Agile für große Unternehmen

Skalierbare Agilität
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Agile gilt als gute Methode für kleine, überschaubare Teams. Immerhin gehört die Kommunikation der Projekt-Mitarbeiter untereinander zu den Kernkonzepten des Ansatzes und das wird in einem größeren Maßstab häufig problematisch. Doch auch für große Unternehmen können agile Ansätze in organisatorischer Hinsicht eine gute Wahl sein. Agile Methoden sind nämlich viel besser skalierbar, als viele glauben. Und am Ende sind es unabhängig von der Teamgröße ja doch ähnliche Faktoren, die über den Erfolg oder Misserfolg eines Projekts entscheiden.

Natürlich ist das agile Manifest erst einmal auf kleine Unternehmen und Teams ausgelegt. Tägliche, persönliche Meetings sind nur bis zu einer bestimmten Mitarbeiterzahl umsetzbar und auch nur dann, wenn alle am selben Ort arbeiten. Auch die Selbstorganisation von Teams ist nicht für jedes große Unternehmen sinnvoll und die ständige Integration neuer Anforderungen fällt kleinen Teams deutlich leichter. Nichts davon ist allerdings gänzlich unmöglich für große Firmen. Es gibt nur einiges zu beachten.

Allgemeingültige Aspekte der agilen Arbeit

Daneben ist aber auch nicht jeder Aspekt des agilen Arbeitens nur für kleine Unternehmen gedacht. Immerhin spricht das agile Manifest ja auch davon, dass die Motivation von Mitarbeitern und ihre Arbeitsumgebung wichtig sind. Das ist eine klare Managementaufgabe, die auch große Unternehmen nicht aus den Augen verlieren sollten. Dabei können agile Methoden helfen.

Build projects around motivated individuals. Give them the environment and support they need, and trust them to get the job done.
Agile Manifesto

Andere Aspekte der agilen Arbeitsweise müssen unter Umständen variiert werden, um den Bedingungen in großen Unternehmen zu entsprechen. Statt physischer Tafeln, auf denen Teams ihre Mitteilungen auf Post-Its hinterlassen, können virtuelle Boards Verwendung finden; statt täglichen persönlichen Meetings können Videokonferenzen eingerichtet werden. Das entspricht nicht gänzlich den Vorstellungen des agilen Manifests, geht aber auch nicht völlig daran vorbei.

Kreatives Skalieren

Auch das Konzept des regelmäßigen Kundenkontakts gehört zu den Aspekten der agilen Arbeitsweise, die anpassungsfähig an große Unternehmen sind. Während diese Aufgabe in kleinen Unternehmen unmittelbar von den beteiligten Entwicklern übernommen werden kann, könnte in großen Firmen eine eigene Abteilung dafür zuständig sein. Kreative, individuelle Lösungen sind gefragt.

Die Idee, dass Funktionen nach ihrer Priorität, also nicht in einer zuvor festgelegten Reihenfolge, abgearbeitet werden, ist ebenfalls unabhängig von der Unternehmensgröße. Dadurch verlieren die beteiligten Teams nicht aus den Augen, was gerade wirklich wichtig ist und können ihre Zeit besser einteilen. Gerade in großen Projekten können sich die Prioritäten außerdem immer wieder verändern und agile Methoden mit ihrer geringen Vorausplanung sind hier bestens geeignet, um darauf zu reagieren.

Anpassung wo notwendig – aber konsequent

Große Unternehmen sollten agile Methoden allerdings nicht als einen Baustein unter vielen verstehen. So gut sie skalierbar sind, so schlecht funktionieren einzelne Bestandteile einer agilen Methode ohne ihren Kontext. Wer weiterhin ein festgelegtes Produkt-Backlog abarbeiten möchte und wenig Kundenkontakt wünscht, wird aller Wahrscheinlichkeit nach keinen Erfolg damit haben, plötzlich agile Meetings in seinen Arbeitsprozess einzufügen.

Sobald es nicht mehr um die agile Organisation geht, sondern um die eigentliche Arbeit nach dem Ansatz in den jeweiligen Teams, sollte so wenig verändert werden wie möglich. Ungestörte Sprints gehören zwingend zur agilen Arbeitsweise, genauso wie der enge Kontakt zwischen den Mitarbeitern eines Teams. Auch die Definiton of Done sollte nicht vergessen werden. Hier geht es zwar auch wieder darum, organisatorische Strukturen zu schaffen, mit denen alle beteiligten Teams zu einer gemeinsamen Definition kommen können, wichtig bleibt dieser Aspekt aber unter allen Umständen.

Die Umwandlung der Arbeitsweise eines Unternehmens vom vorherigen Modell zu einer agilen Methodik muss mit einer gewissen Konsequenz passieren. Bevor dieser Prozess beendet ist, wird auch eine agile Arbeitsweise erst einmal keinen Vorteil mit sich bringen – Veränderungen bedeuten immer Unruhe und diese bremst die Mitarbeiter aus. Sie müssen neue Dinge lernen, etwas Zeit darauf verwenden. Es dauert, bis sich beurteilen lässt, ob die Umstellung gelungen ist. Das gilt allerdings gleichsam für kleine Teams wie für große Unternehmen.

Spezielle Frameworks

Um großen Firmen den Einstieg in die agile Arbeitsweise zu erleichtern, gibt es sogar einige spezifisch auf diese Situation ausgelegte Frameworks. Dazu gehört neben dem Scaled Agile Framework (SAFe) auch das Large Scale Scrum (LeSS).

SAFe erleichtert Unternehmen dabei den Einstieg in die Methodik sehr. Es gibt vorgegebene Roadmaps für die Umstellung, auch bleiben viele Strukturen im Unternehmen erhalten oder können zumindest Stück für Stück angepasst werden, statt auf einen Schlag. Das macht den Umstellungsprozess angenehmer für die Mitarbeiter. Andererseits stehen die grundlegenden Konzepte der agilen Arbeit aber auch eher am Rand des Frameworks, sodass der Aspekt der selbstorganisierenden Teams beispielsweise eher untergeht.

LeSS hingegen ist im Kern ein echtes Scrum-Framework. Die Umstellung erfolgt auf einmal und bringt große Veränderungen mit sich, dafür ist das Framework allerdings auch in zwei Versionen verfügbar. Diese können je nach Unternehmensgröße gewählt werden und passen sich so sehr gut den jeweiligen Unternehmen an. Trotzdem ist die Menge der vorzunehmenden Anpassungen für viele Unternehmen erst einmal schwierig umzusetzen.

Das sind natürlich nicht die einzigen Frameworks, doch am Ende hat jeder Ansatz seine Vor- und Nachteile, und es kommt auf das einzelne Unternehmen an, wie die Umstellung auf eine agile Arbeitsweise gelingen kann.

Agil oder nicht agil?

Das eine Framework oder die eine Lösung für jedes Unternehmen gibt jedenfalls es nicht; dennoch können viele große Firmen von einer agilen Methodik profitieren, wenn sie richtig gewählt und angewendet wird. Ein Wundermittel ist Agile aber auch für große Unternehmen nicht – trotzdem aber definitiv einen Blick wert. Immerhin lassen sich auch in großen Unternehmen mit einer agilen Arbeitsweise häufig bessere Ergebnisse erzielen als zuvor und das in kürzerer Zeit. Und das ist wohl für jedes Unternehmen spannend!

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Aufmacherbild: Scrum Board, Agile Method von Shutterstock.com / Urheberrecht: Hurca

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