Agile ist auf dem Vormarsch - wie gelingt der Umstieg?

Der Stand der agilen Revolution
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Agile Methoden sind auf dem Vormarsch. Immer mehr Unternehmen stellen ihre Arbeitsweise darauf um; in manchen Bereich kann agiles Arbeiten sogar schon als neuer Standard angesehen werden. In den letzten fünf Jahren hat sich die Verbreitung des Ansatzes noch einmal deutlich erhöht und viele Unternehmen ziehen die Umstellung in Erwägung. Wer den Schritt bisher nicht gewagt hat, kann inzwischen viel von denjenigen lernen, die bereits erfolgreich mit agilen Methoden arbeiten.

Im vergangenen Jahr hat VersionOne 3.925 Personen im Rahmen ihres 9th Annual State of Agile Survey befragt. 94 Prozent der Befragten gaben an, dass sie für ein zumindest teilweise agil arbeitendes Unternehmen tätig sind. 24 Prozent der Teilnehmer arbeiten als Projektmanager, 22 Prozent stehen als Entwickler an vorderster Front der agilen Arbeitsweise. 53 Prozent arbeiten für Unternehmen, die mehr als 1000 Mitarbeiter haben, weitere 55 Prozent für noch größere Firmen.

Vorstellungen von und Erfolge mit Agile

Als Hauptgrund für die Umstellung auf agile Methoden wurde von 59 Prozent der Studienteilnehmer angegeben, dass man sich dadurch eine Beschleunigung der Produktauslieferung erhoffe. Ebenfalls wichtig für die Entscheidung für agile Methoden war die Möglichkeit, damit schnell auf veränderte Prioritäten reagieren zu können.

Diese Wünsche scheinen sich weitgehend erfüllt zu haben. 87 Prozent stimmten der Aussage zu, dass die Reaktion auf neue Anforderungen durch das agile Arbeiten leichter geworden ist. Auch die viel zitierte Verbesserung der Produktqualität durch diese Arbeitsweise können 78 Prozent für ihren Arbeitsplatz bestätigen.

Auch für verteilte Teams

Häufig wird allerdings daran gezweifelt, dass agile Methoden dazu geeignet sind, in verteilten Teams zu arbeiten. Doch auch hier ist der Trend eindeutig: Im Jahr 2012 wurde das nur in 35 Prozent der Unternehmen, die in die Befragung eingegangen sind, praktiziert. Im Jahr 2014 stieg diese Zahl auf 80 Prozent. Diesen Trend bestätigt auch die Frage nach den Verbesserungen durch agile Methoden. 59 Prozent der Befragten geben an, dass das Management verteilter Teams durch Agile besser funktioniert als zuvor.

Daneben zeigt die Befragung noch einmal gut, warum Scrum häufig als Synonym für Agile missverstanden wird. In 56 Prozent der agil arbeitenden Unternehmen, die in dieser Umfrage erfasst wurden, wird mit Scrum gearbeitet. Weitere 10 Prozent kombinieren Scrum mit anderen agilen Methoden. Dazu passt, dass die täglichen Standup Meetings, die aus dieser Methodologie stammen, für 80 Prozent der Befragten zu den wichtigsten Bestandteilen der agilen Arbeitsweise gehören.

Agile Kompetenz einordnen

Aber was lässt sich aus diesen Zahlen nun ablesen? Diana Larsen und James Shore haben ein vierstufiges Kompetenz-Modell für die Adaption agiler Methoden entwickelt. Sie nehmen an, dass es einer gewissen Kompetenz, die sie Fluency nennen, bedarf, damit Agile tatsächlich zu besseren Resultaten führt als eine eingespielte Wasserfall-Methodik.

Um die erste Kompetenzsstufe zu erreichen, braucht es nach dieser Theorie etwa zwei bis sechs Monate Erfahrung. In dieser Zeit wird die Arbeit des Teams transparenter und der Fokus auf die Werte, nach denen der Kunde verlangt, wird geschärft. 45 Prozent der agil arbeitenden Teams erreichen diese Stufe. Diese Teams beherrschen die Arbeit in kurzen Iterationen, können mit Backlogs umgehen und Retrospektiven sinnvoll nutzen.

Wenig sehr gute Teams

Die zweite Stufe erreichen schon nur noch 35 Prozent der Teams. Die Produktivität des Teams steigt durch das Erreichen dieses Levels, während gleichzeitig die Fehlerrate sinkt. Auf dieser Stufe wird häufig mit dem Continuous Delivery begonnen, auch die Einführung von Bestandteilen aus dem DevOps-Ansatz kann dazu gehören. Das Team muss viel lernen, um diese Stufe zu erreichen; im Ergebnis lohnt es sich aber, da die Produktqualität durch die hierbei erworbenen Fähigkeiten am stärksten beeinflusst werden kann. Bis ein Team diese Stufe erreicht, können zwei Jahre vergehen.

Um das dritte Kompetenz-Level zu erreichen, braucht es bis zu fünf Jahre an Erfahrung. Teams auf dieser Stufe verstehen die Bedürfnisse des Marktes und können sich diesen Anpassen; die Zusammenarbeit von Business und Entwicklung gelingt nun vollständig. Nur wenige Teams erreichen diese Stufe aber überhaupt. Darüber hinaus kommt kaum ein Team. Erst hier können aber übergeordnete Unternehmensinteressen durch Teams selbstständig in Projekte integriert werden.

Agile Probleme verstehen …

Diese Einstufung lässt eine Einordnung der Probleme zu, die in der vorgenannten Befragung sowohl bei der weitergehenden Adaption agiler Methoden als auch für die Arbeit an Projekten benannt werden. Für 44 Prozent der Befragten sind Differenzen mit der Organisationskultur des Unternehmens ein großes Hindernis bei der Einführung agiler Methoden; 12 Prozent geben an, dass der Zeitfaktor eine wichtige Rolle spielt und zu Problemen führen kann. Wer weiß, dass es bis zu fünf Jahre dauern kann, bis ein Team wirklich gut und eigenständig agil arbeiten kann, sieht sofort, warum es hier Probleme gibt.

Immerhin arbeiten aber ja doch 24 Prozent der Befragten für Unternehmen schon seit mehr als fünf Jahren agil. Hier sollte also eine ausreichende Erfahrungsbasis vorhanden sein, um auch darüber hinaus auf die Vor- und Nachteile der Methodik schließen zu können. So dürfte das von nur 13 Prozent der Befragten berichtet Problem der fehlenden Unterstützung für agil arbeitende Entwickler-Teams nicht mehr allzu häufig in den Unternehmen, die schon lange agil arbeiten. Dabei handelt es sich eher um ein Anfänger-Problem.

… und vermeiden

Für Unternehmen, die jetzt erst auf agile Methoden umsteigen möchten, ist das natürlich eine wertvolle Information. So lässt sich daraus beispielsweise ablesen, dass die Einführung agiler Methoden immer auf die Unternehmensziele ausgerichtet sein sollte, da es sonst zu Konflikten kommen wird. 42 Prozent der Befragten haben angegeben, dass solche Konflikte ein großes Hindernis für die Umstellung auf agile Methoden darstellen. Auch in eine gute Ausbildung ihrer Mitarbeiter sollten Unternehmen investieren, um agil zu werden. 30 Prozent der Befragten geben nämlich an, dass Projekte daran scheitern, dass Mitarbeiter schlecht in der neuen Methodik geschult sind.

Auch bietet es sich an, die neuen agilen Methoden direkt schon auf die Umstellung auf selbige anzuwenden. Der Prozess kann in einzelne Schritte unterteilt werden (ähnlich den Sprints in Scrum), an deren Ende jeweils eine Retrospektive steht, um frühzeitig Korrekturen vornehmen zu können. So blockieren keine alten Wasserfall-Methoden die neuen Ansätze und wenn doch, ist es sofort sichtbar.

Kompetenzen, die einmal erworben wurden, sollten außerdem genutzt werden. Wer im ersten agilen Team gearbeitet hat, kann sein Wissen danach weitergeben um andere Teams in die Methodik einzuführen. Dadurch kann unter Umständen verhindert werden, dass Projekte an einem Mangel an Erfahrung scheitern. Das ist nämlich mit 44 Prozent einer der am häufigsten in der Studie genannten Gründe dafür, dass die Umstellung oder das Projekt nicht gelingt.

Nicht alles muss sich ändern

Daneben zeigt die Befragung, dass die Umstellung auf agile Methoden nicht zwingend mit ganz neuen Softwarelösungen im Unternehmen einhergehen muss. Um Projekte agil zu managen, wird in 68 Prozent der Unternehmen unter anderem Microsoft Excel verwendet. Die Zufriedenheit mit Google Docs im Management agiler Teams liegt außerdem bei 75 Prozent.

Wer nun möglichst schnell den Anschluss ans agile Arbeiten finden möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Donald Reifer schlägt vor, dass die Kooperation  mit einem anderen Unternehmen, das bereits agil arbeitet, zum Einstieg sinnvoll ist. Durch die gemeinsame Arbeit an einem Projekt können einerseits Kompetenzen ausgetauscht werden, andererseits aber eigene Strukturen erst einmal behalten werden. Anders als durch das Engagieren von Consultants nimmt so aber niemand direkten Einfluss auf die eigenen Strukturen – dahinter könne nämlich immer auch das Interesse des Consultants, nicht das des jeweiligen Unternehmens stehen.

Die richtige Entscheidung treffen

Auch ist es wichtig, zuerst zu entscheiden, in welchem Ausmaß ein Unternehmen agil werden soll. Geht es nur um einzelne Teams, kann Scrum auch in großen Firmen die richtige Wahl sein; ist eine langfristige Umstellung über die Entwickler- und IT-Abteilungen hinaus geplant, sollte ein entsprechendes anderes Framework gewählt werden.

Agile ist mit Sicherheit nicht für jedes Unternehmen geeignet. Die von VisionOne durchgeführte Studie zeigt aber auch, dass agile Methoden große Vorteile haben können und durchaus auch in Kontexten funktionieren, die bisher als eher ungeeignet gelten. Agile Methoden sind der große Trend in der Softwareentwicklung und werden es wohl auch noch in den nächsten Jahren bleiben.

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