Von Papierfliegern und agilen Methoden
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Es gibt Dinge, die einfach jeder von uns kennt. Zum Beispiel das Basteln von Papierfliegern in langweiligen Mathematikstunden in der Schule. Jetzt,...

Es gibt Dinge, die einfach jeder von uns kennt. Zum Beispiel das Basteln von Papierfliegern in langweiligen Mathematikstunden in der Schule. Jetzt, einige Dekaden später, kann sich dieses mühsam erworbene Wissen auszahlen – nämlich dann, wenn man sich mit agilen Methoden beschäftigt. Was genau es damit auf sich hat, erfahren wir in einem spannenden Experiment auf der International PHP Conference 2014: Kanban Paper Airplanes.

Der Ziel dieses Experiments ist es, aufzuzeigen, wie Engpässe entstehen – und wie man sie in den Griff bekommt.

Das Experiment

Das Experiment ist schnell erklärt: Verschiedene Gruppen bekommen die Aufgabe gestellt, in einer vorgegebenen Zeit so viele Papierflugzeuge wie möglich zu bauen. Diese Flugzeuge müssen nach einer vorgegebenen Anleitung erstellt werden, die sieben Schritte beinhaltet.

Am Ende eines Durchgangs wird das Ergebnis getestet: Die Flieger werden Ihrer Bestimmung zugeführt und müssen eine Strecke von fünf Metern überwinden. Wird das geschafft, gilt der Test als erfolgreich. Wenn nicht, dann ist er fehlgeschlagen.

Test bestanden? Glückliche Paperplane-Architekten sind glücklich

Zunächst baut jeder Teammitglied für sich, dann im Team, wobei jedes Mitglied einen Schritt der Anleitung übernimmt. Die Krux an der Sache ist nun die: Jede Gruppe besteht aus weniger Mitgliedern, als es Schritte benötigt, die Papierflieger zu basteln. Es wird also unausweichlich so weit kommen, dass Engpässe entstehen und eine Station den Ablauf aufhält – mit dem unausweichlichen Ergebnis, dass die komplette Produktion ins Stocken gerät.

Während die einen ihre Arbeitsschritte abgeschlossen haben, geraten jene, die mehrere Arbeitsschritte übernehmen müssen, zunehmend unter Druck. Die Papierflieger werden nicht mehr ordentlich gefaltet und die Anzahl fehlgeschlagener Tests erhöht sich.

Eine Situation, die sich auf viele Softwareprojekte übertragen lässt.

Doch wie genau löst man eine solche Situation auf? Wie schafft man es, die überlastete Station zu entlasten? Genau darum dreht es sich in diesem Experiment.

Des Rätsels Lösung

Sinn der Sache ist es nun, Lösungswege zu finden. In diesem Fall ist es das Einrichten eines Puffers zischen den Stationen. Wurde ein Arbeitsschritt erledigt, wird der aktuelle Stand des Papierfliegers in eine Schüssel gegeben – und das Falten des nächsten Schritts beginnt erst, wenn die folgende Station das Material aus dem Puffer entnommen hat. So lässt sich der Druck von demjenigen nehmen, der mehr als einen Arbeitsschritt übernehmen muss.

Die Ergebnisse auf das Team betrachtet sind dabei bemerkenswert: Es steigert sich nicht nur der Output an Papierflugzeugen – auch die Qualität wird zunehmend besser. Ein sehr simples Experiment, das sich ohne großen Aufwand auch im eigenen Team nachvollziehen lässt.

Wer also eine derartige Situation nachstellen und an Lösungswegen arbeiten möchte, der sollte vielleicht damit beginnen, sein Team für das Basteln von Papierflugzeugen zu begeistern …

Aufmacherbild: Paperplane von Shutterstock / Urheberrecht: Lasse Kristensen

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