegangene Sprint – auch, wenn in dieser Phase keine neuen Features produziert werden. Sie gibt dem Team jedoch die Möglichkeit, über die Erfolge zu sprechen, Fehlschläge zur Sprache zu bringen und aus diesen zu lernen. Trotzdem gibt es immer wieder die gleichen Einwände gegen die Retrospektiven-Meetings, zum Beispiel:

1.    „Retrospektiven sind Zeitverschwendung“

Zeit ist Geld, sagt ein bekanntes Sprichwort. Das gilt genauso für agile Projektentwicklung. Während es meist nicht schwierig ist, Planungsmeetings und Dailies einzuführen, wird die Retrospektive oft als Zeitverschwendung angesehen.

Darum sollte ein fester Zeitrahmen für das Retrospektiven-Meeting festgelegt und vorher ausgearbeitet werden, wie alle Probleme zur Sprache gebracht werden können. Dabei ist es wichtig, dass möglichst alle Teammitglieder anwesend sind und eindeutige Ergebnisse in der Retrospektive zusammengefasst werden, sodass den Nörglern verdeutlicht wird, wie sie zur Produktivität beitragen können.

2.    „Retrospektiven arten immer in Mecker-Sessions aus“

Ziel der Retrospektive soll es sein, sowohl positive Leistungen, als auch aufgetretene Probleme zu beleuchten. Häufig artet das jedoch in einer Mecker-Session aus, gerade, wenn es keine Struktur bei der Retrospektive gibt.

Darum ist es umso wichtiger, dass Teammitglieder die Möglichkeit erhalten, die positiven Aspekte zur Sprache zu bringen und diese auch in den Notizen zur Retrospektive vermerkt werden.

3.    „Nichts ändert sich“

Ein häufiges Problem bei Retrospektiven-Meetings ist, das nicht aus den Problemen, die in der vorigen Retrospektive angesprochen wurden, gelernt wird und so diese erneut auftreten. Es ist darum ratsam, das Retrospektiven-Meeting mit der Anfertigung einer Verhaltensliste zu beenden und diese beim Beginn der nächsten Retrospektive abzugleichen. So muss das Problem nicht erneut besprochen werden; stattdessen kann man sich darauf konzentrieren, zu besprechen, warum es keine Verhaltensänderungen gab.

4.    „Wir tun nur, was man uns sagt“

Persönliche Streitfragen oder hierarchische Strukturen können den Erfolg der Retrospektive negativ beeinflussen, gerade, wenn Manager und Senior-Teammitglieder die Diskussion an sich reißen. Team-Manager sollten ihren Teammitgliedern stattdessen die Möglichkeit geben, sich zu der Projektarbeit zu äußern und Verbesserungsvorschläge anzubringen, um der Retrospektive eine produktive Bedeutung zu verleihen.

5.    „Wir haben schon alles gelernt“

Zwar kann es durchaus ein gutes Zeichen sein, wenn die Teammitglieder das Gefühl haben, dass die Retrospektive für sie irrelevant ist. Allerdings ist das Aufrechterhalten des Retrospektiven-Rituals essentiell, um auch in Zukunft Probleme zu vermeiden oder ihnen zumindest frühzeitig auf die Spur zu kommen. In dem Fall kann es ratsam sein, dem Meeting eine neue Struktur zu verpassen und es so produktiver und interessanter zu gestalten.

6.    „Wir haben es vergessen“

Mit dem Ende der Retrospektive sollte das Team eine eindeutige Liste von Aktionen entwickelt haben, die im nächsten Sprint umgesetzt werden soll und an die während des Sprints erinnert wird. Es kann daher nützlich sein, diese Liste gut sichtbar zu veröffentlichen und so für eine stete Verbesserung des Workflows zu sorgen.

Sich die Zeit für die Retrospektive zu nehmen, ist also ein essentieller Teil eines agilen Workflows. Es nützt einem Team nur wenig, sich täglich einige Minuten auszutauschen, ohne am Ende das große Ganze zu betrachten und über die Erfolge und Fehlschläge des vergangenen Sprints zu reflektieren.

Wenn Retrospektiven bisher hauptsächlich aus Nörgelei und wenig produktiven Diskussionen bestanden, ist es Zeit, etwas an ihrer Durchführung zu ändern und sie so zu einer wertvollen Ergänzung des agilen Workflows werden zu lassen.

Aufmacherbild: Retro alarm clock with retro vintage efect von Shutterstock / Urheberrecht: DavidTB

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