Programmieren ist wie Gewichtheben – Warum Entwickler und Sportler gar nicht so verschieden sind
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Auch wenn Entwickler allgemein nicht gerade als Sportskanonen gelten, könnte so mancher Schwarzenegger-Möchtegern so einiges von ihnen lernen, denn trotz unterschiedlicher Ausführungen sind Coding und Gewichtheben nicht immer so verschieden, wie Sam Koblenski von Lucid Mesh herausstellt.

Wie auch beim Gewichtheben gilt es beim Programmieren, einen festen Plan zu haben und diesen auch einzuhalten, kurz: Disziplin ist der Schlüssel zum Erfolg. Nur durch regelmäßiges Training erreicht man Fortschritte. Denn jeder kennt es: Trotz guter Vorsätze gerät man schnell wieder in den alten Trott, der meistens von einer Tüte Chips, dem Lieblingsplatz auf dem Sofa und der Lieblings-DVD begleitet wird. Es macht jedoch Mut zu wissen, dass beim Programmieren und auch beim Sport gilt, dass nach verpassten Trainingseinheiten nicht alles verloren ist. Schnell hat man sich mit etwas Fleiß wieder in die Materie hereingearbeitet.

Dabei sollte das Aufstellen eines Plans nicht heißen, dass man nur selten den Pfad der Routine verlässt. Wer Muskeln aufbauen will, darf nicht immer die gleichen Übungen machen, da sich der Körper schnell auf die Belastungen einstellt und man kaum noch Fortschritte macht. Für den Sportler und den Entwickler bedeutet dies, dass man Übungen variieren sollte. Nicht zuletzt, um Probleme von einem anderen Blickwinkel betrachten zu können, sollte ein Programmierer neue Codes ausprobieren, dabei sorgt die Abwechslung für gute Laune, Spaß und eine hohe Motivation.

Kein Schmerz, kein Ruhm

Beim Training und beim Programmieren gilt zudem die alte Umkleidekabinenweisheit „No pain – no gain“. Je mehr man sich fordert und je mehr man über seine Grenzen hinauswächst, desto unangenehmer kann es werden. Gleichzeitig gilt jedoch, dass man nur dann seinen Horizont erweitern kann, wenn man in unbekannte Gewässer vorstößt. Klar, dies soll kein Sprung ins Haifischbecken werden, doch manchmal genügt schon ein Sprung ins kalte Wasser – wichtig ist dabei vor allem die Vorbereitung, um nicht gänzlich unvorbereitet zu sein. Wer beim Boxen ohne Sparring gegen Wladimir Klitschko in den Ring steigt, kommt nicht auf den eigenen Beinen wieder heraus; wer beim Gewichtheben gleich die großen Scheiben wählt, kann sich hoffentlich auf die Hilfe der Nachbarn verlassen, die einen aus der misslichen Lage befreien, wenn man prustend unter der Langhantel begraben liegt. Genauso beim Programmieren: Wer sich nicht ständig neuen Herausforderungen stellt, kann sich nicht verbessern und wie beim Gewichtheben kann man sich dabei entweder darauf verlassen, dass einem jemand unter die Arme greift oder mit Schadenfreude zu neuen Höchstleistungen anspornt.

Wer beim Gewichtheben nicht zu einer Comicfigur mit Streichholzbeinen und Mega-Oberkörper mit oberschenkelgroßen Bizeps mutieren möchte, sorgt für Ausgewogenheit beim Training, denn gesünder ist es ohnehin. Auch Entwickler sollten sich keinen metaphorischen Code-Tennisarm antrainieren, sondern ihr Repertoire erweitern und sich nicht nur auf eine Technologie konzentrieren. Natürlich ist es gut, seine Stärken zu kennen, doch auch ein Web Developer kann von Kenntnissen des Embedded Programming profitieren. Idealerweise ergeben sich so neue Projekte und Jobmöglichkeiten, im schlechtesten Fall trainiert man allein sein Gehirn, bleibt dadurch jedoch mental flexibel.

Kleinvieh macht auch Mist

Aufs Training umgemünzt heißt dies, dass all die kleinen Muskeln vielleicht nicht so beeindruckend aussehen wie Bizeps oder Bauchmuskeln. Doch sie geben dem ganzen Körper Stabilität und bei genauer Betrachtung gibt es wesentlich mehr kleine Muskeln als große. Vergessen sollte man dabei nicht, dass der Körper nur im Zusammenspiel einer Vielzahl von Muskeln effektiv arbeitet. Gleiches gilt für das Programmieren; Durch das Trainieren der kleinen Dinge – Netzwerkprotokolle, wiederkehrende Ausdrücke, Such-Algorithmen, IDEs oder einfach dem schnellen Tippen – lassen sich zwar keine großen Sprünge machen, doch erhöht man auf diese Weise seine Fähigkeiten so weit, dass sich alles schließlich zu großen Fortschritten addieren lässt. Ein Gewichtheber kann noch so starke Arme haben – ohne die nötige Kraft in den Handgelenken wird er kaum die großen Gewichte heben können. Ein Entwickler, der Probleme beim Zehnfingertippen hat, wird hingegen nie mit den Schwergewichten spielen können.

Zuletzt kann man vom Sport noch lernen, dass nicht alle Tage gleich gut sind. An einigen Tagen fühlt man sich fit und ausgeruht, an anderen hat man scheinbar nur den entkoffeinierten Kaffee erwischt. Morgen kann alles schon wieder ganz anders sein, denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

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