Tesla Motors, Patente und die Open-Source-Philosophie
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Open Source ist ein alter Hut. Zumindest für weite Teile der Entwicklergemeinde – und für uns im Web ohnehin. Wir leben es mit...

Open Source ist ein alter Hut. Zumindest für weite Teile der Entwicklergemeinde – und für uns im Web ohnehin. Wir leben es mit jeder Faser als ein Teil unserer Kultur. Es werden Unternehmen The Neighbourhoodies gegründet, die das Fernziel haben, als Non-Profit-Organisation Entwickler dabei zu unterstützen, an Open-Source-Software zu arbeiten. Wir lernen aus den Fehlern, die passieren, und verstehen, dass wir das Kollektiv der Open-Source-Gemeinde nutzen können, um unsere Software noch besser zu machen. Und bei all dem, was uns so selbstverständlich erscheint, fällt es uns schwer uns vorzustellen, wie die Welt ohne Open Source funktionieren könnte.

Mikrokosmos Softwareentwicklung

Im Universum der Softwareentwicklung – da sind wir uns einig – ist Open Source schon längst nicht mehr der einst von einem nicht unbedeutenden Menschen in der IT-Szene heraufbeschworene Kommunismus, das personalisierte Böse. Es ist das Rückgrat so vieler spannender und wichtiger Projekte, ein wichtiger Bestandteil in zahllosen Entwicklungen.

Und doch ist dieses Open-Source-Phänomen eines, das zum größten Teil auf den Bereich der Softwareentwicklung beschränkt zu sein scheint.

Oder?

Tesla und die Open-Source-Philosophie

Während ein großer Teil der Welt gestern auf die Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft entgegenfieberte, hat Elon Musk, CEO von Tesla Motors, einen Schritt gewagt, der beeindruckender und wegweisender kaum sein könnte:

Yesterday, there was a wall of Tesla patents in the lobby of our Palo Alto headquarters. That is no longer the case. They have been removed, in the spirit of the open source movement, for the advancement of electric vehicle technology.

Tesla Motors was created to accelerate the advent of sustainable transport. If we clear a path to the creation of compelling electric vehicles, but then lay intellectual property landmines behind us to inhibit others, we are acting in a manner contrary to that goal. Tesla will not initiate patent lawsuits against anyone who, in good faith, wants to use our technology.

All Our Patent Are Belong To You

Doch immer schön der Reihe nach: Tesla Motors dürfte vielen vor allem wegen ihrer sportlichen Elektrofahrzeuge ein Begriff sein. Nicht vergessen darf man dabei allerdings die ausgeklügelten Patente, die das Konzept der Elektroflitzer so einzigartig machen. Wie die Batterietechnologien und die Technologie in den Supercharger-Stationen, die dafür sorgen, dass die Batterien des Fahrzeugs in deutlich unter einer Stunde voll aufgeladen werden. Und diese Patente gehören jetzt der … nennen wir es „Community“.

Noch in der Gründerzeit hatte man bei Tesla Motors das dringende Bedürfnis, sich gegen die großen Konzerne zu schützen. Gegen Konzerne mit milliardenschweren Budgets, riesigen Produktionsstätten und einer Maketing-Power, die Tesla im Handumdrehen niedergewalzt hätten. Die Opferrolle wäre quasi vorprogrammiert gewesen. Trotz der Kooperationen mit Giganten wie AT&T oder Telefónica.

We couldn’t be more wrong

Tatsache ist, dass sich offensichtlich keiner wirklich dafür interessiert, was dort in Palo Alto geschehen ist, welche Entwicklung sich vollzogen hat. Zurück bleibt ein noch motivierter Elon Musk, der die Konkurrenz nicht scheut:

Given that annual new vehicle production is approaching 100 million per year and the global fleet is approximately 2 billion cars, it is impossible for Tesla to build electric cars fast enough to address the carbon crisis. By the same token, it means the market is enormous. Our true competition is not the small trickle of non-Tesla electric cars being produced, but rather the enormous flood of gasoline cars pouring out of the world’s factories every day.

Technology leadership is not defined by patents

Bei Tesla ist man davon überzeugt, dass Patente nur ein schwacher Schutz sind. Wichtiger sei es, talentierte und enthusiastische Ingenieure für sich zu gewinnen. Ein starkes Team sei die beste Garantie, den technologischen Vorsprung halten zu können.

Hier schließt sich der Kreis: „We believe that applying the open source philosophy to our patents will strengthen rather than diminish Tesla’s position in this regard.“

Vielleicht wird dieser Schritt dafür sorgen, dass Open Source nicht mehr länger nur Teil des Mikrokosmos Softwareentwicklung ist; vielleicht geht das Unternehmen damit aber auch unter. Zu wünschen ist es ihnen jedenfalls nicht.

Tesla mag ein kleiner Hersteller sein, dessen Innovationen vielen vielleicht gar nicht geläufig sind. Aber Tesla setzt ein Zeichen, das man nicht ignorieren darf.

Aufmacherbild: Plasma Static Electricity in a Tesla Sphere von Shutterstock / Urheberrecht: underworld

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